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Seitensprungportal : Ein Männerparkplatz namens Ashley Madison

Noel Biderman, Gründer von Ashley Madison, mit einem Werbeplakat des Unternehmens Bild: Reuters

Frauen, deren Männer bei Ashley Madison angemeldet waren, können auflachen. Nach neuesten Auswertungen steckten hinter fast allen weiblichen Profilen Bots – und ein paar Lesben. Die immerhin waren erfolgreich.

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          Man sollte meinen, sexuelle Frustration hätten die Nutzer von Ashley Madison zu Hause schon im Übermaß gehabt. Schließlich meldeten sie sich millionenfach bei dem Seitensprungportal an, um mal ein Abenteuer zu erleben. Doch wie neueste Analysen der von Hackern an die Öffentlichkeit gegebenen Daten zeigen, waren zumindest die Männer bei Ashley Madison so sicher wie im Kirchenasyl. Berechnungen der Bloggerin Annalee Newitz ergaben zunächst, es habe fast keine Frauen auf der Seite gegeben. Das Unternehmen wollte dies nicht auf sich sitzen lassen, weswegen Annalee Newitz neu ansetzte und haufenweise Bots, also automatisierte Computerprogramme, identifizierte: 70.486 weibliche Fake-Profile sollen automatisiert mit den männlichen Nutzern geflirtet haben, um sie bei Laune zu halten und so um ihr Geld zu erleichtern. Schließlich kosten private Nachrichten auf dem Portal extra.

          Julia Bähr
          Audience Managerin bei FAZ.NET.

          Auch der Software-Unternehmer John McAfee kam bei seinen Recherchen auf eine lächerlich geringe Zahl echter, nach Affären suchender Frauen: 1400 sollen es gewesen sein. Auf seine öffentlich gestellte Frage, ob überhaupt jemand via Ashley Madison einen Seitensprung hatte, meldeten sich nur Nutzer mit abschlägigen Antworten. Dies kann Annalee Newitz freilich nicht bestätigen: Besonders Frauen, die nach Frauen suchten, hätten ihr von großen Erfolgen auf dem Portal berichtet.

          An diesem Stand der Erkenntnis machen wir einen Schnitt auf die lauthals lachenden Ehefrauen, die aufgrund des Hacks der Nutzerdaten von der Mitgliedschaft ihrer Männer bei Ashley Madison erfahren haben. Sicher waren sie anfangs traurig, verletzt und stocksauer. Vielleicht hat er schon Blumensträuße angeschleppt, womöglich sogar versprochen, sich zu bessern oder doch wenigstens endlich den Flur neu zu streichen, wie sie es seit Monaten fordert. Und nun kommt heraus, dass er monatelang ohne jegliche Aussicht auf Erfolg mit Programmen schmutzige kleine Nachrichten ausgetauscht hat. Und dass die einzige echte Frau, die ihn jemals dort angeschrieben hat, sich schnell wieder zurückzog, ohne ihm zu erklären, dass sie ihn wegen des Nutzernamens flower81 für eine Frau gehalten hatte.

          Hoffentlich verfilmt Woody Allen die Geschichte bald. Mitsamt einer Szene, in der die Ehefrau sämtliche peinlichen Details beim Weihnachtsessen der Familie erzählt, woraufhin die grüne Götterspeise in den offenen Mündern der lachenden Tanten glibbert.

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