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Veronica Ferres im Interview : Diese Courage spiel' ich nicht!

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Das klingt so, als fühlten Sie sich vom Autor und vom Intendanten der RuhrTriennale hintergangen?

Die Absprachen waren ganz andere. Flimm hat im Jahr 2002 zu mir gesagt, als er mich als Buhlschaft zu den Salzburger Festspielen holte: Du muß etwas spielen, ganz weg von dem, wo dich phantasielose Menschen erst mal nur sehen, nämlich in der Sinnlichkeit der rein erotischen Ausstrahlung. Du mußt etwas spielen, wo du zu einer ganz puren Charakterrolle kommst, wo du im Dreck wühlst. Ich habe das in meinem Tagebuch festgehalten und jetzt nachgelesen. Diese Gespräche im Salzburger Cafe Tomaselli waren die Basis für unsere Zusammenarbeit. Wenn Sie dann so ein Stück wie das von Genazino bekommen, ist das ein Schock. Ich komme mir ein wenig vor wie die Figur im Stück - die Männer bestimmen: Friß oder stirb, du mußt die Beine breit machen.

Haben Sie mit Jürgen Flimm darüber geredet?

Ich habe ihn angerufen, er brauchte dann zehn Tage, um das Stück zu lesen. Ich war sehr erstaunt über die Reaktion, als ich merkte, daß vom Chefdramaturgen, von der Regisseurin Stephanie Mohr und von seiten der künstlerischen Leitung der RuhrTriennale höchste Begeisterung über das Stück herrschte. Das hat mich natürlich noch mehr entfremdet. Wenn man als Autor mit einem Text eine so extreme Richtung einschlägt, muß man den Schauspieler mit einbeziehen. Ich habe zweimal die Regisseurin getroffen, Jürgen Flimm zwischen Dezember und Juli mehrmals gesprochen und getroffen, und es ging nie in diese Huren-Richtung. Ich frage mich, was in einem Autor wie Wilhelm Genazino vorgeht, der sagt, er hätte mir die Rolle auf den Leib geschrieben. Wie soll ich das bitte verstehen? Das wurde mir auch so nicht kommuniziert.

Kennen Sie Wilhelm Genazino?

Ich habe ihn persönlich nicht kennengelernt. Ich wundere mich, daß er jetzt in der Presse sagt, er hätte das Stück für mich geschrieben. Warum hat er nicht einmal gesagt, er möchte mich kennenlernen, um meiner Person gerecht zu werden - und nicht einem Abziehbild, das er sich wo auch immer herholt? Seinen Roman „Die Liebesblödigkeit“ habe ich verschlungen, ich war begeistert von der Zartheit dieser Prosa. Flimm hat gesagt: In diese poetische Richtung wird auch das Stück gehen. Leider ist es mir anwaltlich verboten worden, öffentlich aus dem Stück zu zitieren.

Aber Jürgen Flimm scheint das Stück trotzdem zu gefallen.

Er schreibt mir, er finde Akt eins und zwei exzellent und brillant. Er hat mir gesagt, ich solle mit der Regisseurin die schlimmsten Kraftausdrücke streichen. Aber ich bin kein Autor, ich kann mit Streichungen nicht einen Bogen im Stück erzeugen. Wenn Flimm immer so schön über Genazino sagt „der Büchner-Preisträger“, rechtfertigt das nicht, daß man von einem Büchner-Preisträger alles spielen muß. Ich bin auch Grimme-Preisträgerin in Gold und mache auch Fehler.

Flimm wirft Ihnen Eitelkeit vor: Er könne Ihre Motive nicht nachvollziehen.

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