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Verhaftungen in der Türkei : Das wird unsere Demokratie zerstören

Vor kurzem noch hielt Bülent Mumay mit anderen Journalisten eine Mahnwache für die inhaftierten Kollegen Can Dündar und Erdem Gül. Nun steht er selbst vor Gericht. Bild: AP

Der türkische Journalist Bülent Mumay wurde verhaftet. Doch er ist kein Einzelfall, wie die letzten Wochen zeigten. Dabei folgen die Repressionen gegen Regierungskritiker einem Muster.

          Am Wochenende, als der türkische Journalist Bülent Mumay noch nichts von dem Haftbefehl gegen ihn ahnte, schrieb er in einer persönlichen Nachricht: „Was können wir bloß tun? Es wird immer dunkler in der Türkei.“ Drei Tage später wollte Mumay, der in dieser Woche zwei „Briefe aus Istanbul“ für die F.A.Z. verfasst hat, zusammen mit seinem Anwalt der Aufforderung der Staatsanwaltschaft Folge leisten und vor dem Haftrichter erscheinen. Die Polizei kam ihm am Dienstagabend zuvor. Sie stürmte seine Wohnung und nahm ihn fest. Offenbar hatten die Behörden mitverfolgt, dass in den sozialen Medien in der Türkei gegen die Festnahme Mumays mobilisiert wurde. Wahrscheinlich wollten die Beamten verhindern, dass es bei dem Termin mit dem Haftrichter zu bildgewaltigen Solidaritätsbekundungen für den Journalisten kommt.

          Karen Krüger

          Redakteurin im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bülent Mumay gehört zu jenen 42 türkischen Journalisten, gegen die die türkische Staatsanwaltschaft nach dem misslungenen Putschversuch Haftbefehl erlassen hat. Was ihnen konkret vorgeworfen wird, ist unklar. Ihr gemeinsamer Nenner ist jedoch eine kritische Haltung gegenüber dem Staatspräsidenten Erdogan und seiner AKP. Sie alle hatten in den vergangenen Monaten und Jahren Anfeindungen erlebt. Einige von ihnen, so auch Mumay, der bis November als Online-Chef für die Zeitung „Hürriyet“ tätig war, verloren ihren Posten, weil sie sich keinen Maulkorb verpassen ließen – Mumay beispielsweise hatte während der Gezi-Proteste 2013, über die die Regierung den Mantel des Schweigens breiten wollte, kontinuierlich über die Revolte berichtet. Seit der Nacht vom 15. Juli bedeutet Kritik an der Regierung für türkische Journalisten allerdings weit mehr als nur das Wagnis, diffamiert oder möglicherweise arbeitslos zu werden: Wer etwas gegen die Regierung sagt oder schreibt, gilt nun als Unterstützer der Putschisten und Anhänger der Fethullah-Gülen-Organisation.

          Repressionen folgen einem Muster

          Anfang der Woche waren die Namen der 42 Journalisten auf den Websites einiger regierungstreuer Medien aufgetaucht. Schon wenige Stunden später wollte die Polizei Mumay verhaften. Da der Journalist kurz zuvor umgezogen war, suchte sie die falsche Adresse auf. Mumay konnte abtauchen. Nach Beratungen mit seinem Anwalt hat der Journalist allerdings beschlossen, sich den Fragen des Haftrichters zu stellen. Mumay hat sich nichts vorzuwerfen: Er ist kein Fan Erdogans, aber auch kein Anhänger Fethullah Gülens und hat nie für ein der Gülen-Bewegung nahestehendes Medium gearbeitet. Seit seinem Rausschmiss bei der „Hürriyet“, die ihn auf Druck der Regierung entließ, schrieb Mumay nur noch für internationale Zeitungen. Die einzige Organisation, der er angehöre, sagte er kürzlich, sei der Türkische Journalistenverband.

          Alles, was er getan hat, war, in der Nacht des Putsches schon sehr früh zu twittern. Zu einem Zeitpunkt, als der türkische Staatspräsident sich noch nicht via Face-time an die Bevölkerung gewandt hatte und noch niemand wusste, ob es sich bei den Aktionen des Militärs tatsächlich um einen Staatsstreich handelte, twitterte Mumay: „Verdammt, das sieht aus wie ein Putsch. Ich hasse Putsche. Das wird unsere Demokratie zerstören.“

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