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Amerikas Medien kontern Trump : Pressechor

Donald Trump beim Verlassen der Air Force One auf der Andrews Air Force Base in Maryland Bild: AP

Donald Trump nennt die Medien „Feinde des amerikanischen Volkes“. Das lassen die Zeitungen des Landes nicht auf sich sitzen. Sie haben eine gute Antwort.

          Wenn er sich entscheiden müsse, ob er eine Regierung ohne Zeitungen oder Zeitungen ohne eine Regierung haben wolle, präferiere er ohne Zögern Letzteres, schrieb Thomas Jefferson im Jahr 1787. Da hatte der Hauptautor der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung noch gut reden, da war er noch nicht Präsident der Vereinigten Staaten. Am Ende seiner Amtszeit war er nicht mehr ganz so begeistert von der Presse: In ihren Händen werde die Wahrheit selbst verdächtig.

          Ob sich der amtierende Präsident Donald Trump mit seiner fortwährenden Presseschelte am Ende auf den Gründervater berufen könnte? Hat schon Jefferson „Fake News“ gerufen, vor mehr als zweihundert Jahren? Hat er nicht, schreibt die „New York Times“. In ihrem Leitartikel ruft sie Jefferson vielmehr als Kronzeugen gegen Trump auf, der die Medien zu „Feinden des amerikanischen Volkes“ erklärt hat.

          Es ist einer von rund 350 Leitartikeln in 350 amerikanischen Zeitungen, die dem Aufruf des „Boston Globe“ gefolgt sind, Trump mit einer konzertierten Aktion der Selbstbehauptung entgegenzutreten. „Wir sind nicht der Feind“, schreibt die „Mercury News“ aus San José, Kalifornien. Journalisten versuchten, ihren Job zu machen. Sie versuchten nicht, die Nation zu ruinieren, sondern sie zu stärken, in der Überzeugung, dass zu einer starken Nation wohlinformierte Bürger zählten.

          Landauf, landab werden diese, so sie Zeitung lesen, in 350 Überzeugungsreden angesprochen. Diese haben einen gemeinsamen Tenor, den die „Mercury News“ am plakativsten formuliert, stellen aber zugleich eine jeweils individuelle Antwort auf den Generalangriff des Präsidenten und Trumps pauschale Verunglimpfung, ja Verächtlichmachung der Presse dar. Damit, schreibt der „Chicago Tribune“, ermuntere Trump Extremisten, loszuschlagen. Er negiere die wichtigste Aufgabe der von der Regierung unabhängigen Presse, nämlich diese und den Staat zu kontrollieren. Mit seinen Ausfällen, meint die „Tampa Bay Times“ aus St. Petersburg, Florida, lege Trump nicht nur die Axt an die freie Presse, sondern an die Gemeinschaft und die Demokratie an sich.

          Darauf hebt auch der „Boston Globe“ ab und benennt dies als Grund für seinen Aufruf, dem so viele Redaktionen gefolgt sind. Freie Medien durch staatliche zu ersetzen, also durch solche, die der Regierung hörig sind, sei stets der erste Tagesordnungspunkt korrupter Regime, wenn sie ein Land übernehmen. Genau das traut der „Globe“ Donald Trump mit seinem Anti-Presse-Mantra offenbar zu.

          Das „Wall Street Journal“ indes, das sich dem Leitartikel-Line-up ausdrücklich nicht angeschlossen hat, ist ganz anderer Meinung. Man möge die Kirche doch bitte im Dorf lassen, schreibt dort James Freeman. Donald Trump sei ganz und gar nicht der Autokrat, für den manche ihn hielten, sondern sorge für Freiheit (der Märkte).

          Mit dieser Meinungsvielfalt, zu der eben auch Pro-Trump-Stimmen zählen, zeigt die amerikanische Presse ihre Stärke. Die Leser starren nicht, wie Trumps Twitter-Fans, auf einen Text und hören nur eine Stimme, sie hören viele, denen aber eines gemeinsam ist: Sie lassen sich von Donald Trump nicht die Ehre nehmen. Und sie machen weiter ihren Job, was bedeutet, dass sie Reden und Handeln des Fake-News-Präsidenten 24/7 im Kleinen wie im Großen auf den Prüfstand stellen. So beweist die amerikanische Presse am allerbesten, was das Land an ihr hat.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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