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Philipp Kadelbach im Gespräch : Darf ich zu diesen Figuren Nähe aufbauen?

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Es gibt in „Unsere Mütter, unsere Väter“ keinen emotionalen Fluchtpunkt, nur Tod, Verderben und Erschütterung.

Es gibt ruhige Momente, aber nur akustisch. Es ist eine einzige Abwärtsspirale. Das ist schwierig, auch für den Zuschauer. Aber ich denke, dass es sich lohnt, den Figuren zu folgen - dem verfolgten Juden, den beiden Soldaten, der Lazarettschwester, der Sängerin.

Fünf Freunde, vor dem Weg nach ganz unten: Greta (Katharina Schüttler), Wilhelm (Volker Bruch), Charlotte (Miriam Stein), Friedhelm (Tom Schilling) und Viktor (Ludwig Trepte)

Ich hatte nach dem Film lange die fünf Figuren, von denen Sie handeln, im Sinn. Die glänzend gespielt werden.

Es ist ein Kriegsfilm, aus fünf jungen Menschen heraus erzählt. Und die Schauspieler - Miriam Stein, Katharina Schüttler, Volker Bruch, Tom Schilling und Ludwig Trepte - machen das in meinen Augen ganz großartig. Die Schwierigkeit bestand darin, ihre Figuren nicht nur nebeneinander herlaufen zu lassen. Sie haben - wenn man von den Brüdern Friedhelm und Wilhelm absieht - nur wenige gemeinsame Szenen. Da muss man sich als Regisseur jederzeit fragen: Bei wem will ich jetzt verweilen, wen nehme ich als nächsten in den Blick, wann gerät ein Charakter in Vergessenheit, hat er sich inzwischen verändert, was ist mit den anderen? Es galt, immer das Ganze zu überblicken. Am Ende war der Schnitt des Films entscheidend. Ich bin sehr dankbar, dass wir sehr lange - ein ganzes Jahr - am Schnitt arbeiten durften.

Beim Dreh dirigieren Sie ein Riesenorchester. Da kann man sich kaum vorstellen, wie das am Ende zusammenfindet. Die Szenen, die man im Schnitt braucht, muss man ja auch erst einmal drehen.

Es braucht eine gute Vorbereitung, man muss Szenen zunächst einmal bauen. Als Regisseur schaue ich zu und komme währenddessen auf neue Ideen. Wenn man gute Schauspieler hat, bringen die einen permanent auf Ideen, so entsteht ein kreativer Prozess. Die Farbe des Films habe ich im Kopf, die habe ich verinnerlicht, ebenso mein Kameramann David Slama. Da kommt man dann auch nicht auf falsche Ideen, wie: Lass uns mit dem Helikopter über die Szene fliegen und zeigen, was wir haben. Das hätte den Film beschädigt. Irgendwann haben alle am Set den Geist des Films eingesaugt, und dann stimmt es.

Sie kommen ursprünglich vom Werbefilm, haben Hunderte gedreht, sind ins Spielfilmfach gewechselt und nun bei einem monumentalen Format gelandet. Das müssen doch komplett verschiedene Welten sein.

Handwerklich erst einmal nicht. Werbung ist - Handwerk. Da geht es um Zeitgeist und eine möglichst innovative Verpackung. Da lernt man, was wie geht. Wie muss das Licht sein, was gibt das Budget her, welche Kamera setze ich ein? Wenn man zum Spielfilm wechselt, kann man den Fehler machen, sich allein auf das Handwerk zu verlassen. Das sieht dann toll aus, aber was ist mit dem Inhalt, geht es den Zuschauern an Verstand und Herz? Wenn man das Handwerkliche hinter sich lässt, kommt man zum Entscheidenden.

An der Ostfront: Wilhelm Winter (Volker Bruch) und seine Männer im Schützengraben

Wir haben 2013. Der Zweite Weltkrieg endete vor achtundsechzig Jahren. Haben Sie eine Erklärung, warum es einen solchen Film erst jetzt gibt?

Ganz ehrlich? Nein. Vielleicht ist es die Schuld, die Verarbeitung der Geschichte hat Zeit gebraucht. Eigentlich kommen wir zu spät. Aber wenn man sieht, welche Reaktionen die Wehrmachtsausstellung noch vor knapp zehn Jahren hervorgerufen hat, vielleicht auch nicht. Man hätte den Film auch schon damals drehen können. Aber vielleicht sind wir es jetzt bereit dazu.

Aus der Kriegsgeneration leben nur noch wenige.

Ich hatte in der Pressekonferenz einen Zeitzeugen, der die Geschichte allein dokumentarisch betrachtet hat und die fiktionale Verarbeitung nicht an sich heranließ. Aber es waren bei unseren Test-Vorführungen auch sehr viele ergriffen.

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