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Lesbarkeit von Videospielen : Niemand sagt dir, wie du sprintest

Gott vergibt - nicht so „Dark Souls“: Wer hier das Ausweichen vergisst kommt nicht weit und ist sehr schnell sehr frustriert. Bild: Bandai Namco Entertainment

Menschen, die auf Tasten starren: Der Youtuber „Razbuten“ zeigt in einem pfiffigen Beitrag, wie blutige Anfänger mit Videospielen umgehen, welche Fehler sie machen und warum das oft an den Spielen selbst liegt.

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          Über Videospiele kann man sich so seine Gedanken machen. In der Kulturkritik stehen dabei oft ästhetisch-inhaltliche Fragen im Vordergrund, seltener die Mechanik. Wenn Fachblätter wiederum auf Mechanik und Funktionsweise, die Syntax eines Spieles, blicken, dann liegen häufig strategische Fragen zum bestmöglichen Fortkommen zugrunde, die auf die gereifte Erfahrung des Lesers bauen können.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          In beiden Fällen wird zwar bestenfalls versucht, auch Lesern, die mit dem Medium fremdeln, den Vorgang des Spielens – die Freuden, die Schwierigkeiten – zu erklären. Übersehen wird dabei jedoch, dass viele Menschen, in deren Alltag Videospiele keine Rolle spielen, kaum je einen Zugang zum Medium finden werden, weil ihnen etwas Grundlegendes fehlt. Etwas, das mehr oder minder erfahrene Spieler über Jahre gelernt und verinnerlicht haben, dessen sie sich jedoch längst nicht mehr bewusst sind: eine Art ABC des Videospiels.

          Ein amerikanischer Youtuber namens Razbuten hat diesen Grundlagen nun ein kluges und vielbeachtetes Video mit dem Titel „Gaming for a Non-Gamer“ gewidmet. Es behandelt das Thema Zugänglichkeit aus einer völlig neuen Perspektive und analysiert detailliert, wie sich der Kontakt mit Videospielen anfühlt, wenn man zum ersten mal selbst am Drücker sitzt. Dazu hat der Videospiel-Liebhaber Razbuten seiner Frau, die mit derlei Spielen nur wenig zu tun hatte, im Zeitraum eines Jahres neun Videospiele vorgesetzt und ihr dabei über die Schulter geschaut, wie sie sich die Spielwelten aneignet, oder an ihnen scheitert. Der Beitrag zeigt aber nicht nur, welche Hürden es zu nehmen gilt und warum es oft die Schuld des Spiels ist, wenn unerfahrene Spieler Fehler machen, sondern arbeitet unterhaltsam heraus, dass es in Sachen Zugänglichkeit von Videospielen immer noch erhebliche Defizite gibt. Razbuten bringt es auf den Punkt: „Warum sollte jemand ein Buch zur Hand nehmen, wenn er gar nicht lesen kann?“

          Das Jump ’n’ Run-Spiel mit dem „kleinen süßen Geist“

          Folgende Spiele wurden für diesen Test ausgewählt: der Klassiker der Jump ’n’ Run-Spiele „Super Mario Bros.“ (1987); ähnlich gelagert, aber neuer, „Celeste“ (2018), „Shovel Knight“ (2014), das 3D-Teleport-Puzzle „Portal“ (2007), der Ego-Shooter „Doom“ (2016), das Rollenspiel „The Elder Scrolls V: Skyrim“ (2011), die Action-Adventures „The Last of Us“ (2013) und „Uncharted 2“ (2009) sowie das für seine Schwierigkeit berüchtigte „Dark Souls“ (2011). Bei der Auswahl, sagt Razbuten, sei er zwar seinem persönlichen Geschmack gefolgt, habe aber vor allem auf die Unterschiedlichkeit in puncto Genre und Spielmechanik geachtet. Zudem habe er seiner Frau zu keinem Zeitpunkt irgendwelche Tipps gegeben, sondern lediglich geduldig zugeschaut.

          Den Anfang nahm das Unterfangen, als Razbutens Frau aus einer Laune heraus das Jump ’n’ Run-Spiel mit dem „kleinen süßen Geist“, „Hollow Knight“ (2017), ausprobieren wollte. Der Youtuber beobachtet, dass bestimmte Stellen im Spiel, die er beim ersten Durchgang lediglich gestreift hatte, für sie von einer „gewaltigen Anstrengung“ begleitet wurden. So muss der Spieler an einer Stelle über sieben Plattformen springen, um eine Klippe zu überwinden. Und während er dieses grundlegende Hindernis ursprünglich in einer lockeren Folge von Sprüngen meisterte – auch weil er intuitiv wusste, wie er seine Sprunghöhe und -weite anpasst – ist für seine Frau jeder Sprung eine eigene, neue Herausforderung. „Als ich sah, wie unterschiedlich man ein Spiel wahrnehmen kann, begann ich intensiv über die Sprache von Videospielen nachzudenken“, erinnert sich der Gamer. Videospieler tun viele Dinge instinktiv, weil viele Spiele auf etablierte und gelernte Mechaniken zurückgreifen. Sie benutzen ähnliche „Ideen und Vokabular“ um den Spielern die nötigen Informationen so schnell wie möglich zu vermitteln. So sei die Farbe rot stets mit der Gesundheit der Spielfigur verbunden. Doch auch das ist gelernt. Razbuten sagt, er wollte verstehen, wie Menschen die Grundlagen des Videospielens (nicht eines bestimmten Spiels!) lernen.

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