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Amerikas Reaktion auf Berlin : Terror überall

  • -Aktualisiert am

Eine Mauer muss her: Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks stellen um den Weihnachtsmarkt am Potsdamer Platz Betonbarrieren auf. Bild: dpa

Amerikanische Medien reagieren abgeklärt auf das Berliner Attentat. Manche werten es als Folge von Merkels Flüchtlingspolitik. Donald Trump sieht gar einen Kampf zwischen Muslimen und Christen.

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          Abgeklärtheit bestimmt die Reaktion der amerikanischen Nachrichten auf den Anschlag am Berliner Weihnachtsmarkt. Das Attentat, schreibt die „Washington Post“, sei „keine Überraschung. Experten warnen seit Jahren vor Lkws“. Für den „New Yorker“ handelt es sich um eine „Attacke direkt aus den Terror-Handbüchern“, genauer gesagt aus dem IS- Magazin „Rumiyah“ und der Al-Qaida-Publikation „Inspire“: ein Lastwagen als Waffe gegen eine zivile Veranstaltung. Diese Art von „Open-Air-Terrorismus“ sei besonders schwer zu verhindern.

          Die „New York Times“ stellt mit Blick auf das Berliner Attentat und den Mord an dem russischen Botschafter in Ankara in Aussicht, dass der Terrorismus unser „neuer Normalzustand wird“. Die Ermordung Andrej Kralows nimmt in Fernsehen und Presse in etwa gleichen Raum ein wie die Berichterstattung über Berlin. Das hat dreierlei Gründe: Aus Ankara gibt es makabre Live-Aufnahmen, Russland scheint dank der Nähe Donald Trumps zum Kreml wichtiger zu werden, und Terroranschläge in Europa sind inzwischen Alltag.

          „Die sind da überall.“

          Die meisten Medien versäumen nicht, darauf hinzuweisen, dass der Anschlag abermals Angela Merkels Flüchtlingspolitik ins Zentrum der Kritik stellte. In den sozialen Netzwerken, etwa auf Facebook, werden die Ereignisse schnell zum Politikum. In der Kommentarspalte zu einem CNN-Bericht herrscht Sarkasmus vor. „Wahrscheinlich wieder so ein bösartiger weißer männlicher christlicher Terrorist“ kommentiert ein Zuschauer. Unter einer Story von Fox News heißt es: „Wenn das Absicht und ein terroristischer Akt war, ist es eine Attacke auf Weihnachten und Nichtmuslime. Wir als Amerikaner müssen aufwachen und uns schützen!“ Deutschland, „einer meiner Lieblingsorte auf der Welt“, ist an anderer Stelle zu lesen, „hätte nie die Grenzen öffnen sollen. (...) Ich war im Juni zu Besuch. Die sind da überall.“ Ein Leser der „New York Times“ prophezeit, dass es in Europa nun mit absoluter Sicherheit zu einem Erstarken rechter Parteien komme. Der amerikanische Blick auf den Terroranschlag in Berlin und den Mord in Ankara wird aber auch einer in die eigene Zukunft. Das Magazin „Atlantic“ deutet die Reaktionen der scheidenden und der kommenden amerikanischen Regierung.

          Muslime als der „Feind von innen“

          Zu den Unterschieden in der Beurteilung der Situation durch die beiden Lager zähle nicht nur, dass die Obama-Leute Vorsicht walten ließen und zunächst von einem „anscheinend“ terroristischen Anschlag sprachen, während Trumps Leute direkt eine „entsetzliche Terror-Attacke“ erkannten. Womöglich noch wegweisender sei, wen die jeweiligen Lager durch die Attacke angegriffen sahen. Während die Obama-Administration ihr „tiefes Beileid den Bürgern und der Regierung Deutschlands“ ausdrückte, verwies Trumps Statement auf „Christen in ihren Gemeinden und ihren Gotteshäusern“, wo sie von „Isis und anderen islamistischen Gruppen als Teil des globalen Dschihad kontinuierlich abgeschlachtet“ würden.

          Das, so der „Atlantic“, sei insofern bedeutsam, als der Kampf gegen den Terror bisher einer von religiös heterogenen Nationen gegen einen staatenlosen, von Hass und Ideologie bestimmten Feind aufgefasst worden sei. Trump mache ihn in der Reaktion auf Berlin als Konflikt zwischen der christlichen und der islamischen Welt aus – ganz so, wie die Terrormiliz IS verstanden wissen will. Das sei nicht nur außenpolitisch gefährlich, es brandmarke auch die Muslime in den Vereinigten Staaten als „Feind von innen“.

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