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Bildagentur Corbis verkauft : An Einstein verdienen nun die Chinesen

Das Bild Einsteins mit der herausgestreckten Zunge wird häufig zitiert, hier in St. Petersburg. Die Rechte am Original wandern nun nach China. Bild: AP

Die „Visual China Group“ kauft Bill Gates die Bibliothek der Agentur Corbis ab und verbündet sich mit Getty: Die Bilder der Welt sind nun in Peking.

          Das fotografische Gedächtnis der westlichen Welt wird künftig von China aus verwaltet. Nachdem Bill Gates, Gründer des Softwarekonzerns Microsoft und mit einem Vermögen von rund siebzig Milliarden Euro reichster Mann der Welt, gerade die Bilderbibliothek seiner Agentur Corbis an die Visual China Group (VCG) verkauft hatte, schlossen die Chinesen umgehend eine Partnerschaft mit der amerikanischen Gruppe Getty Images ab.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Damit fließen durch ihre Kanäle künftig Millionen Bilder, die nicht nur tagesaktuelle Nachrichten darstellen, sondern auch ein Gutteil der großen Ereignisse der westlichen Geschichte zeigen. Umfassen doch die über Jahrzehnte hinweg aufgebauten und gepflegten Archive von Getty rund zweihundert Millionen Abbildungen, die von Corbis beinhalten mehr als hundert Millionen Fotografien und achthunderttausend Videos.

          Visual China will im Ausland expandieren

          VCG war erst im Jahr 2000 gegründet worden, hatte bislang Getty nur auf dem chinesischen Markt vertrieben und auf dieser Basis binnen eines Jahrzehnts einen riesigen Konzern mit einem Jahresumsatz von zuletzt umgerechnet 57 Milliarden Euro aufgebaut. Vor zwei Jahren ließ es seine Aktien an der südchinesischen Börse listen. Heute beliefert es mehr als 15.000 Werbeagenturen und Medienfirmen mit Fotos und Abbildungen jeder Art.

          Wie auch andere Medienhäuser aus dem Reich der Mitte hat Visual China jetzt die Expansion ins westliche Ausland im Visier. So wird die etablierte Zusammenarbeit mit Getty in den kommenden Monaten auf den Rest der Welt ausgedehnt und um die Angebote aus der Akquisition von Corbis ergänzt. Mit Blick auf den jüngsten Zukauf sprach Amy Jun Liang, Vorstandsvorsitzender von Visual China, daher von einer „Schatztruhe wertvoller Bildmaterialien“. Corbis wird sich nach den Worten seines Vorstandschefs Gary Shenk künftig auf seine Gesellschaft Branded Entertainment Network konzentrieren. Zum Geschäftsmodell von Branded Entertainment gehört die Plazierung von Werbung in Fernsehserien, Video- und Kinofilmen. Darüber hinaus verwaltet es Bildrechte bedeutender Persönlichkeiten wie Albert Einstein oder Martin Luther King jr..

          Wichtige historische Bildarchive gehören nun China

          Während dieses Geschäft dank lukrativer Lizenzverträge als sehr profitabel gilt, nennt Corbis-Chef Shenk alles andere „eine Herausforderung“. Das wissen auch die Chinesen. Daher gehen wichtige Teile der historischen Archive von Corbis nun an sie über. Dazu gehört die Foto- und Bildersammlung des in den dreißiger Jahren von Deutschland nach Amerika emigrierten Otto Bettmann. Sie umfasst mittlerweile mehr als sechzehn Millionen Abbildungen. Darunter befinden sich Fotos aus dem neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert und Bildikonen wie Einstein mit herausgestreckter Zunge.

          Auch über der Sygma Collection mit ihren rund 34 Millionen Bildern halten fortan die Chinesen ihre Hände. Den Preis, den sie dafür an Bill Gates zahlen, halten die Vertragsparteien bislang unter der Decke. Gates hatte dank sprudelnder Einnahmen aus seiner Softwarefirma Microsoft Ende der achtziger Jahre Corbis unter dem Namen Interactive Home Systems gegründet. Zunächst hatte er die Lizenzierung digitaler Bilder im Blick; später griff er auch auf Werke aus guten alten Fotoreportagen sowie auf Fotokunst zurück. Da alte Fotoaufnahmen überaus empfindlich sind, ließ er große Teile der Archive in klimatisierte Bergwerke im amerikanischen Bundesstaat Pennsylvania bringen. Sie gehen mit dem Verkauf von Corbis nun an die Chinesen.

          Wie Visual China Group gehen auch andere Medienhäuser aus dem Reich der Mitte im Westen auf milliardenschwere Einkaufstouren. So legte Dalia Wanda gerade 3,5 Milliarden Dollar für die Mehrheit an den Hollywoodstudios Legendary Entertainment auf den Tisch, welche die Godzilla-Filme und den Katastrophen-Film „Pacific Rim“ drehten. Das Internethaus Alibaba kaufte Anfang des Jahres nicht nur die in Hongkong ansässige „South China Morning Post“, es hatte im vergangenen Jahr auch Millionen in den Kassenschlager „Mission Impossible – Rogue Nation“ gesteckt. Darüber hinaus greift Alibaba nach einem fetten Aktienpaket der amerikanischen Viacom-Gruppe, zu der die Traditionsfirma Paramount gehört.

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