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Party für den Präsidenten : Eine große Werbeveranstaltung für Joe Biden

  • -Aktualisiert am

Krönender Abschluss? Katy Perry singt, im Hintergrund zündet das Feuerwerk. Bild: AP

Anstelle des traditionellen Balls wird für Joe Biden eine virtuelle Party mit vielen Stars veranstaltet. Doch das als gutgelaunte Feier getarnte Event entpuppt sich als PR-Video. Gerade im Fahrwasser der Trump-Regierung wirkt diese Lobhudelei befremdlich.

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          Nachdem die Feierlichkeiten zur Amtseinführung von Joe Biden und Kamala Harris wegen der Coronavirus-Pandemie und den weitreichenden Sicherheitsmaßnahmen nach der Erstürmung des Kapitols vor zwei Wochen weitgehend ohne Live-Publikum abgehalten werden mussten, hieß man die Administration stattdessen mit einer Gala im Fernsehen willkommen.

          Bereits im Rahmen der Einschwörung von Biden und Harris waren prominente Entertainer zugegen gewesen – Lady Gaga sang die Nationalhymne und Jennifer Lopez gab „This land is your land“ zum Besten und rief auf spanisch den Fahneneid, den Pledge of Allegiance, aus: „Eine Nation, unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für alle“. Der Countrysänger Garth Brooks intonierte schließlich „Amazing Grace“ und forderte nicht nur die Anwesenden, sondern auch die Zuschauer daheim zum Mitsingen auf.

          Versatzstücke von Superstar-Auftritten

          Am Abend folgte dann die virtuelle Party, die anstelle des traditionellen Balls zur Amtseinführung des neuen Präsidenten und dessen Stellvertreterin trat. Das Event wurde von den führenden Fernsehsendern wie ABC, PBS, CBS, CNN, NBC und MSNBC ausgestrahlt, man konnte die Feierlichkeiten aber auch auf Facebook, Youtube, Twitter und anderen Plattformen verfolgen. Der Schauspieler Tom Hanks führte von den Stufen des Lincoln Memorial aus durch das Programm. Doch während der Schauplatz Ernst und Gravitas suggerierte, überraschte das Programm als Revue von Versatzstücken von Superstar-Auftritten und Kurzvideos von Soldaten, Medizinern und Normalbürgern, die dem neuen Präsidenten salutierten.

          Neben Hanks zierten weitere Superstars wie Eva Longoria, Demi Lovato, John Legend, Bruce Springsteen, Justin Timberlake, und Jon Bon Jovi das Event. Aber statt einer gutgelaunten Feier, wie sie sich die neugewählten Präsidenten Amerikas traditionell gönnen, offenbarte sich hier ein erstaunlich sendungsbewusstes PR-Video, in dem die Grenzen zwischen Feierlaune und politischer Botschaft verschmolzen.

          Im Kontrast zu der zurückhaltenden Zeremonie, in der Biden und Harris eingeschworen wurden, wirkte dies wie ein mittelmäßig produziertes Propagandavideo. Dabei wussten die Organisatoren ausgerechnet die politischen Superstars – Bill Clinton, George Bush und Barack Obama wandten sich in einem kurzen Segment an die Wähler – kaum mehr als Silhouetten auszuleuchten. Es gab eine kurze Szene von der internationalen Raumstation ISS, in der vier Astronauten Biden gratulierten – eine größere Einordnung zu alldem fehlte. Amerikanischen Ureinwohnern, Behinderten und anderen Randgruppen wurde mit sekundenkurzen Einblendungen vermeintlich Reverenz erwiesen, ohne sie jedoch wirklich einzubeziehen. Der Violinist Yo-Yo Ma spielte „Amazing Grace“, aber auch diese Inszenierung erhielt keinen Kontext und blieb ein Versatzstück in einer großen Werbeveranstaltung für Joe Biden.

          Allein auf den Stufen des Lincoln Memorials: Tom Hanks führt durch den Abend.
          Allein auf den Stufen des Lincoln Memorials: Tom Hanks führt durch den Abend. : Bild: AP

          Gegen Ende der Party sah man dann Joe und Jill Biden auf einem Balkon, ein Feuerwerk bestaunend. Doch auch hier blieb der Zusammenhang unklar – war dies eine Live-Sequenz? Waren die Ansprachen von Kamala Harris und Joe Biden vorab aufgenommen worden? 

          Wie der „Hollywood Reporter“ berichtete, war die Produktion aus der Hand von Kirshner Events, die unter anderem den Nominierungsparteitag der Demokraten im vergangenen Jahr sowie bereits verschiedene Superbowl-Events inszeniert hatten, seit einem Monat in Arbeit. Und die Postproduktionfirma SIM zeichnete unter anderem verantwortlich für das globale Streaming-Event „One World: Together At Home„ und soll zudem die Postproduktion für die diesjährige Oscar-Verleihung bewerkstelligen. Doch gerade im Fahrwasser der Trump-Regierung, in der Fakten stets verhandelbar waren, wirkte diese programmatische Lobhudelei für eine eben erst installierte Regierung befremdlich. Man mag hoffen, dass das Sendungsbewusstsein der Biden-Regierung sich hin und wieder an der Realität messen muss.

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