Verschwörungsjournalismus : Ist halt so, ist die Wahrheit!
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Die sind verrückt oder werden vom Kreml bezahlt, denn dass der Kreml für Hass auf Twitter und Facebook zahlt, ist bewiesen, das könnte man jetzt einfach denken und nie mehr über diese Menschen nachdenken. Doch ihre Wut ist zu groß, als dass man sie einfach so aus seinem Kopf aussperren kann. Und wenn man dann doch über die neuen Wahrheitssucher nachdenkt, bohren sich zwei Fragen unter die Schläfen: Wer sind diese Menschen? Und warum lässt sie die Kritik an Russland so laut werden, warum treibt sie ausgerechnet die seltsame Putin-Show an?
Zu den leuchtendsten Gestalten dieser Wahrheitssucher-Bewegung gehört der Ewig-Ehemalige Jürgen Elsässer (ehemaliger Kommunist, ehemaliger Antideutscher, ehemaliger „Konkret“-Redakteur). Heute gibt er ein Magazin heraus, dass sehr ehemalige Gedanken verbreitet. Ken Jebsen ist ebenfalls eine dieser Figuren, um die man nicht herumkommt, wenn man auf eine der Mahnwachen geht. Jebsen war einmal ein nahezu renommierter Redakteur öffentlich-rechtlicher Sender. Seit seinem Rauswurf beim RBB - ausgelöst durch ein für Außenstehende schwer durchschaubares Ringen mit Henryk M. Broder - arbeitet er für sich selbst, er hat ein Online-Portal, auf dem er andere Wahrheitssucher zum Beispiel über die Lügen des 11. Septembers informiert.
Was alle anderen verschweigen
Im Internet gibt es Dutzende Videos, in denen Elsässer und Jebsen das sagen, was alle angeblich verschweigen; Videos, die Kopf- bis Bauchschmerzen machen, wenn man sie anschaut. Weil das Internet aber keine Ahnung hat, wie sehr Kopf und Bauch wehtun, schlägt es immer mehr Videos vor. Videos von anderen Mahnwachen und Kundgebungen, von anderen Jebsens und Elsässers. Videos, in denen Verschwörungstheorien gepredigt werden, die so irre sind, dass sie problemlos mit denen der „Staatenlosen“ mithalten können. Und immer wieder auch Videos des russischen Staatsfernsehens, das die deutschen Wahrheitssucher gerne zur aktuellen Lage befragt.
Diese Deutschen, die da sprechen, hassen Presse und Politik, Amerika und Israel, den Kapitalismus machen sie für alles verantwortlich und sind im Grunde einfach nur gegen die Demokratie. Dafür lieben sie Russland. Nicht, weil sie Gogol so gut, Bulgakow so klug und Tolstoi so brillant finden, sondern weil westliche Ideale für sie eine Bedrohung darstellen. Ihr Lebensentwurf ist ein sehr russischer Lebensentwurf, denn sie sehnen sich nach den alten Werten, die „dekadente“ westliche Gesellschaft fürchten sie. Und deshalb spiegeln sich in ihren Argumentationen gegen Kapitalismus, Amerika, Freiheit oder Homosexualität auch die Argumentationen des Kremls, der Russen wieder.
Mann mit den wütenden Augen
„Friedensbewegung“ nennt sich diese allerneueste deutsche Welle. Obwohl die Worte, die ihren Vertretern so locker aus den Mündern fallen, fast immer Worte des Hasses sind. Hass auf Israel zum Beispiel. Für Ken Jebsen, ist der Gaza-Konflikt „ganz simpel: Man nimmt ihnen (den Palästinensern) das Land weg, und wir dürfen dazu nichts sagen, weil wir ja vorher diejenigen, die das jetzt tun, in die Gaskammern geschickt haben. Und wer da noch übrig geblieben ist, der glaubt, da jetzt machen zu können, was er will.“ Dieses Zitat ist noch harmlos, betrachtet man Jebsens großes Anti-Israel-Repertoire. Der Mann mit den wütenden Augen schmeißt sehr oft mit Israel-NS-Vergleichen um sich und sagt auch mal in die Kamera, dass Antisemitismus ja nicht verboten sei in Deutschland.