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Papst Franziskus mit Paloma García Ovejero und Greg Burke Bild: EPA

Papst ohne Sprecher : Wer spricht denn nun in seinem Namen?

Papst Franziskus erlebte eine ganz spezielle Silvesterüberraschung. Die Vatikan-Sprecher Greg Burke und Paloma García Ovejero haben gekündigt. Sie fühlten sich in Franziskus’ Truppe wohl fehl am Platz.

          Der Papst hat kein gutes Jahr hinter sich. Es war von Anfang bis Ende vom globalen Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche überschattet. Und viele Herausforderungen stehen Franziskus im neuen Jahr bevor. Die Bewältigung der seriellen Missbrauchsvertuschung durch Bischöfe steht an oberster Stelle. Dass an Silvester Vatikansprecher Greg Burke und dessen Stellvertreterin Paloma García Ovejero überraschend ihre Ämter niederlegten, dürfte kein gutes Omen sein.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Demission des Amerikaners Burke und der Spanierin García Ovejero kann als unmittelbare Reaktion auf jüngste Personalentscheidungen des Papstes im Medien-Dikasterium gelesen werden. Am 18. Dezember ernannte Franziskus den 54 Jahre alten Italiener Andrea Tornielli zum Chefredakteur aller Medien des Kirchenstaates. Der Journalist und Buchautor war zuletzt Vatikan-Korrespondent der Tageszeitung „La Stampa“, wo er auch den mehrsprachigen Blog „Vatican Insider“ betreute. Tatsächlich war Tornielli unter allen „Vatikanistas“ der ultimative Insider: Im Gegenzug für den stets gewährten persönlichen Zugang zu Franziskus lobte er dessen Pontifikat bedingungslos und verteidigte es aggressiv gegen alle wirklichen und vermeintlichen Gegner des Papstes.

          Sechs Jahre im Vatikan

          Mit der Berufung Torniellis auf den neu geschaffenen Posten eines Chefredakteurs aller vatikanischen Medien – von der Zeitung „L’Osservatore Romano“ über Fernsehen und Radio des Vatikans bis zu den Kanälen der sozialen Medien – hat Franziskus seinem informellen Sprecher nun einen offiziellen Posten im Vatikan gegeben. Damit verlor der Posten des offiziellen Vatikansprechers an Bedeutung. Der 59 Jahre alte Burke, der 2012 noch unter Papst Benedikt XVI. als Medienberater ins Staatssekretariat des Vatikans gekommen war, begründete seinen und seiner Stellvertreterin plötzlichen Rücktritt offiziell damit, dass sie Papst Franziskus die Möglichkeit geben wollten, „völlig frei ein neues Team zusammenzustellen“. Seine sechs Jahre im Vatikan beschrieb Burke als „faszinierende Erfahrung, um das Mindeste zu sagen“, und verabschiedete sich aus Rom mit den Worten: „Neues Jahr, neue Abenteuer.“

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          Vom „sprecherlosen“ Papst selbst gab es nur die knappe Mitteilung, er habe den Rücktritt Burkes und García Ovejeros angenommen. Vom Präfekten des Dikasteriums für Kommunikation, Paolo Ruffini, war zu hören, Burke und García Ovejero hätten ihre Entscheidung „autonom und frei“ getroffen – was wohl heißen dürfte, dass sie nicht entlassen wurden. Der 62 Jahre alte italienische Journalist Ruffini hatte seinen Posten als Präfekt des Kommunikations-Dikasteriums – vergleichbar dem Intendanten eines Medienhauses – erst im Juli übernommen, nachdem sein Vorgänger infolge der als „Lettergate“ bekanntgewordenen Affäre um einen manipulierten Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. hatte zurücktreten müssen. Es stehe nun ein „schwieriger Weg“ an, die wichtige Medienreform im Vatikan fortzuführen, sagte Ruffini. Zum Interimsnachfolger Burkes wurde noch an Silvester der 44 Jahre alte Journalist Alessandro Gisotti ernannt, der bisher als Social-Media-Koordinator im Dikasterium für Kommunikation tätig war. Er freue sich auf die „besonders anspruchsvolle Aufgabe“, teilte Gisotti mit, der zuletzt ein Buch über den Gottesglauben des früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama veröffentlicht hat. Papst Franziskus beginnt das Jahr 2019 mit einer vollständigen „Re-Italianisierung“ aller Führungsposten seiner Kommunikationsabteilung. Deren Feuertaufe werden die Reisen von Franziskus nach Panama Ende Januar und in die Vereinigten Arabischen Emirate Anfang Februar sein, vor allem aber das schon vorab als „historisch“ beschriebene Treffen von Vertretern aller nationalen Bischofskonferenzen im Vatikan zum globalen Missbrauchsskandal Ende Februar. Der internationale Medienansturm zu der Konferenz in Rom wird gewaltig sein, vor allem aus den Vereinigten Staaten, wo unter Laien wie Klerikern der Zorn über die als zögerlich kritisierte Haltung des Papstes bei der Bewältigung des Skandals besonders heftig ist.

          Burke ist Mitglied der katholischen Gemeinschaft Opus Dei, lebt zölibatär und hatte vor seinem Wechsel zum Heiligen Stuhl zuletzt als Vatikan-Korrespondent für den konservativen amerikanischen Sender Fox News gearbeitet. Andrea Tornielli, der neue starke Mann in der Kommunikationsabteilung des Vatikans, ist ein überzeugter Linksliberaler, der sich unter anderem durch die Publikation einer „Liste von Feinden“ von Papst Franziskus hervorgetan hat. Auf dieser im Oktober 2016 in der „Stampa“ veröffentlichten Liste stehen von Tornielli als „ulta-konservativ“ gebrandmarkte Publizisten, die Franziskus kritisch gegenüberstehen, aber auch teils ranghohe Kleriker, die sich wegen abweichender theologischer Ansichten vom Papst distanziert haben. Diesen Widersachern von Franziskus warf Tornielli pauschal vor, sie seien zugleich Bewunderer des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Seinerzeit war Donald Trump noch nicht amerikanischer Präsident. Auf einer aktualisierten „Feindesliste“ könnte Tornielli die Kritiker des Papstes nun ins Lager der Trump-Freunde stecken. Denn umgekehrt hat Franziskus für Trump im Allgemeinen schärfere Worte der Kritik als für Putin.

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