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Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen : Ein Blog im Zwielicht

„Eine dünne Suppe“: Regierungssprecher Thomas Breustedt weist Vorwürfe um den Blog „Wir in NRW“ zurück Bild: dpa

Gerüchte um den Blog „Wir in NRW“ schlagen Wellen im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf. Gab es von der Landesregierung Staatsaufträge fürs Lob auf die Spitzenfrau?

          Wer im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf 2010 im Blog „Wir in NRW“ las, musste mitunter den Eindruck gewinnen, das bevölkerungsreichste Bundesland sei auf dem weißrussischen Pfad. So gefährlich war die Lage offenbar, dass sich bis hin zum Blog-Chef Alfons Pieper alle Autoren hinter Decknamen verschanzen mussten, um den „kritischen“ Journalismus zu retten. Erhebliche Aufmerksamkeit erzielte der Blog mit Enthüllungen, die ausschließlich die CDU trafen. Offensichtlich waren „Wir in NRW“ gezielt Dokumente aus der CDU-Landeszentrale zugespielt worden. Die Veröffentlichungen brachten Jürgen Rüttgers und seine Partei in schwere Bedrängnis. Am 9. Mai 2010 wurde die schwarz-gelbe Landesregierung nach nur fünf Jahren abgewählt.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Schon früh gab es (nie bewiesene) Gerüchte, die SPD als offensichtlicher Nutznießer sei auf die ein oder andere Weise an der Arbeit des Blogs beteiligt. Nun berichtet der „Stern“ in seiner aktuellen Ausgabe, Hintermänner des Blogs hätten von der seit Sommer 2010 amtierenden rot-grünen Minderheitsregierung Kraft als Dankeschön PR-Aufträge über mehrere hunderttausend Euro bekommen. Der frühere Düsseldorfer „Focus“-Büroleiter Karl-Heinz Steinkühler, der unter Pseudonymen wie „Theobald Tiger“ in dem Blog geschrieben habe, sei mit Verträgen zur Erstellung von Imagebroschüren im Gesamtwert von mehr als 300 000 Euro bedacht worden.

          Steinkühler wollte gegenüber dem „Stern“ weder bestätigen noch dementieren, „Theobald Tiger“ gewesen zu sein. Regierungssprecher Thomas Breustedt wiederum versicherte in einer eilends einberufenen Pressekonferenz, alle Aufträge seien vorschriftsmäßig vergeben worden, das beste und wirtschaftlichste Angebot habe den Zuschlag bekommen, parteipolitische Motive gebe es nicht, der „Stern“-Bericht sei „eine dünne Suppe“. Eine gewisse „Gabriele Gans“ sieht das auf den Seiten des Blogs genauso und ist überzeugt, dass der „Stern“ Wahlkampfhilfe für die CDU leiste. Bemerkenswerterweise meldete sich sogar Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), die sich über manche Lobhudelei im ach so kritischen Blog freuen kann, zu Wort. Per Twitter verbreitete sie: „Zu dem ,Stern’-Bericht frage ich mich, was das soll. Lauter nicht belegte Unterstellungen.“ Das beeindruckt Journalisten freilich nicht, die derzeit dabei sind, mögliche personelle Verquickungen weiter zu durchleuchten.

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