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Vodafone-Studie zu Big Data : Wer liest denn schon das Kleingedruckte?

  • -Aktualisiert am

Das neue Kapital: Persönliche Daten sind für Unternehmen wie Facebook oder Google echtes Geld wert. Bild: dpa

Eine Studie im Auftrag des Vodafone Instituts hat Europäer zu ihrem Verhältnis zum Sammeln und Speichern von Daten befragt. Besonders Deutsche legen großen Wert auf ihre digitale Privatsphäre.

          Die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Webanbietern lesen sich ungefähr so spannend wie die Bedienungsanleitung eines Staubsaugers. Mit dem Unterschied, dass man bei der Benutzung des Staubsaugers (noch) keine persönlichen Daten preisgibt. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag des Vodafone Instituts für Gesellschaft und Kommunikation hat jetzt bestätigt, dass AGBs wirklich kaum gelesen werden. Nur 12 Prozent der Befragten gaben an, die unübersichtlichen rechtlichen Hinweise zu lesen. Bei der Studie wurden mehr als 8000 Menschen in Tschechien, Frankreich, Italien, Deutschland, Irland, Niederlande, Spanien und Großbritannien befragt, unter welchen Umständen sie bereit wären, ihre Daten zu teilen.

          Ob persönliche Daten weitergegeben werden, hängt vor allem davon ab, von wem und wofür die Daten verwendet werden. 65 Prozent der Befragten haben sich bereit erklärt, ihre Daten von Gesundheitsinstitutionen sammeln zu lassen, um Verbesserungen bei der Entdeckung und Behandlung von Krankheiten zu fördern. In Deutschland haben dem nur 42 Prozent zugestimmt. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) hätten keine Bedenken, wenn ihre beim Autofahren entstehende Bewegungsdaten an Navigationssysteme weitergegeben würden, um von individuellen Verkehrshinweisen zu profitieren.

          Das Vertrauen in den Staat ist gering

          Anders sieht das bei der kommerziellen Verwendung aus: Nur 10 Prozent aller Befragten gaben an, kein Problem damit zu haben, wenn Shops ihre Daten für Werbezwecke und Marketingaktionen an Dritte weitergeben. Insgesamt sehen 51  Prozent in Big Data, also im massenhaften Sammeln von Daten, mehr Nach- als Vorteile. Kritikpunkte seien mangelnde Transparenz, geringe Kontrolle über eigene Daten, unverständliche Sprache bei den AGBs und beim Kleingedruckten. Bei dem Verhältnis zu Big Data spielten aber auch Alter und Bildungsgrad eine gewichtige Rolle: Die 18 bis 29-Jährigen nehmen die Speicherung von Daten tendenziell positiver wahr, mit zunehmendem Alter nehme die Skepsis stark zu. Formal höher Gebildete sehen zu gleichen Teilen Vor- und Nachteile von Big Data, bei Menschen mit niedrigeren Bildungsabschlüssen überwiegen die Nachteile.

          Privatheit bleibt ein europäischer Grundwert

          „Big Data ist eine große Chance, um das Leben der Menschen zu verbessern. Transparenz und der Schutz der Privatheit sind entscheidende Voraussetzungen. Hier stehen Unternehmen und Politik in der Pflicht“, sagt Hannes Ametsreiter, Geschäftsführer von Vodafone Deutschland, zu den Studienergebnissen. Um das Vertrauen in den Staat ist es laut Studie tatsächlich nicht gut bestellt: Weniger als 24 Prozent aller Befragten sieht sich darüber informiert, wie die Regierung mit ihren Daten umgeht. In Deutschland vertrauen nur 19 Prozent dem Staat im Umgang mit ihren persönlichen Daten.

          Viktor Mayer-Schönberger, Professor für Internet Governance und Regulierung am Oxford Internet Institute, kommentiert die Studie eindeutig: „Die Ergebnisse sind nichts weniger als eine Anklageschrift gegen die herrschende Praxis europäischen Datenschutzes. Der attestierte Vertrauensverlust ist dramatisch.“ Den Hauptkritikpunkt sieht Mayer-Schönberger vor allem im „Mechanismus, mit dessen Hilfe derzeit personenbezogene Daten geschützt werden sollen“. Der Grundwert der Privatheit bei den europäischen Bürgern sei aber unumstritten.

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