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Umstrittenes WDR-Lied : „Das Video war ein Fehler“

  • Aktualisiert am

Der Kinderchor des WDR Bild: Screenshot/WDR

Mit dem umgedichteten Lied „Meine Oma ist ’ne alte Umweltsau“ sorgt der WDR für große Aufregung. In einer Sondersendung versucht der Sender die Wogen zu glätten – selbst der Intendant Tom Buhrow schaltet sich ein.

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          „Es war kein schöner Tag für uns.“ Mit diesen Worten fasste Radiomoderatorin Steffi Neu die derzeitige Gemütslage bei ihrem Arbeitgeber, dem Westdeutschen Rundfunk, zusammen. Was war passiert? Am Freitag hatte der WDR auf seiner Facebook-Seite ein Video gepostet, in dem ein Kinderchor unter anderem folgende Zeilen singt: „Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau:“ Daraufhin sah sich der öffentlich-rechtliche Sender einem veritablen Shitstorm ausgesetzt. In einer Sondersendung mit WDR-2-Programmchef Jochen Rausch stellte sich der Sender nun der Kritik und forderte Hörer auf, sich per Telefon an der Diskussion zu beteiligen.

          Man habe mit einem „sehr großen Hammer auf einen sehr kleinen Nagel gehauen“, gestand Rausch ein und entschuldigte sich gleich zu Beginn der Sendung. „Der Omi“ könne man mögliche Fehler in der Klimapolitik „persönlich nicht vorwerfen“. Vielmehr richte sich die Kritik an „uns alle“. „Der Fehler bei der Geschichte ist, dass wir es nicht richtig adressiert haben“, so Rausch weiter. Auch in der Wortwahl sei der Beitrag nach Auffassung des Verantwortlichen über das Ziel hinausgeschossen: „Auslöser der Kritik ist letztlich der Terminus 'Umweltsau'. Der passt nicht zu uns.“ Gleichwohl bemängelte Rausch auch die teils heftige Art und Weise, in der die Kritik teilweise an den Sender herangetragen wurde. „In welcher Weise diskutieren wir überhaupt miteinander?“, fragte Rausch zum Ende der Sendung und kritisierte die Debattenkultur im Netz.

          Noch deutlicher wurde Tom Buhrow, als WDR-Intendant letztlich verantwortlich für die Inhalte, der sich in die Diskussion einschaltete: „Das Video war ein Fehler. Ich entschuldige mich ohne Wenn und Aber dafür“. Nach eigenen Angaben rief Buhrow aus einem Krankenhaus in Siegburg an, wo sein 92-jähriger Vater liege, der die WDR-Sendung ebenfalls verfolge. „Mein Vater ist keine Umweltsau“, kritisierte der 61 Jahre alte Journalist das umstrittene Video seines Senders. Buhrow betonte, er habe sein ganzes Berufsleben dafür gekämpft, nicht zu spalten. Er wolle auch weiterhin zu einem „besseren Klima in diesem Land“ beitragen.

          „Ich finde den Beitrag beschämend“

          Zuvor hatte unter anderem der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet sein Missfallen über das vom WDR produzierte Video auf Twitter zum Ausdruck gebracht. „Der WDR hat mit dem Lied „Meine Oma ist 'ne alte Umweltsau“, das die Redaktion den Dortmunder Kinderchor singen ließ, Grenzen des Stil und des Respekts gegen über Älteren überschritten. Jung gegen Alt zu instrumentalisieren ist nicht akzeptabel“, schrieb der CDU-Politiker auf Twitter.

          Auf der Facebook-Seite des WDR, auf der das Video veröffentlicht wurde, gab es mehr als 15.000 Kommentare. Wie Laschet beschwerten sich die Nutzer dort, neben mangelndem Respekt gegenüber älteren Menschen, auch über eine vermeintliche Instrumentalisierung der Chorkinder. „Neun- bis Dreizehnjährige so einen Text singen zu lassen, finde ich völlig daneben“, kritisierte beispielsweise ein Anrufer in der Sondersendung. Programmchef Rausch bezog auch zu diesem Vorwurf Stellung. Man habe bei der Frage, ob Kinder instrumentalisiert wurden, nicht nachgedacht. Logisch sei aber auch, „dass die Kinder in der Anlage der Satire die Rolle der jüngeren Generation übernehmen“, so Rausch.

          Doch nicht nur an dem Video selbst nahmen einige Hörerinnen und Hörer Anstoß, auch der Umgang des WDR mit der Kritik wurde bemängelt. „Ich finde den Beitrag beschämend“, sagte ein Anrufer, „Aber die Art und Weise wie der WDR damit umgeht, ist noch beschämender.“ Der Hörer bezog sich hiermit auf die Löschung des Beitrags, nachdem kritische Stimmen laut wurden. Der Sender begründet diesen Schritt in einer Stellungnahme auf Facebook damit, dass der Vorwurf der Instrumentalisierung für ihn „unerträglich“ sei.

          Bei aller Kritik an der Produktion gab es allerdings auch prominenter Fürsprecher. Fernsehmoderator Jan Böhmermann schaltete sich am Samstagmorgen auf Twitter in die Debatte ein. „Wer sich jeden Tag billiges Discounterfleisch aufbrät, ist eine Umweltsau“, hieß von dem Satiriker. Wenig später legte Böhmermann mit einem weiteren Tweet nach: „Ihr kleinen Umweltsäue würdet doch ohne mit der Wimper zu zucken einen Kinderchor alle drei Strophen des 'Deutschlandliedes' singen lassen. Und zwar nicht zum Spaß.“

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