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„Watch Dogs: Legion“ : Wer liefert die Demokratie von morgen?

  • -Aktualisiert am

Erinnerungskultur: In „Watch Dogs: Legion“ ist Londons Sicherheit bedroht. Bild: Ubisoft

Bis der Server brennt: Im Videospiel „Watch Dogs: Legion“ proben Hacker in einem totalitär regierten London den Aufstand – und potentiell jeder aus der Bevölkerung ist ihr Komplize.

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          Das hier ist eine Nachricht aus London an die Städte da draußen: Einmal nicht aufgepasst, und schon ist der letzte Rest Freiheit dahin. Nach Bombenanschlägen, die Gebäude an der Blackfriars Bridge und weitere Gegenden zerstörten, stellt die britische Regierung der überforderten Hauptstadt eine Privatarmee namens Albion zur Seite. Diese sichert die Stadt und perfektioniert die Suche nach illegalen Einwanderern.

          Selbstverständlich haben die humorlosen Schergen von Albion im dritten Teil des Hacker-Thrillers „Watch Dogs“ Zugriff auf das „Central Operating System“ von Blume. In den Servern des multinationalen Datenkonzerns fließen alle nur erdenklichen Daten Londons zusammen. Wer sie hat, kann Autos, Ampeln, Kameras und Paketdrohnen ebenso kontrollieren wie eine Gesellschaft, die schon vor den Bomben unruhig war. Sie protestiert gegen die Automatisierung der Berufswelt und lässt davon auch unter der Albion-Herrschaft nicht ab: „Remember Democracy?“ steht auf den Plakaten.

          Für die Anschläge macht der perfide Albion-Geschäftsführer Nigel Cass bereits in der ersten Pressekonferenz vor „10 Downing Street“ die Hackergruppe Dedsec verantwortlich, die einst das Blume-System in Chicago attackierte, um den Datenkonzernen im Silicon Valley auf die Finger am Rad der Geschichte zu hauen. Glatt gelogen: Dedsec London wollte den Anschlag verhindern, wobei einer ihrer Hacker ums Leben kam. Seine atemlose Suche nach den Bomben ist der Einstieg für „Watch Dogs Legion“ mit Agenten-Thrill ohne staatlich zertifizierte Agenten, inszeniert von Ubisoft Toronto, das 2013 für „Tom Clancy’s Splinter Cell: Blacklist“ und 2018 für „Far Cry 5“ verantwortlich war.

          Spiel doch, wen du willst

          Aber in wessen Rolle schlüpfen wir, nun, da unser Mann auf dem Dach des Westminsterparlaments von Kampfdrohnen erschossen worden ist? Im ersten Teil von „Watch Dogs“ schlüpften wir in die Haut des kriminellen Hackers Aiden Pearce, der per Zufall in unangenehme Machenschaften geriet, im inhaltlich gewitzteren Nachfolger kämpften wir als Marcus Holloway gegen die wachsende Allmacht von Blume und Konsorten.

          Spiel doch, wen du willst, ruft uns „Watch Dogs 3“ diesmal zu: Das Open-World-Abenteuer ist so programmiert, dass der Spieler die Steuerung eines jeden Bewohners von London übernehmen kann, sofern der nur eine Grundsympathie für Dedsec nachweist. Und das ist nicht einfach nur ein Einstiegsgimmick. Die Londoner Zelle von Dedsec muss vielmehr fortlaufend durch das Rekrutieren neuer Mitstreiter ausgebaut werden. Namen und Erscheinung zwirbelt der Konsolenrechner in die visuellen Stränge der Story.

          Trotz der schematischen Dialoge, die das Anheuern der Neulinge einleiten und beinahe klingen wie „Guten Tag, ich komme von der Firma Dedsec, wollen Sie nicht schon immer im Widerstand sein?“, ist dieser mit einigem Aufwand verbundene Kniff faszinierend. Jeder Passant der Millionenstadt hat ein biographisches Profil, auf das wir als Überhacker zugreifen können. Wir sehen Alter, Beruf, Einkommen, Krankheiten, auffällige Suchanfragen, Hobbys und Spezialitäten. Und entscheiden uns etwa für den 57 Jahre alten Mechaniker Ionut Dragoescu, einen nervenkranken ehemaligen Gewerkschaftler mit entzogenem Pass, oder die fünfunddreißigjährige Kunsthändlerin Ann Ward, die sich dem Widerstand anschließt, nachdem Dedsec ihren KI-Ersatz ausgeknipst hat. Für eine Mission muss dazu eine Bauarbeiterin, für eine andere ein zweifelnder Albion-Stormtrooper überzeugt werden.

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