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Lizenzentzug für Dügün TV : Viele Hochzeiten und ein Fall von Zensur

  • -Aktualisiert am

Im Moment haben sie keinen Grund zu feiern: Güler Balaban (links) und Hatice Balaban-Coban wären mit Dügün TV gerne bald wieder auf Sendung. Bild: Dügün TV

Erdogan lässt grüßen: Die türkische Medienaufsicht schaltet den in Köln ansässigen Sender Dügün TV ab. Eine Rechtsgrundlage dafür gibt es nicht.

          Normalerweise gibt es bei Dügün TV immer etwas zu feiern. Seit zehn Jahren überträgt der in Köln ansässige Sender ausschließlich Hochzeiten. Ganz gleich, ob sie in Deutschland oder einem anderen Land Europas stattfinden - wann immer ein türkisches oder aus der Türkei stammendes Paar den Bund fürs Leben eingeht und möchte, dass auch entfernte Verwandte und Freunde, die nicht persönlich dabei sein können, an dem freudigen Ereignis teilnehmen, kommt Dügün TV zum Einsatz. Entweder schickt der Sender eigene Kameraleute zur Feier. Oder er nimmt private Aufnahmen der Zeremonie an, bearbeitet sie und strahlt sie aus. Ein Nischenprogramm mit treuem Publikum, vor allem natürlich in der Türkei.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Seit einem Monat ist Dügün TV dort allerdings nicht mehr zu empfangen. Auch in Deutschland ist das Programm nicht mehr zu sehen, seit die staatliche Regulierungsbehörde der Türkei RTÜK (Radio Televizyon Üst Kurumu) die Betreiber des Satelliten Türksat angewiesen hat, den Sender nicht mehr zu übertragen. Erst auf Nachfrage erfuhren die Mitarbeiter von Dügün TV von der Regulierungsbehörde, dass der Sender eine zweite, türkische Lizenz und eine Niederlassung in der Türkei benötige, wenn er weiter über den türkischen Satelliten ausgestrahlt werden wolle. Dies aber, so sagte die geschäftsführende Gesellschafterin Güler Balaban im Gespräch mit dieser Zeitung, verstoße gegen geltendes Recht.

          Bald wieder auf Sendung?

          Schließlich habe auch die Türkei 2002 das Abkommen über grenzüberschreitendes Fernsehen unterzeichnet und somit akzeptiert, dass nur eine Lizenz nötig sei, um europaweit zu senden. Und Dügün TV besitzt eine solche Lizenz - ausgestellt von der Landesanstalt für Medien (LfM) in Nordrhein-Westfalen. Dort ist man mit Dügün TV einer Meinung. „Das ist ein Skandal“, sagt der LfM-Sprecher Peter Widlok. Es gebe überhaupt keine Rechtsgrundlage dafür, dass die Türkei von dem Kölner Sender eine Lizenz verlange. Deshalb habe man die Rundfunkkommission der Bundesländer angerufen, und deshalb habe sich auch die Staatsministerin für Kultur und Medien eingeschaltet. Bislang ohne Erfolg.

          Über die Gründe für die von der türkischen Regulierungsbehörde erhobenen Forderungen kann Güler Balaban nur spekulieren. Wirtschaftliche Überlegungen könnten eine Rolle spielen. Ihr Sender, sagt sie, habe im vergangenen Monat bedeutende finanzielle Einbußen erlitten. Von den neun festen Mitarbeitern, die in Köln tätig seien, habe sie sieben entlassen müssen.

          Aber auch was die Inhalte angeht, gebe es in der Türkei im Moment eine Tendenz, „alles kontrollieren zu wollen“. Dennoch hofft Güler Balaban, mit Dügün TV bald wieder auf Sendung gehen zu können. Im vergangenen Jahr habe der in Berlin ansässige türkischsprachige Sender TR1 ähnliche Probleme gehabt. Er ist wieder zu empfangen.

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