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„Unsere wunderbaren Jahre“ : Geht das nicht auch mal ohne Liebesschmonzetten?

  • -Aktualisiert am

Auf ins Wirtschaftswunder: Elisa Schlott und David Schütter in „Unsere wunderbaren Jahre“ Bild: WDR

Hormon-Achterbahn im Vordergrund: Die ARD hält den Dreiteiler „Unsere wunderbaren Jahre“ für einen großen Fernsehfilm zur Zeitgeschichte. Zweifel daran sind angebracht.

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          Frühsommer 1948, Altena im Sauerland, britische Verwaltungszone, kurz vor der „Stunde null“. Noch gibt es die meisten Lebensmittel nur auf dem Schwarzmarkt. Der Duft echten Kaffees ist so kostbar wie seltenes Parfüm. Adenauer verspricht im Radio die Rückkehr der Kriegsgefangenen und die Wiedervereinigung Deutschlands. Die Demontage von Betrieben der Montanindustrie ist in vollem Gang. Wie soll so ein Bruttosozialprodukt zustande kommen?

          Stabile Einnahmen produziert allein das älteste Gewerbe der Welt; für manche Kriegswitwe ist es neben dem Nähen für die Nachbarschaft die einzige Chance, an Geld zu kommen. In Düsseldorf amüsieren sich Mitarbeiter der Landeszentralbank im Bordell. Hier herrscht Aufbruchsstimmung. Walter Böcker (Hans-Jochen Wagner), ehemaliger NSDAP-Ortsgruppenleiter aus Altena, hat Ideen und Kontakte, Skrupel kennt er nicht. Da die Metallindustrie Rüstungsprodukte für die Nazis hergestellt hat, sind metallverarbeitende Betriebe, deren Eigentümer Persilscheine vorweisen können, Mangelware. Die Zeit zur Vergabe des Großauftrags für die Prägung neuer Münzen drängt. Am 20. Juni wird es für jeden Bürger der Bundesrepublik vierzig Deutsche Mark geben. Bald werden die Regale voll mit Waren sein.

          Alles auf Anfang; was war, das war, sagen die meisten, die sich als verführte Opfer sehen möchten. Eine der Voraussetzungen des Wirtschaftswunders, so wie es der „Vater der sozialen Marktwirtschaft“ Ludwig Erhard prognostiziert, ist die Verdrängung von Schuld und Verantwortung, sagen Sozialwissenschaftler später. In Altena zaubert der Sommer einstweilen bunte Lichtkringel über den Badeteich, in dem junge Leute der Zukunft entgegenplanschen. Der Tanzboden ist geöffnet, die Schlagermusiktexte haben mehr kritischen Pfiff, als den Befreiten bewusst ist.

          Für die ARD ist das ein Referenzprojekt

          In dem Dreiteiler „Unsere wunderbaren Jahre“, nach einem Roman von Peter Prange, geschrieben von Robert Krause und Florian Puchert und inszeniert von Elmar Fischer (Kamera Felix Novo de Oliveira), wird vor der Folie der Nachkriegsjahre 1948 bis 1954 Familiengeschichte als Wirtschaftswunderbewegung und Frauenemanzipationsanstrengung ausgebreitet. Die Senderhoffnungen, die diese Ufa-Produktion für WDR und Degeto begleiten, sind groß. Der Programmdirektor des Ersten, Volker Herres, und Jörg Schönenborn, unter anderem ARD-Koordinator Fernsehfilm, begleiten den Mehrteiler mit hymnischen Grußworten. Eine Geschichtsaufbereitung im fiktionalen Fernsehen, die von der Wirtschaftsreform bis zur Wiederbewaffnung, von der Lokalpolitik in West und Ost, von der Verdrängung wie vom Zukunftsoptimismus kündet?

          Für die ARD ist das ein Referenzprojekt. Eines, an dem sich die Qualität des Fiktionalen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen messen lassen soll. Das Selbstlob ist interessant, aber nicht wirklich nachvollziehbar. Der Dreiteiler hat einige Meriten, aber auch viele Schwächen. Gelungen sind Ausstattung (K.D. Gruber) und Besetzung (Casting Nina Haun). Drehbuch und Regie dagegen gelingt es trotz ausgezeichneter Darsteller nicht, Herausragendes auf den Schirm zu bringen.

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