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Populäre Videoplattform : Tiktoks Problem mit jungen Nutzern

Das Alter der Nutzer bleibt geheim

Vor allem Jugendliche fühlen sich von der App angesprochen. Wo das Durchschnittsalter der Nutzer genau liegt, kann man nur schätzen, da Bytedance auch dazu keine Zahlen veröffentlicht. Befragungen von Schülern ergeben, dass die typischen Tiktok-Nutzer zwischen elf und fünfzehn Jahre alt sind, manche sprechen sogar eher von neun bis dreizehn Jahren. Dass Kinder in diesem Alter auf Tiktok unterwegs sind, ist nach den Nutzungsbedingungen des Portals eigentlich verboten. Ähnlich wie Whatsapp schreibt die Plattform ein Mindestalter von dreizehn Jahren vor. Das Alter wird bei der Anmeldung aber nur durch die Abfrage des eigenen Geburtsdatums „überprüft“. Eine Kontrolle ist das nicht.

Das bringt die Plattform in die Kritik. Kürzlich gab die britische Datenschutzbehörde ICO bekannt, sie untersuche, ob Tiktok Kinder auf seiner Plattform ausreichend vor gefährdenden Inhalten und Kommentaren schütze und die Daten der Nutzer rechtmäßig erhebe. Letzteres war schon Tiktoks Vorgänger-App „musical.ly“ zum Verhängnis geworden. Die amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC verhängte ein Bußgeld von knapp sechs Millionen Dollar, weil „musical.ly“ illegal persönliche Daten von Kindern unter dreizehn Jahren gesammelt habe.

Das Dilemma mit der Zielgruppe

Fairerweise muss man sagen, dass Plattformen wie Tiktok kaum eine einfach umzusetzende Möglichkeit haben, das Alter ihrer Nutzer sicher feststellen zu können – zumindest nicht, ohne höchst sensible Daten wie Personalausweiskopien oder Ähnliches zu erheben. Kritiker entgegnen, es sei den Plattformen gleichgültig, wer sich für ihren Dienst registriere. Tiktok habe „das Gesetz schamlos ignoriert“, ließ sich seinerzeit FTC-Chef Joseph Simons zitieren.

Tiktok hat das Problem einer zu jungen Zielgruppe erkannt. Eine Sprecherin sagte der F.A.Z., mit dem weiteren Wachstum der Plattform strebe Tiktok eine Ausweitung der Nutzergruppen wie der Inhalte an. Man wolle vor allem die Altersgruppe zwischen sechzehn und 35 ansprechen. Statt Playback-Tanzvideos („Lipsync“ im Fachjargon), für die musical.ly bekannt und unter Jugendlichen beliebt war, ist das Ziel, mehr Koch- oder Schminktutorials und andere, „erwachsenere“ Inhalte auf Tiktok zu bringen.

„Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Nutzer ein positives Erlebnis mit der App haben“, sagte die Sprecherin weiter. Dafür gebe es verschiedene Sicherheitsmaßnahmen. „Jeder Nutzer hat die Möglichkeit, das eigene Profil auf ‚privat‘ zu stellen, damit eigene Inhalte nur mit ausgewählten Nutzern geteilt werden. Außerdem bietet TikTok einen eingeschränkten Anzeigemodus von Inhalten sowie eine individuelle Filterfunktion für Kommentare.“

Zudem hat Tiktok ein sogenanntes Sicherheitszentrum eingerichtet. An einem Ort sind dort Informationen darüber zusammengefasst, was in dem Netzwerk erlaubt ist und was nicht. Außerdem gibt es Hilfetexte darüber, wie man sich vor Mobbing schützen kann und sicher in sozialen Medien unterwegs ist. Darüber hinaus habe TikTok innerhalb der App weitreichende Meldefunktionen, sagte die Sprecherin weiter. „Unsere Technologien überprüfen ständig alle hochgeladenen und geteilten Inhalte. Inhalte werden außerdem durch unser engagiertes Moderatorenteam gesichtet, das unangemessene Inhalte entfernt und Konten schließt, die gegen unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen und damit auch gegen unsere Community Richtlinien verstoßen.“

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