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Ronnie Golz : Marianne

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Die Sängerin

Maria Agnes Belokosztolszky wurde am 30. Januar 1895 in Wien-Hernals geboren. Sie entstammte einer katholischen Familie. Der Vater war Pole, die Mutter Tschechin. Nach der Matura in Wien machte sie eine Ausbildung als Tänzerin und Sängerin und nahm den Bühnennamen Marianne Tolska an. Die erste Erwähnung als Opernsängerin stammt vom Juli 1921, wo sie als Mitglied des Ensembles des Wiener Raimund Theaters bei einem Gastspiel in Linz auftrat. Am 12. Juli 1922 tritt sie in Stuttgart in der Operette ’Wiener Blut’ auf. Zwischen Oktober 1922 und September 1924 ist Marianne als Ensemblemitglied am Salzburger Stadttheater engagiert. Der Höhepunkt ihrer Karriere als Opernsängerin ist der gemeinsame Auftritt mit Richard Tauber in ’Die Fledermaus’ am 30. Juli 1923 im Stadttheater in Salzburg.

Im Jahr 1924 hat Marianne meinen Vater, Hans Werner Goldlust, der damals Leiter der Anzeigen- und Vertriebsabteilung der im Rowohlt Verlag erscheinenden Literarischen Welt war, kennengelernt. Mein Vater hatte Anfang der 20er Jahre den Namen ’Golz’ angenommen, weil er als assimilierter Jude die Stigmatisierung durch seinen Namen ablehnte. Angeblich aus Rücksicht auf seinen Vater hat er aber seinen neuen Familiennamen nie offiziell angemeldet. So entstand der Bindestrich-Name: ’Golz-Goldlust’. Redakteur der Literarischen Welt war der Journalist Willy Haas. Als im Frühjahr 1927 die Zeitschrift vom Rowohlt Verlag zum Verkauf angeboten wurde, übernahmen mein Vater und Willy Haas die Zeitschrift. Mein Vater wurde zum Geschäftsführer bestellt.

Am 21. März 1929 heirateten Marianne und Hans im Standesamt Berlin-Wilmersdorf. Hans Golz schreibt über seine Frau: „Ich war sehr stolz auf meine Frau, und durch meine Frau kam ich auch in die entsprechenden Kreise. Meine Frau war für mich in jeder Beziehung ein fester Halt. Ich habe mich immer auf sie verlassen können. Sie selbst war stets optimistisch und meinte: ’Mir wird es nie schlecht gehen im Leben, und Du brauchst deshalb auch keine Sorgen zu haben.’“

Nach Prag

Mit der Machtübernahme durch Hitler in Januar 1933 waren sich Hans Golz und Willy Haas der Gefahr, die für sie als Juden drohte, bewußt. Noch in März 1933 verkauften sie die Zeitschrift und emigrierten gemeinsam mit ihren Ehefrauen nach Prag.

„Ich versuchte, mit Willy Haas eine neue Zeitschrift. ’Die Welt im Wort’ im Orbis-Verlag herauszugeben. Wir hatten eine Kartothek unserer alten Bezieher und wir hofften, daß wir von Prag aus unsere Zeitschrift in Deutschland absetzen könnten. Aber diese Hoffnung erwies sich als Fehlschlag. 1935 bekam ich die Vertretung der französischen Agentur ’Mitropress’, außerdem war ich für das ’Neue Wiener Journal’ tätig.“

Marianne scheint in dieser Zeit nicht berufstätig gewesen zu sein. 1936 emigrierten die Eltern und die Schwester von Hans Golz ebenfalls aus Berlin nach Prag.

Am 15. März 1939 wurde die Tschechische Republik durch die Nationalsozialisten okkupiert. Hans Golz flüchtete sofort von Prag nach Polen und gelangte auf dem Seeweg im Sommer 1939 nach England. Aus der umfangreichen Korrespondenz zwischen Rosa Goldlust in Prag und ihren Kindern Hans und Erna in London geht hervor, daß Marianne in Prag zurückblieb, um ihren Schwiegereltern und ihrer Schwägerin zu helfen und ebenfalls um die eheliche Wohnung aufzulösen.

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