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„6 Days in Fallujah“ : Geschichte spielen

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Hinter jeder Tür lauert das Ungewisse: Szene aus „Six Days in Fallujah“. Bild: Victura

Das Videospiel „6 Days in Fallujah“ betreibt einigen historischen Aufwand, um den Kampf um die irakische Stadt erlebbar zu machen. Aber kann es der moralischen Komplexität gerecht werden?

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          Mit der Waffe im Anschlag schleichen mehrere Soldaten die dunklen Treppen eines Mehrfamilienhauses hinauf, in dem sich eine Terrorzelle befinden soll. Es ist Nacht, und die Männer sehen die verschlossene Tür vor sich nur durch ihr grünes Nachtsichtgerät. Ein Brecheisen wird angesetzt, die Tür springt auf, und der Raum wird gestürmt. „Nicht schießen! Nicht schießen, bitte!“, ruft die „Unidentifizierte Frau 4“, wie sie von den Untertiteln genannt wird. Langsam geht sie zurück und beteuert ihre Unschuld, macht dann aber eine ruckartige Bewegung, um nach etwas hinter ihr zu greifen. Sie wird von zwei Kugeln niedergestreckt, und die Soldaten entdecken, dass hinter ihr ein Sprengstoffzünder lag.

          Diese virtuelle Hausdurchsuchung fand in dem Spiel „Call of Duty: Modern Warfare“ von 2019 statt. Szenen wie diese sind so immersiv, dass es bei einer bloßen äußeren Betrachtung schwerfällt, zwischen Film und Videospiel zu unterscheiden. Eine Seltenheit ist diese intensive Verschmelzung beider Medien schon lange nicht mehr.

          Dabei zählen Kriegsspiele wie die „Call of Duty“- und die „Battlefield“-Reihe zu den erfolgreichsten Serien und schicken die Spieler seit Beginn der 2000er Jahre immer wieder über fiktive und reale Schlachtfelder. Speziell der Zweite Weltkrieg bot mit dem D-Day, den Panzerschlachten und Stadtkämpfen eine beliebte Kulisse für mehrere Spiele. 2009 markiert einen Wendepunkt in den virtuellen Schauplätzen, als der vierte Teil der „Call of Duty“-Serie die virtuelle Schießerei in die Moderne transportierte und als Spieler gegen nationalistische Russen und Terroristen eines fiktiven arabischen Staats antreten mussten. Parallelen zum Kalten Krieg und den Irak-Einsätzen waren offensichtlich, der amerikanische Patriotismus für Flagge und Heimatland obligatorisch. Spätere Teile der Reihe machten durch immer radikaler werdende Szenen auf sich aufmerksam, darunter ein Amoklauf unter Zivilisten und explizite Foltersequenzen.

          Aus den Augen echter Soldaten: „Six Days in Fallujah“.
          Aus den Augen echter Soldaten: „Six Days in Fallujah“. : Bild: Victura, Inc

          Selbstverständlich gibt es regelmäßig Kritik an solchen Spielen, an der überstilisierten Gewalt genauso wie an den patriotischen Rechtfertigungen. Im Fall des demnächst erscheinenden Spiels „Six Days in Fallujah“ sind die Ambitionen der Entwickler viel größer – und die Kritik geht weit über die üblichen Vorwürfe hinaus. Das Spiel hat es sich zum Ziel gesetzt, die Kampfhandlungen auf amerikanischer Seite während des Irak-Kriegs erlebbar zu machen. Insbesondere geht es dabei um die „Operation Phantom Fury“, die zweite Schlacht von Falludscha, bei der im November 2004 nach Schätzungen des Roten Kreuzes 1500 Menschen umkamen, davon allein 800 Zivilisten. Amnesty International sprach von der bewussten Tötung der Bevölkerung, die entgegen den Aussagen des amerikanischen Militärs nicht evakuiert wurde. Auch weißer Phosphor wurde in Granatenform in Fallu­dscha eingesetzt. Vorfälle wie diese sind denkbar schwierig zu behandeln, ohne politische Position zu beziehen. Und doch möchte sich „Highwire Games“, das Entwicklerstudio hinter dem Spiel, der Schlacht annehmen.

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