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Republikaner begehren auf : Amerika oder Trump!

  • -Aktualisiert am

Unter Feuer von unzufriedenen Republikanern: Donald Trump. Bild: Reuters

Die härtesten Kritiker des Präsidenten finden sich in den eigenen Reihen. Konservative machen gegen ihn im Netz mobil. Ihre Botschaft ist eindeutig.

          4 Min.

          Wer sich in diesen Wochen, in der beginnenden heißen Phase des amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs, durchs amerikanische Fernsehen zappt oder durch die sozialen Netzwerke scrollt, dem mag sich der Eindruck aufdrängen, dass kaum jemand so hart an Donald Trumps Demontage arbeitet wie Leute aus den Reihen der republikanischen Partei.

          Da ist das grobkörnige Handyvideo eines vormaligen Trump-Wählers mit nacktem Oberkörper und Kippe in der Hand, der sagt, er würde im November lieber für eine Tomatendose als für Trump stimmen, „weil die weniger Unheil anrichten kann“. Da ist der mit englischen Untertiteln versehene Spot einer konservativen Gruppe, in dem eine russische Stimme dem „Kameraden Trump“ für seine „Treue und Freundschaft“ dankt. Da ist das in dramatischem Stakkato geschnittene Video, in dem ein ganzes Dutzend konservativer Veteranen aus dem amerikanischen Militär Trump Lügen und Verrat vorwirft: „Dieses Land ist ihm egal.“

          Dass es laut und schmutzig werden würde im Wahlkampf 2020, war zu erwarten. Dass indes die lautesten Stimmen gegen Donald Trump aus dem republikanischen Lager stammen, überrascht. Gruppen wie „Republican Veterans against Trump“, das „Lincoln Project“ oder „Republican Voters Against Trump“ betonen, dass sie zwar mit der Politik der Demokraten nichts am Hut haben. Schwerer wiege aber, die republikanische Partei zu retten, und dazu müsse Trump weg.

          Sarah Longwell, Verlegerin des neokonservativen „Bulwark“, hatte 2016 gehofft, dass die Partei Trumps niederste Instinkte im Zaum halten würde, und sah sich enttäuscht. Sie sammelte für „Republican Voters Against Trump“ bislang mehr als dreizehn Millionen Dollar und finanziert damit vor allem Spots, in denen ehemalige Trump-Wähler roh und unkommentiert ihre Wut und Enttäuschung ausdrücken. Tommy aus Texas sagt, Amerikas Christen hätten sich „an einen falschen Propheten verkauft“. Trump sei eine „totale Bedrohung für die Demokratie, die die Gründerväter institutionalisiert haben“, findet Paul aus Tennessee. Jeffrey aus Massachusetts bekennt, er schäme sich inzwischen, aus Amerika zu stammen: „Trump lässt uns wie Idioten aussehen.“ Zu Longwells Unterstützern zählen der konservative Journalist Bill Kristol und der republikanische Politstratege Mike Murphy, der John McCain und Jeb Bush beriet. „Ich bin Konservativer. Bidens Politik reizt mich nicht. Aber Trump muss weg. So einfach“, tweetete er kürzlich.

          Ähnlich sehen das die „Republican Vets Against Trump“, eine Gruppe konservativer Militärveteranen, die ebenfalls gegen Trump trommeln. In einem ihrer Videos kommt ein Dutzend Veteranen zu Wort. Sie bezeichnen Trump als Lügner und Verräter. Trump „schert sich nicht um dich, er schert sich nicht um dieses Land“, sagt ein Navy-Veteran; „Land vor Partei“, sagt eine Air-Force-Veteranin.

          Trump habe die Ideale der Republikaner verraten, ist die gemeinsame Botschaft, und nirgends wird ihr deutlicher Nachdruck verliehen als in den Spots des „Lincoln Project“. 83 plakative Videos hat das „Lincoln Project“ seit Januar veröffentlicht, darunter das russischsprachige Stück, in dem es unter anderem heißt: „Wir haben eure Wähler manipuliert, unsere glorreiche Propaganda verbreitet und euch, amerikanische Hunde, gegeneinander aufgehetzt. Glückwunsch, Kamerad Trump!“ Die Spots nehmen sich die Trump-Verehrer unter evangelikalen Amerikanern vor, verhöhnen die internationalen Business-Deals von Trumps Tochter Ivanka („Danke, Daddy!“), kreiden Trump das Versagen in der Coronavirus-Pandemie an und zitieren genüsslich vernichtende psychologische Urteile über Trump aus dem kürzlich erschienenen Buch seiner Nichte Mary Trump, „Too Much and Never Enough“.

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