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Urteil zum Mord in Malta : Fünfzehn Jahre Haft für den Mörder von Daphne Caruana Galizia

Gedenken: Die Journalistin Daphne Caruana Galizia wurde am 16. Oktober 2017 durch eine Autobombe getötet. Bild: AP

Wegen des Mordes an der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia ist Vincent Muscat zu langer Haft verurteilt worden. Er hatte sich schuldig bekannt. Das Urteil markiert einen Wendepunkt.

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          Es ist ein Wendepunkt: Am Dienstagabend ist Vincent Muscat von einem Gericht in Valletta wegen des Mordes an der maltesischen Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia am 17. Oktober 2017 zu fünfzehn Jahren Gefängnis sowie zur Zahlung der Verfahrenskosten in Höhe von etwa 43.000 Euro verurteilt worden.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Dem Urteil war ein Schuldbekenntnis Muscats sowie dessen Bereitschaft zur Kooperation mit den Strafverfolgern im Gegenzug für ein verringertes Strafmaß vorausgegangen. Muscat, der gemeinsam mit den beiden weiteren Tatverdächtigen Alfred und George Degiorgio 2017 verhaftet worden war, hatte gemeinsam mit den Brüdern bisher jede Beteiligung an dem Attentat auf die bekannteste Journalistin Maltas abgestritten.

          Muscat und seine Komplizen haben nach Überzeugung des Gerichts die Bombe im Auto von Daphne Caruana Galizia versteckt und ferngezündet. Das Verfahren der Brüder wird nun getrennt weitergeführt. Kurz nach dem Schuldspruch gegen Muscat wurden noch am Dienstag drei weitere Verdächtige festgenommen. Sie sollen nach Aussage Muscats den Sprengstoff und den Zeitzünder beschafft haben. Der weitere Verlauf des Verfahrens dürfte wesentlich davon abhängen, welche zusätzlichen Informationen Muscat preisgeben wird.

          Bei einer Pressekonferenz wenige Stunden nach dem Urteil bezeichnete Ministerpräsident Robert Abela den Schuldspruch als Beweis dafür, dass die Institutionen Maltas funktionierten. Abela bekräftigte, dass die Ermittlungen bisher keine Hinweise auf die Beteiligung von Politikern an dem Mord ergeben hätten. Die Familie von Daphne Caruana Galizia ist hingegen überzeugt, dass die Führung der seit 2013 regierenden sozialdemokratischen Arbeiterpartei in den Mord verwickelt war. Die Journalistin hatte in ihrem Blog vor allem Keith Schembri, den Kabinettschef des früheren Ministerpräsidenten Joseph Muscat, der Korruption und der Geldwäsche bezichtigt. Nach Demonstrationen aufgrund schleppender Ermittlungen im Fall Caruana Galizia hatte Ministerpräsident Joseph Muscat, der mit dem jetzt verurteilten Vincent Muscat nicht verwandt ist, im Januar 2020 seinen Rücktritt vom Amt sowie als Parteichef eingereicht. Zuvor war Schembri zurückgetreten und kurzfristig in Untersuchungshaft genommen worden.

          Als mutmaßlicher Auftraggeber für den Mord sitzt der mit Schembri befreundete Geschäftsmann Yorgen Fenech seit November 2019 in Untersuchungshaft. Fenech war bei dem Versuch, mit seiner Yacht zu fliehen, in einem Hafen nahe der Hauptstadt Valletta festgesetzt worden. Die Hauptverhandlung gegen Fenech steht noch aus. Jason Azzopardi, der Anwalt der Familie Caruana Galizia, äußerte die Hoffnung, dass das erste Urteil in dem Verfahren endlich den Weg „zu vollständiger Gerechtigkeit für Daphne Caruana Galizia“ ebne.

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