https://www.faz.net/-gqz-15juh

„Vergleich“ mit Muslimen : Dänisches Blatt entschuldigt sich für Mohammed-Karikatur

  • -Aktualisiert am

Die linksliberale dänische Zeitung „Politiken“ hat sich für den Abdruck von Mohammed-Karikaturen im Jahr 2008 entschuldigt. Und steht dafür in der Kritik: von „Jyllandsposten“ und dem dänischen PEN.

          Nein, das ist nicht im Sinne von „Jyllandsposten“, der Zeitung, deren Mohammed-Karikaturen im September 2005 den Karikaturenstreit auslösten und deren Zeichner Kurt Westergaard seither unter Polizeischutz steht und an Neujahr von einem Attentäter in seinem Haus attackiert wurde.

          Zwar hat sich auch „Jyllandsposten“ einmal, im Jahr 2006, dafür entschuldigt, religiöse Gefühle von Muslimen verletzt zu haben. Und zwar zählt auch die linksliberale Zeitung „Politiken“ zum Medienhaus „JP/Politikens Hus“, dem „Jyllandsposten“ gehört. Die von „Politiken“ am Freitag verkündete Entschuldigung für den Abdruck von Karikaturen im Jahr 2008 aber ist von „Jyllandsposten“ scharf kritisiert worden. Den „Jyllandsposten“-Chefredakteur erinnert der „Vergleich“ mit acht muslimischen Organisationen gar an den „Peace for our time“, den Neville Chamberlain im Herbst 1938 mit Hitler ausgehandelt haben wollte. „Jyllandsposten“ habe seinerzeit lediglich erklärt, die muslimische Welt mit den Karikaturen nicht bewusst verletzt zu haben. „Politiken“ aber lasse sich unter dem Druck der muslimischen Kritiker auf eine Vereinbarung ein.

          Auch der dänische PEN distanzierte sich von „Politiken“: Für sachlichen Journalismus müsse man sich nicht entschuldigen, dies sollten jene tun, welche die Drohungen gegen Journalisten und den Angriff auf Westergaard guthießen. Der „Vergleich“ der „Politiken“ umfasst ein Bedauern darüber, dass „die Karikatur Muslime in Dänemark und anderen Ländern überall auf der Welt gekränkt hat“. Man entschuldige sich „bei allen, die sich durch die Wiederveröffentlichung verletzt gefühlt haben“. Dänemarks Rechtspopulisten forderten die Medien indes dazu auf, die Karikaturen noch einmal abzudrucken, um Zeichen zu setzen.

          Weitere Themen

          Das Ende der Metapher

          Amanda Palmers Tour : Das Ende der Metapher

          Amanda Palmer, einst Sängerin der Dresden Dolls, tourt mit einem therapeutischen Sitzkonzert. Es geht um tote Babys und um Mitgefühl. Und alles hat mit Trump zu tun.

          „Ich hatte viel Bekümmernis“ Video-Seite öffnen

          Gaechinger Cantorey : „Ich hatte viel Bekümmernis“

          Die Gaechinger Cantorey führt bei ihrer Bach-Pilgerreise in der Stadtkirche zu Weimar mit dem Schlusschor die Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“ BWV 21 von Johann Sebastian Bach auf.

          Topmeldungen

          Brexit-Streit : Boris Johnson und der „Hinterhalt“

          Während der Brexit-Streit jetzt auch den Supreme Court beschäftigt, empören sich viele Politiker und Medien über etwas anderes: die „Demütigung“ ihres Premiers auf der missratenen Pressekonferenz mit Luxemburgs Ministerpräsident Bettel.
          Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bei der Stimmabgabe

          Wahl in Israel : Likud und Blau-Weiß nach ersten Prognosen gleichauf

          Zum zweiten Mal binnen fünf Monaten haben die Israelis ein neues Parlament gewählt. Rund 6,3 Millionen Bürger waren aufgerufen, über die neue Knesset abzustimmen. Es zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Netanjahus Likud und Blau-Weiß ab.
          Spaniens amtierender Ministerpräsident Pedro Sanchez nach dem Treffen mit König Felipe

          Regierungsbildung gescheitert : Stillstand in Spanien

          Pedro Sánchez hat keine Mehrheit im Parlament. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird im November ein neues Parlament gewählt. Doch die politische Blockade könnte andauern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.