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Rassistische Golf-8-Werbung : VW-Vorstand soll Instagram-Affäre klären

  • Aktualisiert am

In dem Video sollte der neue Golf beworben worden. Bild: Volkswagen AG

Der Instagram-Clip war nur zehn Sekunden lang. Doch das reichte, um VW in Verruf zu bringen. Zu sehen war, wie eine weiße Hand einen Schwarzen herumschubst. Nun ist der Konzernvorstand gefragt.

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          Nach der massiven Kritik an einem rassistischen Werbevideo von VW soll sich der gesamte Vorstand mit der weiteren Aufarbeitung des Themas beschäftigen. Dies beschloss Volkswagen am Freitag, nachdem die interne Revision die Vorgeschichte des kritisierten Instagram-Spots für den Golf 8 geprüft hatte. „Die ersten Ergebnisse liegen vor“, erklärte das Vorstandsmitglied für Integrität und Recht, Hiltrud Werner. „Nun wird in der kommenden Woche der Konzernvorstand diese Erkenntnisse bewerten und über Konsequenzen beraten.“ Details dazu wurden noch nicht bekannt.

          In dem etwa zehn Sekunden langen Clip war eine überdimensionale weiße Hand zu sehen, die einen schwarzen Mann herumschubst und in den Eingang eines Gebäudes schnippt, über dessen Eingang „Petit Colon“ (Kleiner Siedler) steht. Gegen Ende erschien eine Buchstabenfolge, deren Einblendung das Wort „Neger“ nahelegte.

          Der VW-Betriebsrat forderte eine rasche Aufarbeitung, nachdem der Konzern sich aus Sicht vieler Kritiker erst zu spät entschuldigt und verharmlosend reagiert hatte. Die einflussreichen Vertrauensleute der IG Metall sorgen sich um das Image ihres Arbeitgebers. Berichten zufolge könnte es nun möglicherweise für verantwortliche Marketing-Manager eng werden.

          Das Zustandekommen des Videos war zwei Wochen lang untersucht worden. „Wir werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Öffentlichkeit nach der Beratung im
          Konzernvorstand schnellstmöglich über alle wichtigen Details und Hintergründe informieren“, sagte Hiltrud Werner. „Wir werden auch darüber berichten, was Volkswagen unternimmt, um zu verhindern, dass so etwas noch einmal passiert.“ Rassismus, Diskriminierung und Intoleranz hätten bei VW keinen Platz.

          Die Sequenz hatte in den sozialen Netzwerken Empörung hervorgerufen. „Das Video ist grenzwertig und komplett rassistisch in seiner Wirkung“, sagte Tahir Della, Sprecher der
          Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Zunächst hatte VW sich noch „überrascht und schockiert“ über die Reaktionen gezeigt, dann aber die Entschuldigung präzisiert:
          Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann sprach von einem „rassistischen Werbevideo“, das jeden anständigen Menschen beleidige. Die Werbeagentur, die für den Clip verantwortlich war, entschuldigte sich ebenfalls und versprach, die Vorgänge aufzuklären.

          Das Video war allerdings bereits elf Tage vor der Veröffentlichung bei Instagram auf dem offiziellen Twitter-Account Stackmanns erschienen und nach erster Kritik wieder gelöscht worden. Das Profil betreibt Stackmann nicht selbst, es wird gemanagt. „Über den Hinweis und die Löschung des von der Fachabteilung freigegebenen Videos war Herr Stackmann nicht informiert worden“, erklärte ein VW-Sprecher.

          Der Betriebsrat warnte vor vorschnellen Schlüssen - unabhängig davon drohe dem Konzern kommunikativ jedoch abermals eine Situation höchster Trag- und Reichweite. Die mächtigen
          Vertrauenskörper-Leitungen der deutschen VW-Werke richteten sich auch wegen der Video-Affäre mit einem offenen Brief an den Vorstand: „Dieses schlechte Bild zerstört das über
          Jahrzehnte gewachsene Kundenvertrauen und gefährdet so unsere Arbeitsplätze.“ Sie kritisieren zudem den Umgang mit Startproblemen bei Modellen, die Folge sei ein „Marketing- und Kommunikationsdesaster“.

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