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Urteil gegen Hacker : Der verbotene Link

  • -Aktualisiert am

Brown dementierte, als Sprecher von Anonymous tätig gewesen zu sein; das Gericht war anderer Ansicht. Bild: AP

Der Journalist Barrett Brown galt als Sprecher des Hacker-Kollektivs „Anonymous“. Auch wegen eines Links zu gestohlenen Dokumenten muss er nun 5 Jahre in Haft. Ein Beispiel für die problematische Pressefreiheit in Amerika.

          Er galt als Sprecher des Hacker-Kollektivs Anonymous – und arbeitete zugleich als Journalist: Der Amerikaner Barrett Brown ist am Donnerstag in Dallas zu 5 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt worden. Das Gericht sprach ihn schuldig, an dem Hack auf den privaten Nachrichtendienst Stratfor im Jahr 2011 beteiligt gewesen zu sein. Zudem habe er seinen Computer bei der Hausdurchsuchung versteckt und den ermittelnden FBI-Beamten bedroht. Brown hatte sich in allen drei Anklagepunkten schuldig bekannt. Einzig das Strafmaß stand noch nicht fest.

          Der Prozess hatte großes Aufsehen erregt, weil der Journalist Brown auch aufgrund seiner Tätigkeit als solcher angeklagt worden war. Die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ führte Barrett Brown als einzigen Journalisten, der seiner Arbeit wegen in den Vereinigten Staaten inhaftiert ist. Auch aus diesem Grund war Amerika im jährlichen Pressefreiheit-Ranking zurückgefallen: 2014 lagen sie zwischen Haiti und El Salvador.


          Brown hatte bereits 2009 eine Rechercheplattform gegründet, mit der er die teils sinistren Praktiken von privaten Sicherheitsfirmen in den Vereinigten Staaten beleuchtete. Zu den Firmen gehörte auch Booz Allen Hamilton, der ehemalige Arbeitgeber von Edward Snowden. Internetaktivisten wie Wikileaks-Gründer Julian Assange und renommierte Journalisten wie Glenn Greenwald setzten sich öffentlich für Brown ein. Aus ihrer Sicht war der Prozess politisch motiviert.

          „Unerhörter Angriff auf die Pressefreiheit“

          Mit seinem Urteil blieb der Richter unter dem Strafmaß, das die Staatsanwaltschaft gefordert hatte – 8,5 Jahre -, aber zugleich weit über den von der Verteidigung geforderten 28 Monaten. In diesem Fall hätte Brown seine Strafe bereits abgesessen gehabt. Der Prozess war mehrfach verschoben worden. Insgesamt saß Brown fast zweieinhalb Jahre in Untersuchungshaft – ein auch für amerikanische Verhältnisse außerordentlich langer Zeitraum.

          Das Bundesgericht in Dallas saß über mehr zu Gericht als nur über „United States of America gegen Barrett Lancaster Brown“. Weil Brown einen Link zu gestohlenen Dokumenten verbreitete, warf die Staatsanwaltschaft ihm Hehlerei vor. Organisationen wie „Reporter ohne Grenzen“ sahen darin einen unerhörten Angriff auf die Pressefreiheit: Im Onlinejournalismus ist es üblich, auf Quellen zu verlinken. Zumal die Dokumente, auch wenn sie aus einem Hack stammten, bereits öffentlich waren. Nachdem sich unter anderem die „Reporter ohne Grenzen“ vor Gericht für Brown einsetzten, ließ die Staatsanwaltschaft die meisten Anklagepunkte fallen. Nun drohten ihm nur noch maximal 8,5 Jahre Haft.

          In seiner Rede zum Abschluss des Prozesses zeigte sich Brown reuig. Das YouTube-Video, in dem er einem ermittelnden FBI-Beamten droht, nannte er „idiotisch“. Er sei zu diesem Zeitpunkt wegen seines Heroin-Entzuges in einer manischen Phase gewesen. Zugleich griff er die Ermittlungsbehörden scharf an. Offenbar gelte nicht mehr das, was die Gesetze sagen, sondern die Gesetzeshüter, sagte Brown. Mit dem für ihn typischen Sarkasmus erklärte er, die Öffentlichkeit habe ja nicht nur für seine Anwaltskosten gespendet, sie bezahle auch Steuern – und damit das Gehalt der Staatsanwaltschaft. Da habe sie doch ein Recht darauf zu wissen, was mit dem Geld passiert. Den ermittelnden Beamten warf er unter anderem vor, unter Eid gelogen zu haben.

          Brown führte aus, er sei immer Journalist gewesen und habe niemals als Sprecher von Anonymous gearbeitet, wie von der Staatsanwältin behauptet. Seine Beteiligung an dem Hack sei marginal. Der Richter folgte ihm darin nicht. Den Opfern des Hacks muss Brown eine Entschädigung von 890.000 Dollar zahlen.

          Brown hatte im Gespräch vor dem Urteil angekündigt, nach der Freilassung den Fall aus seiner Sicht aufschreiben zu wollen. Er freue sich auf den Tag, an dem seine Akten freigegeben werden. Er werde alle Lügen des FBI in seinem Fall aufdecken – und dann mit dem weitermachen, was er vorher begonnen hatte: Artikel schreiben und Sicherheitsfirmen auf die Finger schauen. Auf diese Zeitpunkt muss er nun noch einige Jahre warten.

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