https://www.faz.net/-gqz-7y9u2

Urheberrecht im Internet : Google und Piraten

  • -Aktualisiert am

Die Internet-Piraterie sorgt jährlich für immer mehr Arbeit in Googles Rechenzentren Bild: AP

Jährlich steigen die Anfragen zur Löschung illegaler Downloadlinks in den Suchergebnissen von Google. 2014 erreichte die Zahl einen neuen Höchststand. Ein Ende ist nicht absehbar.

          Der Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet wird immer aufwendiger. Vor allem für Google. 2014 bekam der Suchmaschinengigant Anfragen von Rechteinhabern, mehr als 345 Millionen Links zu Downloads urheberrechtlich geschützten Materials aus ihren Ergebnissen zu löschen. Die Anfragen steigen mit den Jahren exponentiell, so waren es noch 2008 nur einige Dutzend wie das internetpirateriezentrierte Portal torrentfreak.com berichtet.

          Im Vergleich zum Jahr 2013 stieg die Zahl der Anfragen um 75 Prozent, obwohl Google bereits Schritte eingeleitet hat, die Popularität von Internetseiten mit illegalen Downloadangeboten in ihren Suchergebnissen zu mindern oder sie ganz herauszunehmen und direkt auf legale Angebote hinzuweisen. Durch die bewussten Verweise auf legale Portale und die „DMCA takedown notices“ wird versucht, Internetnutzer von den Piraterie-Angeboten fernzuhalten. Das Digital Millennium Copyright Act (DMCA) von 1998 ist das amerikanische Gesetz, das der juristischen Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen im Internet zugrunde liegt.

          Die Eingriffe Googles

          Die Mehrheit der Anfragen bezieht sich auf Links zu den Filehoster-Domains 4shared.com, rapidgator.net und uploaded.net, die einen großen Teil des illegalen Angebots von Bild-und Tonmaterial im Netz ausmachen. Sie werden jeweils mit über fünf Millionen Links erwähnt. Die Herunterstufung und die Auslassung aus den Suchergebnissen Googles hatte großen Einfluss auf die Besucherzahlen und den Datenverkehr der Seiten. Die British Phonographic Industry (BPI), der Verband der Britischen Musikindustrie, ist mit mehr als sechzig Millionen gemeldeten Links der größte Urheberrechteinhaber, der sich an Google wendet.

          Trotz der hohen Rate von Eingriffen Googles in ihre angezeigten Suchergebnisse fordern viele Urheberrechteinhaber eine noch höhere Verantwortung und ein höheres Zuständigkeitsgefühl von der Firma, um strenger gegen Piraterie im Internet vorzugehen. Im Oktober des vergangenen Jahres gab es die bisher aufwendigsten Veränderungen ihrer Algorithmen, um die illegalen Inhalte auszublenden. Google behält sich in manchen Fällen jedoch noch vor, nicht einzugreifen, wenn keine Urheberrechteverletzung zu erkennen ist oder die belasteten Seiten nicht vorher schon auffällig geworden sind. Gegen Websites, die bereits häufig auffällig wurden, nimmt Google aber ausdrücklich kritisch Stellung.

          Von den Rechteinhabern fordert Google im Gegenzug jedoch auch, andere Vorgehensweisen gegen die Internet-Piraterie einzuschlagen, da die Firma als effektivste Waffe ein legales und gleichbreites Angebot sieht, das bequeme Nutzung mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis und großer Medienauswahl kombiniert. Dies sei wirksamer als das bloße Erzwingen und die Vorenthaltung der illegalen Links. „Die Piraterie entsteht meist daraus, dass die Nachfrage der Verbraucher nicht gedeckt wird, da kein ausreichendes, legales Angebot gegeben ist. Dienstleister wie Netflix, Spotify oder iTunes haben gezeigt, dass der beste Weg zur Bekämpfung der Piraterie ein besseres, bequemeres legales Angebot ist“, erklärt Google.

          In den vergangenen Wochen bekam die Vehemenz des Forderungsaustauschs Googles und einiger Rechteinhaber eine neue Wendung. Nachdem die Motion Picture Association of America sich in einer Pressemitteilung bissig zu den ihnen nicht ausreichend erscheinenden Bemühungen Googles geäußert hatte, beendete Google die Anti-Piraterie-Kooperation mit dem Hollywood-Verband.

          Weitere Themen

          Sie finden mich also gruselig?

          Erzählungen von Joey Goebel : Sie finden mich also gruselig?

          Ein Stalker wirft sich einem anderen in den Weg, eine Lehrerin holt ihren Lieblingsschüler von einer Party ab: In „Irgendwann wird es gut“ hat Joey Goebel eine neue Balance von Satire und Zärtlichkeit gefunden.

          Zwischen Horrorfilm und Neorealismus Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Wo ist Kyra?" : Zwischen Horrorfilm und Neorealismus

          "Wo ist Kyra?" von Fotograf Andrew Dosunmu ist ein Hollywood-Film und Arthouse zugleich. Und beides auch wieder nicht. Denn die Zielgruppen beider Genre müssen sich an etwas gewöhnen, das sie sonst ablehnen. Warum der Film sowohl inhaltlich als auch künstlerisch sehenswert ist, verrät F.A.Z.-Redakteur Dietmar Dath.

          Der Geist der Ostsee

          Filmemacher Volker Koepp : Der Geist der Ostsee

          Reflektierte Romantik: Volker Koepp durchstreift in seinen Filmen das Mittelmeer des Nordens. Der Mensch ist dort nie das Maß aller Dinge gewesen. Schlimm zugerichtet wird die Landschaft dort aber trotzdem.

          Die Drift nach oben Video-Seite öffnen

          Landkarte des Kunstmarkts : Die Drift nach oben

          Die Preise für Kunst sind absurd? Nein. Sie sind das realistische Abbild des globalen Reichtums. Eine Landkarte des Kunstmarkts, der in Wirklichkeit schrumpft und nur knapp dem Umsatz von Rewe entspricht.

          Topmeldungen

          EVP-Spitzenkandidat Manfred Weber

          Streit um EU-Jobs : EVP-Kandidat Weber greift Macron an

          Manfred Weber geht im Ringen um den Job als EU-Kommissionspräsident in die Offensive. Er wirft seinen Gegnern destruktives Verhalten vor und warnt: „Die Frustration von Wählern ist absehbar.“
          Unsere Sprinter-Autorin: Rebecca Boucsein

          F.A.Z.-Sprinter : In der Hitze die Nerven bewahren!

          Der Sommer hat Deutschland fest im Griff und steuert auf einen Rekord zu. Die Bauern debattieren über ausgedorrte Felder – und die Bundeswehr sucht die Ursache des Eurofighter-Absturzes. Was sonst noch wichtig wird, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.