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Umstrukturierung bei RTL : Wer macht jetzt was?

Soviel RTL war noch nie: Der Sender baut eine neue Führungsebene auf. Bild: dpa

Kompetenzen verteilen, Entscheidungsfindungsprozsse beschleunigen und „meeten“: RTL-Sendergruppe erhält eine interessante Struktur.

          Der Sender RTL feiert heute Geburtstag. Nicht auf den Tag genau, aber vor ziemlich exakt 35 Jahren, am 2. Januar 1984, ging Deutschlands immer noch erfolgreichster Privatsender an den Start. Zelebriert wird das mit einer Liveshow beim kleinen Ablegerkanal, der so heißt, wie sich RTL ursprünglich nannte: RTLplus. Dort laufen die Recken der ersten Tage auf: Ulla Kock am Brink, Katja Burkard, Joachim Llambi, Ulrike von der Groeben und Marijke Amado zum Beispiel. Bei der Sendergruppe indes wird zum Jubiläum alles anders – mit neuen Chefs und neuer Kompetenzverteilung. Das Organigramm von RTL wird kompliziert, doch soll die Struktur dafür sorgen, dass Entscheidungen schneller fallen und sich in den größeren Rahmen der „Content Alliance“ einfügen, die der Mutterkonzern Bertelsmann gerade ins Leben gerufen hat, um seine großen Tanker gemeinsam zu steuern – die Mediengruppe RTL, die Produktionsfirma Ufa, die Verlagsgruppe Random House, die Musiksparte BMG und den Presseverlag Gruner + Jahr.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Eine Ebene tiefer vollzieht der neue Chef der Mediengruppe RTL Deutschland, Bernd Reichart, der gerade erst vor einem Monat die Nachfolge von Anke Schäferkordt angetreten hat, Schritte, die dazu dienen sollen, dass die RTL-Sender schneller und abgestimmter agieren. Dass bedeutet zunächst, dass der bisherige Programmgeschäftsführer von RTL, Frank Hoffmann, seinen Posten verliert. Er war 28 Jahre lang für die RTL-Gruppe im Geschirr, jetzt verlässt er das Unternehmen, wie es in solchen Fällen stets beschönigend heißt, „auf eigenen Wunsch und in bestem Einvernehmen“. Sein Nachfolger wird Jörg Graf, der sich bislang mit dem Programmeinkauf beschäftigte.

          Übergeordnet sind fünf Geschäftsführer

          Beim Sender Vox übernimmt Sascha Schwingel die Geschäfte, ein gelernter Produzent, der zuletzt bei der ARD-Produktions- und Filmtochter Degeto in Frankfurt wirkte. Den Sender Vox hatte zuletzt der neue RTL-Oberchef Reichart geführt. Die Senderchefs freilich erscheinen im neuen RTL-Reich eher wie Lokalfürsten. Denn ihnen übergeordnet sind fünf Geschäftsführer: Julia Reuter, Matthias Dang, Alexander Glatz, Stephan Schäfer und Jan Wachtel. Wobei insbesondere Stephan Schäfer als „Geschäftsführer für Inhalte und Marken“ an einer entscheidenden Schnittstelle sitzt. Seinen bisherigen Job als „Chief Product Officer“ von Gruner + Jahr behält Schäfer. Bei RTL ist er nun zudem für das „Senderportfolio, die Online-Plattform TV Now, Marketing, Produktionsmanagement und Programmeinkauf zuständig.

          Der nicht gerade unkomplizierte Strukturwechsel soll zu besserer Zusammenarbeit führen. Er glaube, dass man die Herausforderungen besser als Team bewältige und wolle „wirklich sicherstellen, dass wir Verantwortungen delegieren“, sagte Bernd Reichart vor Mitarbeitern. Er wolle, „dass wir uns in der Mediengruppe ‚meeten‘, nicht um Entscheidungsvorlagen zu erstellen, sondern, dass wir ‚meeten‘, um Entscheidungen zu treffen“. Teams funktionierten am besten, wenn sie „komplementär“ und „heterogen“ seien; Führung bedeute vor allem „Möglichmachen“.

          Ob bei RTL etwas ermöglicht wurde oder nicht, war bis dato vor allem von Reicharts Vorgängerin Anke Schäferkordt allein abhängig gewesen. Rasend innovativ gestaltete sich das Programmangebot von RTL in den letzten Jahren nicht. Freilich fuhren die Sender satte Gewinne ein, wie es Bertelsmann von ihnen erwartete. Mit seinem Team will der neue RTL-Chef nun das Tempo aufnehmen, das die Sendergruppe braucht, will sie der mächtig investierenden Konkurrenz von Netflix und Amazon und den sich ebenfalls mit ihren Mediatheken aufs Netz und auf Abruf-Fernsehen einstellenden öffentlich-rechtlichen Sendern begegnen.

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