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Verleger der „Berliner Zeitung“ : Holger Friedrich war Stasi-Spitzel

Verfasste laut Dokumenten aus der Stasi-Unterlagenbehörde über zwölf Berichte zu Kameraden: der neue Verleger der „Berliner Zeitung“ Holger Friedrich Bild: dpa

Der neue Besitzer des Berliner Verlags hat für die Stasi NVA-Kameraden observiert. Dem geplanten Bericht der „Welt am Sonntag“ kam der Unternehmer Holger Friedrich mit einer „Stellungnahme in eigener Sache“ zuvor.

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          Der neue Verleger der „Berliner Zeitung“, Holger Friedrich, soll einem Bericht der „Welt am Sonntag“ zufolge in der DDR Ende der achtziger Jahre unter dem Decknamen „Peter Bernstein“ als Inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit tätig gewesen sein. Er soll während seines Wehrdienstes bei der Nationalen Volksarmee als Unteroffizier Informationen über Kameraden weitergegeben haben. Die Zeitung beruft sich auf Dokumente aus der Stasi-Unterlagenbehörde.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Friedrich kam dem Bericht, der am Sonntag erscheinen soll, bereits am Freitag zuvor. Auf der Internet-Seite der „Berliner Zeitung“ veröffentlichte er eine Stellungnahme. Darin erklärt er, dass ihn in den vergangenen drei Tagen „umfangreiche Fragebögen der Redaktionen des ,Spiegels‘, des ,Manager Magazins‘ und der ,Welt‘ zu unseren professionellen Unternehmungen, zu unserer Biografie und unserem persönlichen Umfeld“ erreicht hätten. Im Folgenden gibt Friedrich die Fragen der „Welt“ hinsichtlich seiner Zusammenarbeit mit der Stasi wieder und beantwortet sie – wenn auch ausweichend.

          Die Frage nach einem Eintrag in seiner IM-Akte, in der sich Friedrich „auf der Grundlage der Wiedergutmachung zur Zusammenarbeit mit dem MfS bereit erklärt“, beantwortet der Verlagschef mit einer Aufzählung der Vorwürfe, welche die Stasi gegen ihn erhob, darunter Republikflucht, Fahnenflucht und bewaffneter Grenzdurchbruch. Nur auf die Frage, ob die zwölf überlieferten Berichte von ihm seien, erklärt der Verleger, er habe es vorgezogen „das Angebot der beiden Vernehmungsoffiziere“ anzunehmen und seine „Bereitschaft“ erklärt, eine „,Wiedergutmachung‘ zu leisten“. Er habe das getan, um sich „der akuten Zwangssituation zu entziehen“. Laut „Welt am Sonntag“ sollen durch seine Berichte etwa zwanzig Personen belastet worden und in der Folge durch die Stasi gemaßregelt worden sein.

          Nachdem Friedrich zuvor ob seiner lobenden Worte zu SED-Generalsekretär Egon Krenz in einem Artikel der „Berliner Zeitung“ zum Jahrestag des Mauerfalls kritisiert worden war, legte am Freitag der „Spiegel“ nach. Das Magazin berichtete, dass in der „Berliner Zeitung“ am 8. November ein Artikel über die Erfolgsstory einer ostdeutschen Diagnostikfirma erschienen sei, ohne kenntlich zu machen, dass Holger Friedrich dort als Aktionär beteiligt ist und im Aufsichtsrat sitzt. Das Unternehmen soll ihm laut „Spiegel“ 2018 eine Vergütung von 23.000 Euro gezahlt haben. Durch seinen Anwalt habe Friedrich auf Anfrage ausrichten lassen, er sehe „gegenwärtig keine Veranlassung, sich zu geschäftlichen Interna zu äußern“.

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