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Konservative Demokratie-Abkehr : Autokraten für Amerika

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Donald Trump, damals tatsächlich noch Präsident, und Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán im Mai 2019 in Washington Bild: dpa

Donald Trump wollte um jeden Preis an der Macht bleiben. Amerikas Rechte hätte nichts dagegen. Ihr Held ist der Ungar Viktor Orbán. Demokratie erscheint als verzichtbar. Ein gefährlicher Trend.

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          In einer ersten Bewertung der Kongressanhörungen zum Kapitolsturm vom 6. Januar 2021, die immer deutlicher zeigen, dass Donald Trump seine Wahlniederlage nicht anerkannte und alle Hebel in Bewegung setzte, um im Weißen Haus zu bleiben, titelte die „New York Times“: „Trump wird als Möchtegern-Autokrat dargestellt, der um jeden Preis an der Macht festhalten wollte.“ Was vielen Beobachtern als der am schwersten wiegende Vorwurf erscheint, der je einem amerikanischen Präsidenten gemacht wurde, ist in Kreisen rechtskonservativer Intellektueller kein Problem, sondern schick: Man redet offen der Autokratie das Wort und bringt Bewunderung für Regierungschefs wie den Ungarn Viktor Orbán zum Ausdruck.

          Im vergangenen Jahr avancierte Orbán, der die Zweidrittelmehrheit seiner Partei Fidesz in der ungarischen Nationalversammlung genutzt hat, um die Demokratie in seinem Land abzubauen, zum Liebling der rechtskonservativen Szene Amerikas, nachdem ihm Tucker Carlson von Fox News im Oktober einen publicityträchtigen Besuch abstattete. Eingefädelt hatte den Trip der Journalist Rod Dreher vom Magazin „The American Conserva­tive“, der ein Forschungsstipendium am Mathias Corvinus Collegium in Budapest hatte. Er ist ein Fürsprecher von Orbáns „illiberaler Demokratie“ mit „christlichen Überzeugungen und einer Verpflichtung an die Nation“, wie Orbán das einst charakterisierte.

          Orbán als rechtskonservativer Superstar

          Carlson ließ sich von Orbán den rechtskonservativen Traum zeigen: Ein Land, das Migranten mit Stacheldraht fernhält, in dem öffentliche Gelder in konservativ gesteuerte Universitäten fließen und wo es verboten ist, Menschen unter 18 Jahren Büchern auszusetzen, die Homosexualität oder Transsexualität „bewerben“.

          Nun ist Orbán der Superstar der amerikanischen Rechten: ein Autokrat, der seine Vorstellungen durchsetzt, statt sich mit anderen Kräften einer pluralen Gesellschaft messen zu müssen. So sehr hat man den ungarischen Autokraten zur Heldenfigur stilisiert, dass im Mai die jährliche Conservative Political Action Conference (CPAC) erstmals im Ausland stattfand: in Budapest, wo Donald Trump, per Video zugeschaltet, und Viktor Orbán sich als große Staatsmänner gegenseitig huldigen durften. Orbán, in Europa isoliert, darf es recht sein, dass Amerikas Rechte sein Land zur konservativen Utopie stilisiert, in der er den viel zitierten Kulturkrieg zwischen rechts und links mit eiserner Hand für die Konservativen entscheidet.

          Vorbild Deng Xiaoping

          In einem Porträt der „neuen Rechten“ Amerikas beschreibt „Vanity Fair“ eine ziemlich bunte Gruppe von Leuten. Sie seien weder Trump-Fans noch QAnon-Anhänger, sondern selbst erklärte „Dissidenten“ und „Neoreaktionäre“, mit einem gemeinsamen „Projekt, die Schubkraft des Fortschritts umzukehren“. Zu den Idolen dieser Bewegung gehören neben Rod Dreher der Paypal-Mitgründer Peter Thiel, der als eine Art Sugardaddy der Bewegung fungiert; der Buchautor J. D. Vance („Hillbilly Elegy“), der eine „Ent-Wokeifizierung“ amerikanischer Institutionen fordert; und der Blogger und „Philosoph“ Curtis Yarvin.

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