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Verschwundener Journalist : Ein Dorn im Auge des Prinzen

  • -Aktualisiert am

Gibt sich weltoffen, ist aber autoritär: Muhammad Bin Salman Bild: AFP

Der Journalist Jamal Khashoggi galt als verkappter Muslimbruder und war zuletzt Erdogan-Anhänger. Brachten die Saudis ihn deswegen um?

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          Dem vermutlich getöteten saudischen Journalisten Jamal Khashoggi wurde nicht nur seine Kritik an der Politik des Kronprinzen Muhammad bin Salman zum Verhängnis, sondern auch der Ort, an dem er sie in den letzten Monaten äußerte – nämlich Istanbul. Khashoggis bekannte Vorbehalte gegen die Verfolgung der Muslimbrüder und ihrer Sympathisanten – zunächst in Ägypten nach dem Militärputsch 2013, dann auch in Saudi-Arabien – resultierten aus Beobachtungen, die in seinem 2013 veröffentlichten Buch „Frühling der Araber – Zeit der Muslimbrüder“ dokumentiert sind. Die darin versammelten Pressebeiträge offenbaren, wie sehr Khashoggi die spontanen Volkserhebungen gegen die arabischen Diktatoren bewegten und dass er sich im Hinblick auf die Zukunft dieser Demokratie-Bewegung optimistisch gab. Der Saudi vertraute auf die Fähigkeit und den Willen der moderaten islamistischen Akteure, deren erste Wahlerfolge aus seiner Sicht nur die logische Konsequenz ihrer jahrzehntelangen Unterdrückung war, Vorreiter eines demokratischen Wandels zu sein.

          Als das Buch erschien, hatte sich jedoch das Rad der Geschichte schon weitergedreht, die Ereignisse in Ägypten überschlugen sich. Der Riss in der arabischen Welt zwischen Islamisten und Säkularisten wie Monarchisten wurde noch tiefer, in Ägypten schlug kurze Zeit später, wie schon in der Vergangenheit, die Armee zu. Saudi-Arabien stützte das Militärregime al Sissis mit kräftigen Finanzspritzen und eilte dem Emirat Bahrein mit Truppen zu Hilfe, um die dortige demokratische Opposition zu zerschlagen. Khashoggi wurde seine Sympathie für die Muslimbrüder, die er von da an als zu Unrecht Verfolgte konsequent in Schutz nahm, im konservativen und säkularen Lager nie verziehen: Vielen galt er dort von nun an als „verkappter Muslimbruder“.

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