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Veronica Ferres im Gespräch : Machst Du was Verrücktes?

  • -Aktualisiert am

Szene aus „Mein Mann, ein Mörder“: Minette (Veronica Ferres) beobachtet ihrem Mann Paul beim heimlichen Treffen mit seiner Geliebten. Bild: Hendrik Heiden

Die Schauspielerin Veronica Ferres verrät, warum sie soviel spielen muss, wie sie mit Verrissen umgeht und was sie mit Gerard Depardieu und John Malkovich verbindet. Heute Abend ist sie im ZDF zu sehen.

          Heute Abend läuft im ZDF der Film „Mein Mann, ein Mörder“. Wie würden Sie ihn charakterisieren und wie kam er zustande?

          Das ist ein eleganter Film, in dem vieles nicht ausgesprochen wird. Die Figur, die ich spiele, lädt Schuld auf sich. Der Film steht ein wenig in der Tradition von Truffauts „Der Mann, der die Frauen liebte“. Mit dem Produzenten Hubertus Meyer-Burckhardt habe ich gemeinsam über viele Jahre das Drehbuch entwickelt. Im Jahr 2010 rief er an und sagte, dass er den passenden Regisseur gefunden habe:  Lancelot von Naso hatte einen Film mit Hannes Jaenicke  gedreht, in dem der so gut wie nie zuvor spielte. Bei der Berlinale saß von Naso mit seinem Kameramann vor mir. Er erschien mir so voller Leidenschaft für seinen Beruf, dass ich gesagt habe: Das machen wir.

          Was zeichnet ihn aus?

          Lancelot von Naso arbeitet unorthodox. Wir haben spontan Szenen auf der Straße gedreht. Einmal fragte er: Machst du was Verrücktes? Ich habe keine Drehgenehmigung. Nur ich, du, der Kameramann und der Tonmann fahren mit der U-Bahn und wir drehen. Wir sind  einfach los. Solche Momente gab es viele. Natürlich gab es hinterher einen Riesenaufstand, wegen der Versicherung. Ich habe mir gesagt: Das ist mir egal, Hauptsache es tut dem Film gut.

          Das hat es wohl, denn die Kritiken sind überwiegend positiv.

          Dennoch gibt es, etwa im Internet, immer wieder Stimmen, deren Tenor lautet: Auch wenn der Film gut ist, ich kann ihn nicht sehen, weil Veronica Ferres darin mitspielt.

          Sie polarisieren. Kämpfen Sie dagegen an?

          Ich kämpfe nicht. Kürzlich habe ich ein Interview mit Sandra Bullock gesehen. Sie hat sich selbst gegoogelt und rät jedem, das lieber nicht zu tun. Da konnte sie lesen, sie sei hässlich, unbegabt, zu alt. Sie empfehle allen, die in der Öffentlichkeit stehen, sich nicht selbst zu googeln und diesen Schwachsinn anzusehen. Manchmal suche ich nach den Kollegen, wenn sie einen Film hatten und denke: O Gott, wie können sie damit leben? Die Kommentare zu mir selbst lese ich nicht. Aber die klingen bestimmt genauso.

          Grundsätzlich können Sie damit leben, dass Sie die einen mögen und andere nicht.

          Natürlich. Ich habe gerade einen Hollywood-Film gesehen. Den einen Schauspieler mochte ich, den anderen nicht. Ich urteile wie jeder andere auch, den  einen finde ich toll und  den anderen mag ich weniger. Warum sollen das nicht andere über mich, Sandra Bullock oder Götz George auch sagen dürfen?

          Sie haben schon viel einstecken müssen. Dabei war Ihnen nicht in die Wiege gelegt, Schauspielerin zu werden. Doch Sie sind berühmt geworden.

          Es war mir nie wichtig, berühmt zu werden, mir war immer wichtig, arbeiten zu können, Geschichten zu erzählen und kreativ sein zu dürfen.

          Bei Ihnen muss immer die Kamera laufen.

          Ich habe bei der Verfilmung von „Les Miserables“ in Prag knapp vier Monate mit Gerard Depardieu gearbeitet. Er hat mich dann in die zweite große französische Rolle empfohlen, die ich an der Seite von Pierre Richard spielte. Depardieu hat mir gesagt: „Du hast zwei Chancen als Schauspieler. Entweder du machst dich rar und alle paar Jahre einen Film, oder - so schätz ich dich ein - du bist ein neugieriges lebensbejahendes fröhliches  Wesen, sammelst Erfahrungen und drehst viele Filme.“ Das habe ich nicht vergessen. Ich gehöre ganz sicher zu denen, die sich in der Arbeit immer wieder neu definieren wollen. Das ist ein Lebensgefühl, die Arbeit am Set und auf der Bühne mit Kollegen, Geschichten zu erzählen. Dafür lebe ich. So wie andere Lust haben, Schränke zu bauen, stehe ich gern am Set. Den fertigen Film kann ich mir dann oft wochenlang nicht anschauen, weil ich so eine Angsthemmung habe.

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