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Vor Gottschalks neuer Sendung : Will er das wirklich?

Der Chef erklärt, der Redakteur schaut skeptisch: Gottschalk geht die Sache hinter den Kulissen an wie davor - unverdrossen engagiert Bild: Philipp Johann Hageni

Bald beginnt für Thomas Gottschalk und die ARD eine neue Ära. In Berlin haben sich der Altmeister der Fernsehunterhaltung und seine jungen Redaktion in die Karten gucken lassen.

          6 Min.

          Thomas Gottschalk findet keine Ruhe. Nicht tagsüber, nicht nachts. Um vier Uhr morgens war es heute mit der Siesta vorbei, das Workout begann im Dunkeln. Dabei musste er erst um zehn in der Redaktion sein. Von zehn bis zehn reicht Gottschalks Arbeitsstrecke. Je näher die Premiere seiner neuen Show rückt, desto intensiver gerät der Probelauf. Am Montag, den 23. Januar, um 19.20 Uhr, ist D-Day.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Um elf sitzt Gottschalk in der Konferenz. Die erste Lage. Die Redakteure tragen ihre Themen vor. Sie decken den Moderator reichlich ein. Lothar Matthäus könnte etwas hergeben, der wegen eines Immobiliengeschäfts Ärger mit der Justiz hat. Wenn nicht mit Gottschalk - mit wem sonst würde Matthäus im Fernsehen reden, selbst in einem eher unangenehmen Moment? Beim „Tatort“ am Sonntag, ist einem Redakteur aufgefallen, gab es einen witzigen Anschlussfehler. Die Kommissarin sitzt mit einem Verdächtigen am Tisch. Sie trinkt - im Dienst - ein Glas Wein, ihrem Gegenüber bleibt das Wasser. Das weckt Erinnerungen an die Bierreklame, die Simone Thomalla machte, als sie noch mit dem früheren Schalke-Manager Assauer zusammen war. Bei Harald Schmidt taugte das für eine Pointe im Eröffnungsmonolog, bei Gottschalk vielleicht auch.

          „Fernsehen ist der Knaller“

          Apropos Schmidt: Der hatte in der vergangenen Woche per Twitter „Gottschalk Live“ angefunkt. Er hat allerdings, assistiert von seinem ebenfalls ahnungslosen Musikus Helmut Zerlett, geschätzte sieben Minuten gebraucht, bis er einen Kommentar gepostet hatte. „Lieber Tommy, Netz im Fernsehen ist der Knaller.“ Die Nummer allerdings war nicht gerade knallig. Gottschalks Truppe nahm den Ball gleichwohl dankbar auf. „Lieber Harald, spiele diese Woche nur vor Testpublikum, aber habe dabei immer noch mehr Zuschauer als Du“, kam zurück - was Schmidt, der unter dem Pseudonym „patfan19801“ Tweets absetzt, an diesem Dienstag wiederum zu einem zweiten Twitter-Lehrgang animierte. Ergebnis: „Lieber Tommy, Haare oder Kopftuch? Freue mich schon sehr auf Deine erste Show!“, ergänzt um die Abschiedsfloskel „OMG *fg* ROFL“, die nur eingeweihten Internetnutzern etwas sagt. Die Altmeister pflegen im Netz schon eine kleine Fehde, bevor Gottschalk auf Sendung geht. Sollte der Running Gag beim Publikum ankommen, hätten beide etwas davon.

          Doch in Gottschalks Morgenkonferenz geht es weniger um Gags am Rande, sondern um die zweiundzwanzig Minuten, die abends gefüllt sein wollen. Mit einem an diesem Probetag jedenfalls nicht: Berichten von Überlebenden der Schiffskatastrophe im Mittelmeer. Darum kümmert sich in der ARD schon das Boulevardmagazin „Brisant“. Und Gottschalk lebt zwar auch vom und mit dem Boulevard, will seine Sendung aber auf Abstand halten. Das RTL-Dschungelcamp ist - noch - kein Thema, könnte aber eines werden.

          Zweiundzwanzig Minuten: So lange hat Gottschalk bei „Wetten, dass..?“ gebraucht, um seine Gäste vorzustellen. Jetzt hat er für seinen ersten Sprechgesang maximal vier. Dann kommt eine Werbeunterbrechung - wir sind im Vorabendprogramm der ARD -, später noch eine. Dazwischen ein Studiogast, ein Schaltgespräch, eine Musikeinlage. Das ist ein Tempowechsel wie von der großen Oper zum Rap.

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