https://www.faz.net/-gqz-9wv1l

Verlängerte „Tagesthemen“ : Einspruch vom ZDF

Fürchtet, dass die ARD seinem „heute-journal“ Zuschauer abluchst: ZDF-Intendant Thomas Bellut Bild: Imago

Jagen sich die ARD und das ZDF bald am späten Abend die Zuschauer ab? Das befürchtet zumindest ZDF-Intendant Thomas Bellut. In einem Brief an die ARD-Spitze kritisiert er die geplante Verlängerung der „Tagesthemen“.

          2 Min.

          Thomas Bellut, der Intendant des ZDF, hat gegen die geplante Verlängerung der ARD-Nachrichtensendung „Tagesthemen“ am Freitag Protest eingelegt. Beim Ersten stößt er damit aber wie zu erwarten nicht auf Entgegenkommen. In einem Brief an den Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, weist Thomas Bellut darauf hin, dass die beiden öffentlichrechtlichen Sender laut Staatsvertrag gehalten seien, sich insbesondere bei ihren Nachrichtenangeboten miteinander „einvernehmlich“ abzustimmen und sich nicht gegenseitig Zuschauer abzujagen. Das aber wäre nach Belluts Meinung der Fall, wenn die „Tagesthemen“ am Freitag um eine Viertelstunde verlängert würden und sich mit dem „heute-journal“ um fünfzehn Minuten überschneiden. Die ARD-Nachrichten beginnen freitags um 21.45 Uhr, das ZDF folgt um 22 Uhr.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Wir können nachvollziehen, dass die ARD ihr Nachrichtenangebot ausbauen will. Einer zeitlichen Überlappung der Nachrichtenmagazine von ARD und ZDF können wir jedoch nicht zustimmen“, sagte dazu auf Anfrage der ZDF-Sprecher Alexander Stock. „Beide Angebote würden dadurch geschwächt. Nach den Staatsverträgen von ARD und ZDF sollen sich beide Seiten insbesondere bei Nachrichtensendungen um Einvernehmen bei der Programmierung bemühen.“

          Die ARD ficht dies jedoch nicht an. „Das ZDF wurde vorab über die geplante Verlängerung der ,Tagesthemen‘ am Freitag informiert“, heißt es bei der Pressestelle des Ersten in München. „Für die ARD stand bei der Entscheidung im Vordergrund, den Zuschauerinnen und Zuschauern mehr vertiefende Information zu bieten. Das ,heute-journal’ wird dadurch nicht an Zuspruch verlieren“, meint die ARD. Krimifans würden „dem ZDF am Freitagabend treu bleiben und das Publikum im Ersten vom erweiterten Angebot profitieren“.

          Kommt es zu der Umstellung, wird man sehr schnell sehen, wer in diesem Fall richtig liegt – wenn die Einschaltquoten des „heute-journals“ in den Keller gehen oder auch nicht. Den Programmdirektor des Ersten in dieser Sache anzuschreiben war für den ZDF-Intendanten Bellut zumindest einen Versuch wert. ARD-intern hat sich Herres nämlich gegen die Verlängerung der „Tagesthemen“ an den übrigen Werktagen um fünf Minuten und freitags um eine Viertelstunde ausgesprochen, weil er, wie es heißt, um den Programmfluss des Ersten fürchtet.

          Verfolgt wird der „Tagesthemen“- Plan indes von dem neuen ARD-Vorsitzenden und WDR-Intendanten Tom Buhrow, der mit einigen seiner Kolleginnen und Kollegen erkannt hat, dass die ARD gut daran tut, auch in den Nachrichtensendungen im Ersten regionalen Themen aus der ganzen Republik etwas mehr Raum zu geben, über die Schlagzeilen des Tages hinaus. Dieses Monitum war an die ARD von vielen Seiten herangetragen worden.

          Weitere Themen

          Die Niederlage der Denker

          Französische Kontroverse : Die Niederlage der Denker

          Wir bleiben eine Zivilisation: Der französische Philosoph Alain Finkielkraut geht mit Äußerungen von Giorgio Agamben und Peter Sloterdijk zur Corona-Krise hart ins Gericht.

          Topmeldungen

          Beruft sich auf Hannah Arendt und die „Barbarei der modernen Welt“: Alain Finkielkraut

          Französische Kontroverse : Die Niederlage der Denker

          Wir bleiben eine Zivilisation: Der französische Philosoph Alain Finkielkraut geht mit Äußerungen von Giorgio Agamben und Peter Sloterdijk zur Corona-Krise hart ins Gericht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.