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Neue Vorwürfe gegen DW : Verbreiten die Partnersender Antisemitismus?

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Gegen eigene Mitarbeiter und Kooperationspartner: Die Deutsche Welle muss sich aktuell mit Antisemitismus-Vorwürfen in unterschiedlichen Zusammenhängen beschäftigen. Bild: Picture-Alliance

Der libanesische Sender Al Jadeed TV, Partnersender der Deutsche Welle, soll israelfeindliche Inhalte gesendet haben. Die DW zeigt sich irritiert über die Berichterstattung – räumt aber auch mögliche Versäumnisse ein.

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          Abermals muss sich die Deutsche Welle (DW) mit Antisemitismus-Vorwürfen gegen einen ausländischen Medienpartner beschäftigen. Nachdem der deutsche Auslandssender die Kooperation mit dem jordanischen Sender Roya TV unter anderem wegen antisemitischer Karikaturen ausgesetzt hat, veröffentlichte das Magazin „Vice“ am Mittwoch eine weitere Recherche, wonach der libanesische Kooperationspartner Al Jadeed TV ebenfalls antisemitische Inhalte verbreiten soll. In einem Bericht von Al Jadeed TV im Jahr 2015 sollen etwa Funktionäre der Schiitenmiliz Hizbullah unwidersprochen von den „Heldentaten“ eines Terroristen erzählen, der in einer israelischen Kleinstadt eine Familie ermordet haben soll. Der Sender soll zudem ohne Einordnung „minutenlang Propaganda-Videos“ der Schiitenorganisation gesendet und Israel immer wieder als „zionistischen Feind“ oder „räuberische Zionisten“ bezeichnet haben. Attentäter, die Israelis angreifen, würden als „Märtyrer“ oder „Helden“ bezeichnet.

          Kim Maurus
          Volontärin.

          Auf Anfrage der F.A.Z. teilte DW-Intendant Peter Limbourg am Mittwoch mit: „Um es klar zu sagen, in der DW ist kein Platz für Antisemiten und Israelhasser.“ Wichtig sei, festzuhalten, dass keiner der Vorwürfe die Programme der DW beträfen. Was sich in „einigen Presseveröffentlichungen und auch in Teilen der sozialen Medien“ abspiele, sei „grob verzerrend und zutiefst unfair gegenüber den Mitarbeitenden der DW, die mit viel Einsatz ihren Auftrag bestmöglich erfüllen“, sagte Limbourg. Zur Realität in der arabischen Welt gehöre eine Medienlandschaft, „in der Israel sehr kritisch gesehen wird“. Nur durch Partner in dieser Region sei es möglich, den Auftrag auszuführen, „deutsche und europäische Sichtweisen in den Diskurs vor Ort zu bringen“.

          Teile der Recherche „nicht nachvollziehbar“

          DW-Sprecher Christoph Jumpelt teilte mit, die DW habe auf der ganzen Welt mehr als fünfzig Distributionspartner wie Al Jadeed TV, die DW-Korrespondenten in ihre Nachrichtensendungen schalten. Darin gehe es in der Regel um aktuelle Analysen zu politischen Entwicklungen in Deutschland und Europa. Man beliefere die Partner zudem mit Berichten und ermögliche die Übernahme von DW-Programmen. Distributionspartner agierten in ihrem jeweiligen medialen und gesellschaftlichen Umfeld, sagte Jumpelt. Das präge deren Ausrichtung, „zu der wir mit den Sendern im stetigen Dialog sind“. Trotzdem sei es nicht auszuschließen, „dass wir bei der Vielzahl der Kanäle der kooperierenden Medien etwas nicht unmittelbar bemerken“.

          Die „Recherche von Vice“ könne man allerdings nicht nachvollziehen: Das Programm von Al Jadeed TV sei seit etwa zwei Jahren in Teilen Libanons nicht mehr empfangbar, weil die Hizbullah Kabelanbieter angewiesen habe, den Sender zu blockieren. „Kein Hizbullah-Politiker oder Vertreter gibt Al-Jadeed Interviews“, sagt Jumpelt. Al Jadeed TV berichte etwa auch über Proteste im Libanon, die sich gegen die Hizbullah richteten.

          DW-Intendant Peter Limbourg
          DW-Intendant Peter Limbourg : Bild: EPA

          Die DW treibt aktuell eine ganze Reihe von Antisemitismus-Vorwürfen um. Den Veröffentlichungen zu Al Jadeed TV vorausgegangen war eine weitere Recherche des Magazins „Vice“ zum jordanischen Sender Roya TV, mit dem die Deutsche Welle ebenfalls zusammenarbeitet. Demnach soll der Sender einseitig von antiisraelischen Demonstrationen berichtet und Israel „konsequent“ als „Israelische Besatzung“ bezeichnet haben. Auf Instagram soll der Sender antisemitische Karikaturen geteilt habe. Eine DW-Sprecherin sagte „Vice“, man halte die Programmverantwortlichen von Roya TV nicht für israelfeindlich, später revidierte die DW diese Aussage und setzte die Kooperation mit dem Sender aus.

          Zuvor hatte die „Süddeutschen Zeitung“ über Antisemitismusvorfälle bei der Deutschen Welle berichtet, wonach DW-Mitarbeiter antisemitische Posts in den sozialen Medien veröffentlicht haben sollen. In einem Kommentar soll der Holocaust etwa als „künstliches Produkt“ bezeichnet worden sein. Der Sender teilte daraufhin mehrfach mit, zu seinen Prinzipien gehöre das „deutliche Bekenntnis der DW zum Existenzrecht Israels sowie eine klare Haltung gegen Antisemitismus“. Er stellte die betreffenden Mitarbeiter frei, in einer externen Untersuchung sollen die ehemalige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und der Islamismus-Experte Ahmad Mansour die Vorwürfe prüfen.    

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