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Wahlkampf im Netz : Trumps Fans aus Mazedonien

  • -Aktualisiert am

Wen interessieren in Mazedonien die amerikanischen Wahlen? Überrschend viele! Aber warum nur? Bild: AFP

Im Netz hat Donald Trump sehr seltsame Hilfstruppen. Ausgerechnet in Mazedonien sind diverse Webseiten registriert, die Propaganda und Lügengeschichten im Sinne des Präsidentschaftskandidaten verbreiten.

          Dass Donald Trump wenig Wert auf Faktentreue legt, beweist er bei jedem Auftritt im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf. Etliche seiner Aussagen halten dem Fakten-Check nicht stand. Doch das schadet ihm offenbar nicht. Auch was seine Fans im Internet angeht, hängt einiges in der Luft: Ein Viertel von Trumps Twitter-Gefolgschaft besteht aus Fake-Accounts; es gibt sogar Trump-Bots, die vorspiegeln, für Latinos zu sprechen.

          Unterstützung erhält Trump auch vom Balkan. Wie der „Guardian“ recherchierte, sind in der mazedonischen Stadt Veles 150 Domain-Adressen von Pro-Trump-Websites registriert, wie etwa „The Political Insider“ oder „USA Today Politics“. Benannt nach bekannten Zeitungstiteln wie „Business Insider“ respektive „USA Today“, verbreiten sie Lügengeschichten wie „Hillary’s Illegal Email Just Killed Its First American Spy“. „The Political Insider“ gibt im Impressum 11654 Plaza America Drive als Adresse an, wo laut Google Maps nur eine UPS-Filiale ansässig ist. Als Autorin der Stücke auf „USA Today Politics“ firmiert eine gewisse Mellisa Ferrari, die sich selbstbewusst als „beste Schreiberin, Bloggerin, politische Kommentatorin und Autorin des Landes“ präsentiert. Mehr als 2000 Artikel will sie geschrieben haben, an manchen Tagen fünf oder sechs Geschichten. Vermutlich steckt hinter dem Profil ein Bot und gibt es die Autorin ebenso wenig wie die vermeintliche Redaktion.

          Soziale Medien als Echokammer für Phrasendrescher

          Die Website worldpoliticus.com ist laut Suchfunktion der Internet-Adressverwaltung Icann auf den Namen Mario Hadji Petrusev, wohnhaft in Veles, zugelassen. Glaubt man der Google-Suche, ist Petrusev Programmierer. Eine Suche der Pro-Trump-Seite „365 USA News“ verweist ebenfalls auf Veles. Der „Guardian“ sprach mit einem mazedonischen Website-Betreiber namens „Alex“, der angab, aus politischer Motivation Inhalte von konservativen amerikanischen Portalen kopiert und schließlich jene Link-Schleudern kreiert zu haben, die Trump Unterstützer in die Arme treiben. Alex, der in Wirklichkeit anders heißt, sagte, er habe gut ein halbes Dutzend amerikanische Journalisten, die unter Pseudonym schreiben, angeheuert. Offen bleibt, woher die finanziellen Mittel kommen. Nach eigenen Angaben verzeichnet die Website eine Million Besuche im Monat. Die Hälfte des Traffics speist sich aus Facebook. Auch die Seite „Liberty Writers News“, eine Zwei-Mann-Redaktion mit Sitz in San Francisco, die Trump-Geschichten und Fake-News produziert, bezieht 95 Prozent ihres Traffics von Facebook.

          Ohne die Netzkonzerne als Transmissionsriemen gäbe es diese Art der Propagandaproduktion nicht. Was den Journalisten Nick Bilton in „Vanity Fair“ zu der These bringt, Trump sei nicht das Geschöpf der Medien, sondern des Silicon Valley. Trumps Popularität rühre daher, dass er es verstehe, das latente Unbehagen an der Elite in sozialen Netzwerken zu aggregieren. Seine Präsidentschaftskandidatur 2000 sei auch gescheitert, weil soziale Medien nicht existierten. Bilton gibt den Tech-Konzernen eine Mitschuld an der „Trumpmania“. Tatsächlich sind die sozialen Medien perfekte Echokammer für Phrasendrescher.

          Der Betreiber der Pro-Trump-Portals „Liberty Writers News“, Paris Swade, behauptet, dass sich, seit er Facebook 3000 Dollar im Monat zur Promotion seiner Seite zahle, der Traffic verdoppelt habe. Das wirft ein neues Licht auf die angeblich neutrale Plattform Facebook, die jeden Eindruck der Einflussnahme vermeiden will und ihre Redaktion für „Trending News“ gerade durch einen Algorithmus ersetzt hat. Da man angesichts der Bots und Fake-Accounts gar nicht mehr weiß, was im Netz echt ist und was nicht, fischt im Zweifel auch der vermeintlich unbestechliche Algorithmus (den Menschen programmiert haben) nur im Trüben.

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