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Golden Globes in der Krise : Tom Cruise gibt Preise ab

  • -Aktualisiert am

Tom Cruise bei den Dreharbeiten zu „Mission: Impossible 7“. Bild: Reuters

Die Hollywood Foreign Press Association, welche die Golden Globes vergibt, steht massiv in der Kritik. Ihr wird ein eklatanter Mangel an Diversität vorgeworfen. Tom Cruise veranlasste das zu einem bemerkenswerten Schritt.

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          Tom Cruise will offenbar nichts mehr mit der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) zu tun haben. Nach Vorwürfen gegen den Verband nichtamerikanischer Filmjournalisten in Hollywood, der seit 1944 die Golden Globes vergibt, schickte der Schauspieler nach Angaben des „Hollywood Reporter“ am Montag seine drei Preise zurück. Cruise war für seine Rollen in „Geboren am 4. Juli“ (1990), „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ (1997) und „Magnolia“ (2000) als bester Hauptdarsteller oder bester Nebendarsteller mit dem Golden Globe ausgezeichnet worden. Ebenfalls am Montag hatte der Sender NBC mitgeteilt, er werde die Preisverleihung im kommenden Jahr nicht übertragen. „Wir gehen weiterhin davon aus, dass die HFPA zu grundlegenden Reformen bereit ist. Änderungen in dem Ausmaß brauchen aber Zeit und Arbeit, und wir sind davon überzeugt, dass die HFPA Zeit braucht“, ließ der Sender wissen.

          Die Hollywood Foreign Press Association war in den vergangenen Wochen von Rassismusvorwürfen eingeholt worden, nachdem Recherchen der Los Angeles Times ergeben hatten, dass keines der damals 87 Mitglieder schwarz war. Zuvor war der Verband immer wieder wegen undurchsichtiger Aufnahmekriterien, Benachteiligung weiblicher Filmschaffender und angeblicher Beeinflussung durch Geschenke ins Gerede gekommen. Wie amerikanische Branchenblätter meldeten, soll die Hollywood Foreign Press Association der Forderung des Senders NBC nach mehr Diversität und Transparenz in der vergangenen Woche nur in Ansätzen nachgekommen sein. Angeblich wollte sich der Verband auch nicht auf eine Frist zur Erfüllung der Auflagen festlegen lassen.

          Die vorerst letzte Preisverleihung Ende Februar hatten nur noch etwa sieben Millionen Amerikaner eingeschaltet, fast sechzig Prozent weniger als im Jahr zuvor. Vor Cruise, der sich am Montag nicht weiter zur Rückgabe seiner drei Golden Globes äußerte, hatte sich schon Scarlett Johansson von der Hollywood Foreign Press Association distanziert. „Solange die nötigen fundamentalen Reformen ausbleiben, sollten wir Abstand zur HFPA halten und uns auf die Stärke von Geschlossenheit in unseren Gewerkschaften und der Branche als Ganzes konzentrieren“, sagte die Schauspielerin, die bislang fünfmal für einen Golden Globe nominiert wurde. Der Schauspieler Mark Ruffalo hatte kundgetan, er sei „nicht stolz oder glücklich“ über den Preis eines Verbands, der eine „Kultur der Geheimhaltung und des Ausschließens“ pflege.

          Ava DuVernay, Regisseurin des Films „Selma“, der von den Selma-nach-Montgomery-Märschen handelt, die dazu führten, dass das Wahlrecht für Schwarze in den Vereinigten Staaten endgültig umgesetzt wurde, lobt den Schritt von Tom Cruise. Mit der Rückgabe der Preise habe er ein Zeichen gegen die „sexistischen, homophoben und rassistischen Praktiken von Ausschluss, Schikane und Voreingenommenheit“ der Hollywood Foreign Press Association gesetzt.

          Der Verband reagierte auf die Kritik mit einem Zeitplan, innerhalb dessen er Reformen ins Werk setzen wolle. Systematische Veränderungen seien „längst überfällig, sowohl in unserer Organisation als auch in der gesamten Branche“.

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