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Varoufakis und der Finger : Ist der „Stinkefinger“ gefälscht?

Moderator Jan Böhmermann will den Mittelfinger in das Video von Giannis Varoufakis hineinmontiert haben. Bild: dpa

Ein Video bei Günther Jauch sorgte für Empörung: Der griechische Finanzminister Varoufakis zeigt den Deutschen den Mittelfinger. Jetzt sagt der ZDF-Kabarettist Jan Böhmermann: Das haben wir so hingefingert. Varoufakis fordert bereits eine Entschuldigung von Jauch.

          So kann man sich irren. Nicht Giannis Varoufakis hat den Deutschen den Finger gezeigt – Jan Böhmermann war es. Mit großem Aufwand hat die Redaktion des „Neo Magazin Royale“ die Aufnahme eines Vortrags, den Varoufakis im Mai 2013 auf dem „Subversive Festival“ in Zagreb gehalten hat, so lange bearbeitet, bis der Finger da war. Das behauptet zumindest Jan Böhmermann.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der griechische Finanzminister fordert bereits eine Entschuldigung von Günther Jauch. Mit dem manipulierten Video hätte eine versöhnliche Stimme aus Griechenland zum Schweigen gebracht werden sollen, twitterte er mitten in der Nacht.

          Der Reihe nach: Zuerst, sagt Böhmermann in der aktuellen Ausgabe seiner Show im ZDF, habe man bei der Bildbearbeitung den Zeigefinger hinmontiert. Aber der Mittelfinger passte selbstverständlich besser zum Text von Varoufakis, der da sagte, man hätte – im Jahr 2010, als die griechische Finanzkatastrophe eskalierte - den Deutschen den Finger zeigen („Stick the Finger to Germany“) und mit der Schuldenkrise alleine lassen können – habe man aber nicht. Durch die Geste schien die Aussage erst recht überzeugend. Doch wie es aussieht, hat Jan Böhmermann die ARD, Günther Jauch und uns und viele andere gleich mit an diesem Finger durch die Manege gezogen.

          „The video was doctored“

          Doch soll man in diesem Fall ausgerechnet Jan Böhmermann glauben, der sich ansonsten nicht zwingend um Ernsthaftigkeit bemüht? Das rund neunminütige Erklärvideo, in dem Böhmermann sein Vorgehen darlegt, ist schon recht überzeugend. Über eine des Kroatischen mächtige Mitarbeiterin,  die auch noch Kontakte zu den Veranstaltern des Kongresses in Zagreb hatte, will der ZDF-Witzbold an das Bildmaterial gekommen sein, an dem dann nach allen Regeln der Kunst herumgedoktert wurde – ganz so, wie es Varoufakis in Jauchs Sendung am vergangenen Sonntag behauptet hatte: „The video was doctored.“ Die Bewegungen von Varoufakis nachgestellt, abgefilmt und digital bearbeitet – so stellt Böhmermann die Genese des „Stinkefinger“-Films dar. Das klingt eigentlich zu verrückt, um wahr zu sein.

          Böhmermann kann sich vor Schadenfreude kaum halten. Ganz stark müssten die ARD und Jauch jetzt sein, denn wer komme denn schon auf sowas – eine Aufnahme derart zu fälschen, prustet es zu Beginn aus  Böhmermann heraus. Na wer wohl? Er natürlich.

          Und was sagt uns das Lehrbeispiel? „Wenn uns ein Grieche den Stinkefinger zeigt“, lautet Böhmermanns Fazit, „dann flippen wir aus, denn wir sind Deutsche. Liebe Redaktion von Günther Jauch: Giannis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach nur das Video  aus dem Zusammenhang gerissen und einen griechischen Politiker am Stinkefinger durch das Studio gezogen, damit sich Mutti und Vati abends nach dem Tatort noch mal schön aufregen können: Der Ausländer, raus aus Europa mit dem! Er ist arm und nimmt uns das Geld weg! Wir sind hier die Chefs! Das habt ihr gemacht. Und der Rest ist von uns.“

          Damit hat Böhmermann nicht nur Günther Jauch in Sachen mediale Erregungskurvenlehre erst einmal den Rest gegeben. Falls der Mann vom ZDF sich die Geschichte nicht genauso kunstvoll zurechtgelegt hat, wie sie von Experten zunächst als echt bestätigt wurde, und wir hier nicht auf die Fälschung der Fälschung hereinfallen. Ganz schön perfide.

          Auf die Schlagzeilen in der griechischen Presse und die Reaktion des Finanzministers Varoufakis dürfen wir gespannt sein. Die Home-Story aus „Paris Match“ halten wir erst einmal weiterhin für echt.
           

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