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Vietnam-Doku bei Sky : Gedichte zum Überleben

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Welche Rolle hatten Deutsche im Vietnamkrieg? Eine Dokumentation im Abosender „Sky“ befragt Zeitzeugen und schafft ein hartnäckiges Gerücht aus der Welt.

          Der Abosender History hat am Wochenende einen Film im Programm, dessen Titel aufhorchen lässt: „Die Legion – Deutscher Krieg in Vietnam“ heißt die Dokumentation von Emanuel Rotstein. Der Titel „Die Legion“ ist irreführend, bezieht er sich doch auf ein oft kolportiertes Gerücht, deutsche Soldaten hätten in Vietnam aktiv gekämpft. Genau mit dieser Sage räumt Rotstein auf.

          Er benennt neun deutsche Zivilisten, die im Vietnamkrieg ums Leben kamen. Von den überlebenden Kriegszeugen äußert sich Bernhard Diehl, der von 1968 bis 1973 in Vietnam war – ein Jahr als Leiter des Malteser-Teams in An-Hoa und vier in Gefangenschaft des Vietcong. Er ist der interessanteste Zeitzeuge des Films. Er habe die Strapazen und die Isolationsfolter nur überlebt, weil er in Gefangenschaft Gedichte verfasst habe, sagt der in Mainz niedergelassene Psychiater im Gespräch.

          Privatbesuch auf der Krankenstation

          Diese Gedichte habe man ihm vor seiner Freilassung aus dem Hao- Lo-Gefängnis in Hanoi abgenommen. „Ich weiß aber, dass sie noch existieren, und mein großes Ziel ist es, sie vom damaligen Gefängnisdirektor Oberst Tran Trong Duyet wiederzubekommen. Nur deshalb habe ich mich jetzt noch einmal vor einer Kamera geäußert.“ Auf den Medienrummel, der einsetzte, als er 1973 nach Deutschland zurückkehrte, sei er nicht vorbereitet gewesen.

          Eine schillernde Figur ist Captain Warren „Bud“ Williams, Angehöriger der Special Forces in Vietnam, der die deutsche Malteserstation, auf der sich alle so sicher fühlten, weil sie Verletzte beider Kampfparteien versorgte, angeblich nur aus privaten Gründen besuchte. Eine Krankenschwester hatte es ihm angetan.

          Heute sagt er: „Natürlich habe ich die langen Gespräche beim Wein mit Bernhard Diehl auch genutzt, um Informationen über den Feind zu bekommen.“ Er habe sich über die naiven Deutschen immer gewundert und ihnen ihr Schicksal, als Vietcong-Gefangene zu enden, vorausgesagt. „Doch sie dachten, ihnen könnte keiner was anhaben. Heute frage ich mich aber, ob ich nicht durch meine Besuche das Schicksal Bernhards mitverschuldet habe.“

          Im Nachhinein attestiert sich auch Christa von Richthofen, die von 1966 bis 1968 ehrenamtlich an der Seite ihres Mannes Hermann von Richthofen, Botschaftsreferent für humanitäre Hilfe, in Saigon Dienst tat, eine „unglaubliche Naivität“. Sie half, für vietnamesische Waisenkinder ein Dorf zu bauen und musste mit ansehen, wie die Kinder dem sicheren Tod preisgegeben waren, als die südvietnamesischen Linien zusammenbrachen. Eine seltsame Sicht auf die Dinge offenbart Uwe Siemon-Netto, Korrespondent des Springer-Auslandsdienstes in Saigon von 1965 bis 1969. Er schwärmt, wie schön das Leben in Saigon war, besonders im Hotel Continental, und erzählt von der Anmut der vietnamesischen Frauen.

          Am Ende habe er mit einem Landsmann, „der schon in Stalingrad als Major gedient hatte“, einer der „kopflosen“ südvietnamesischen Einheiten bei der Verteidigung Saigons geholfen. Den Geruch verbrannter Menschen auf den Straßen Saigons vergesse er nie. Assistiert wurde ihm von Thanh Nguyen-Brem, bis heute aktiver politischer Kämpfer gegen das kommunistische Regime in Hanoi. „Die meisten Menschen in Westdeutschland waren in ihrer Sicht auf den Vietnamkrieg verblendet“, sagt er im Film mit Blick auf die Proteste gegen den Krieg. Diese Sichtweise macht sich Rotstein zu eigen, um Kritik am Vietnamkrieg geht es ihm nicht. Er hätte mehr aus seiner historischen Expedition machen können.

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