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Neue Redaktion Vatikan-Magazin : Frauen in der Kirche

Der Petersplatz im Vatikan zur Palmsonntagsmesse Bild: dpa

Einen Monat nach dem Rücktritt der Mitarbeiterinnen des vatikanischen Frauenmagazins „Donne Chiesa Mondo“ steht die neue Redaktion. Ihr gehören eine islamische Theologin und eine jüdische Feministin an.

          Papst Franziskus treibt den Umbau der Medienabteilung des Vatikans weiter voran. Einen Monat nach dem Rücktritt der gesamten Redaktion des Frauenmagazins „Donne Chiesa Mondo“ (Frauen – Kirche – Welt) gab Andrea Monda, der von Franziskus berufene neue Chefredakteur der Vatikan-Tageszeitung „L’Osservatore Romano“, am Dienstag die Zusammensetzung der neuen Redaktionsleitung der Monatsbeilage des Blattes bekannt. Das Redaktionskollegium von insgesamt vierzehn Frauen wird von der 63 Jahre alten italienischen Journalistin Rita Pinci geführt. Die Soziologin Pinci, die für ihre feministischen Positionen bekannt geworden war, arbeitete bei bunten Illustrierten sowie in Leitungspositionen bei Tageszeitungen und war zuletzt für den katholischen Fernsehsender TV 2000 tätig.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Pinci zeigte sich „überrascht und erfreut“ über ihre Berufung und sagte, Chefredakteur Monda habe ihr und ihrem Stab „vollkommene Freiheit“ zugesichert. Die erste Nummer der Monatsbeilage unter abermals ausschließlich weiblicher Verantwortung soll noch im Mai erscheinen. Pinci sagte, sie selbst sei weder Theologin noch Kirchenhistorikerin, sondern „Journalistin und gläubiger Mensch“. Zu dem internationalen Kollegium gehört auch die deutsche Kunsthistorikerin Yvonne Dohna Schlobitten, die an der Päpstlichen Universität Gregoriana Ästhetik, Philosophie und Geschichte der christlichen Kunst lehrt. Außerdem sind Mitglieder des Redaktionskomitees: die aus Iran stammende islamische Theologin Sharzad Houshmand Zadeh, die auch Vizepräsidentin des Frauenrates beim päpstlichen Kulturrat ist; die amerikanische Schriftstellerin Amy-Jill Levine, die sich selbst als „jüdische Feministin“ versteht; sowie die Spanierin Marta Rodriguez Diaz, Angehörige der konservativen Bewegung Regnum Christi.

          Die vor rund einem Monat zurückgetretene Gründerin und langjährige Leiterin des Magazins, Lucetta Scaraffia, hatte die Demission der gesamten Redaktion mit einer Atmosphäre des „wachsenden Misstrauens“ und der versuchten Einflussnahme des neuen „Osservatore“-Chefredakteurs Andrea Monda auf die Themenwahl der Monatsbeilage begründet. Monda hatte die Anschuldigungen zurückgewiesen. Kurz vor dem Rücktritt der siebzig Jahre alten Direktorin Scaraffia waren in der Beilage Berichte und Reportagen über die Ausbeutung und den sexuellen Missbrauch von Ordensfrauen durch Geistliche und Bischöfe erschienen.

          Am Mittwoch wurde in Rom außerdem bekannt, dass der 1861 gegründete „Osservatore“ nach neunzig Jahren seinen Redaktionssitz innerhalb des Kirchenstaates aufgeben und in ein renoviertes Gebäude außerhalb der Mauern des Vatikans umziehen muss. In italienischen Zeitungskommentaren war von einem „Hinauswurf“ des Blattes im Rahmen der Reform der vatikanischen Medien durch den Papst die Rede. Franziskus hat sämtliche Medienaktivitäten des Vatikans – von Print über Radio, Fernsehen und Internet bis zu Buchverlagen und Druckereien – unter dem Dach des Dikasteriums für Kommunikation vereint. Auf fast alle Führungspositionen der Medienabteilung hat der Papst inzwischen treue Gefolgsleute meist aus der traditionell linksliberalen italienischen Medienszene berufen.

          Leiter des Dikasteriums für Kommunikation ist seit vergangenem Herbst der italienische Medienmanager Paolo Ruffini, der erste Laie im Rang eines Präfekten beim Heiligen Stuhl. Wie Rita Pinci, die neue Koordinatorin der Monatsbeilage „Frauen – Kirche – Welt“, hatte auch Ruffini zuletzt bei dem katholischen Fernsehsender TV 2000 gearbeitet. Ruffini begründete den Umzug des „Osservatore“ damit, dass durch die räumliche Neuorganisation der vatikanischen Medien Synergien zwischen den 35 Sprachsektionen genutzt werden sollen. Künftig sollen die Redaktionen des „Osservatore“, der Internetseite „Vatican News““ des italienischen Senders Radio Vaticana und des vatikanischen Fernsehdienstes CTV unter einem Dach arbeiten. Der Umzug sämtlicher Redaktionen in den Palazzo Pio solle bis Sommer 2020 abgeschlossen sein, sagte Ruffini.

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