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Albrecht H. Poppe : Heinz Stahlschmidt, der Schutzengel von Bordeaux

  • Aktualisiert am

„Lebensrettende Taten werden selten erwähnt oder bleiben strittig“, schreibt unser Leser Albrecht H. Poppe - um dann an den Marinesoldaten und Sprengstoff-Spezialisten Heinz Stahlschmidt zu erinnern, der sich 1944 weigerte, den Hafen von Bordeaux zu zerstören.

          Frank Schirrmachers Artikel “Die Geschichte deutscher Albträume“ zu dem Dreiteiler des ZDF fordert Familien auf,  zu sehen, wie sich im Kriege Charakter, Person, Moral von fünf Personen fundamental bis zur Vernichtung verändern. 

          Dies entsprach nicht der Masse des deutschen Volkes. In den zerbombten Industriestädten und in der Provinz musste wie in Berlin hart für  Rüstung und Versorgung gearbeitet werden;  die Menschen hielten zusammen, um die Kriegsnöte zu überwinden, später, um der Vernichtung zu entgehen.

          Besonders in Berlin der letzten Kriegsjahre sammelten sich jene Machthungrigen, Sadisten, Judenhasser, jene stur und unbeugsam  den Endsieg versprechenden Parteigrößen, privilegierte Bürger und Helfer des Hitler-Staates beiderlei Geschlechts, von denen die Filmaufnahmen berichten. 

          Es fehlt in dem Dreiteiler eine sechste Person: Diejenige, die sich von ihrem Gewissen leiten lässt, die mitfühlende menschliche Verantwortung zeigt, die gerecht sein will, die sich nicht vernichten lassen will.  Diese Person gab es in unbekannter Zahl. Bekannt sind die im israelischen Jad Vashem und in einer Liste der Gedenkstätte Deutscher Widerstand genannten Personen. Andere sind unbekannt geblieben.

          An Standgerichte und an Vergeltungen der deutschen Besatzung wird  ständig erinnert. Der Abschiedsbrief eines jungen, zum Tode verurteilten Kämpfers  an seine Angehörigen gehört in den Schulen Frankreichs zur Pflichtlektüre.

          Lebensrettende Taten werden selten erwähnt oder bleiben strittig.

          HEINZ STAHLSCHMIDT, ein Marinesoldat und Sprengstoffspezialist, verweigerte im August 1944 seinem Gewissen folgend den Befehl, Hafen und Kaianlagen in Bordeaux zu zerstören. Er bewahrte  zahlreiche Anwohner der Stadt vor dem Tode.  

          Er hat keine Nachkommen; kein Enkel kann den Dreiteiler des ZDF sehen, es sei denn, die noch in Bordeaux lebende Witwe.
           
          Der französische Historiker Dominique LORMIER setzt ihm in seinem 1998 veröffentlichtem Buch „Bordeaux brûle-t-il?“ auf 17 Seiten ein Denkmal. Er nennt ihn den ’SCHUTZENGEL VON BORDEAUX’.

          Stahlschmidt wird später unter seinem französischen Namen Henri SALMIDE in Frankreich hoch geehrt. 2012 wurde der Hafen von Bordeaux nach ihm benannt. 
           
          In Deutschland bleibt er der Befehlsverweigerer, Attentäter, Deserteur, Mörder. Sein Charakter und seine Moral haben sich im Krieg nicht verschlechtert; im Gegenteil, er blieb seinem humanitären Gewissen treu. Doch wen interessiert das in Deutschland? Eingaben blieben ohne Folgen.

          Wer entscheidet in seinem Heimatland, wo es kein Jad Vashem gibt, über die Anerkennung eines einsamen, kleinen Widerständlers? Gemeinden, Räte, Behörden, Regierung, die Gedenkstätte deutscher Widerstand? 

          Wie dem auch sei, dieser Dreiteiler des ZDF verdient Beachtung. Er gibt  jedoch über das deutsche Volk jener Kriegsjahre eine einseitige Sicht. Vaterlandsliebe, Nächstenliebe, Treue, Mitleid und humanitäres Verhalten ungezählter Menschen werden übersehen.

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