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Umstrittene „taz“-Kolumne : Chefredakteurin bedauert „daneben gegangenen“ Text

  • Aktualisiert am

Seit Mai 2020 Teil der „taz“-Spitze: Barbara Junge Bild: dpa

Falsch verstanden? Nachdem die Berliner „taz“ durch eine Kolumne über die Polizei in die Kritik geraten war, drückt Chefredakteurin Barbara Junge nun ihr Bedauern über ein mögliches Missverständnis aus.

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          Die „taz“-Chefredakteurin Barbara Junge hat wegen einer in die Kritik geratenen Kolumne über die Polizei ihr Bedauern geäußert. In der Zeitung vom Samstag schreibt sie: „Eine Kolumne, so satirisch sie auch gemeint gewesen sein mag, die so verstanden werden kann, als seien Polizisten nichts als Abfall, ist daneben gegangen. Das tut mir leid.“ Am Montag war der Text der Autorin Hengameh Yaghoobifarah in der Tageszeitung „taz“ erschienen. Teil der Kolumne war ein Nachsinnen darüber, wo Polizisten arbeiten könnten, wenn die Polizei abgeschafft würde, der Kapitalismus aber nicht. Hier fiel auch die Option Mülldeponie.

          Von Polizisten und von Politikern kam danach viel Kritik. Polizeigewerkschaften kündigten an, mit Strafanzeigen dagegen vorzugehen. Beim Deutschen Presserat - die freiwillige Selbstkontrolle der Presse - gingen bereits bis Dienstag rund 50 Beschwerden ein. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Solche Dinge über eine ganze Berufsgruppe zu schreiben ist menschenverachtend.“ Er halte solche Kommentare für „sehr gefährlich“. Wenn man aus dem linken Spektrum heraus unter dem Deckmantel der Satire und Ironie solche Aussagen tätige, verstecke man sich eigentlich nur. Auf der Innenministerkonferenz zeigten sich weitere Ressortchefs empört. Die CSU veröffentlichte einen Tweet mit scharfer Kritik samt Foto der Autorin. Der Deutsche Journalisten-Verband sprach von Hetze. Der Tweet ist inzwischen nicht mehr zu sehen, die CSU bat auf Twitter wiederum für ihre Form der Kritik um Entschuldigung.

          „taz“-Chefredakteurin Barbara Junge schrieb in ihrem Text: „Seit Erscheinen der Kolumne wird in der „taz“ intensiv über den Text diskutiert, und viele Leserinnen und Leser haben uns ihre Empörung mitgeteilt.“ Weiter heißt es: „Satire darf fast alles - sogar in ihrer Wortwahl danebengreifen. Aber Menschen, egal welcher Berufsgruppe, als Müll zu bezeichnen, widerspricht fundamental dem Selbstverständnis der „taz“, die sich einer menschlicheren Gesellschaft verschrieben hat.“

          Zudem schrieb Junge, das Ringen in der Redaktion über den Text und darüber, was gesagt werden soll, darf und muss, lege aber auch „einen tieferen Konflikt in der „taz““ offen. „Wir streiten darum, wie stark der subjektive Blick, wie stark Diskriminierungserfahrung den Journalismus prägen soll oder darf.“ Die Chefredakteurin des Blattes mit Sitz in Berlin kündigte zudem an, dass es Debattenbeiträge zum Thema mit unterschiedlichen Perspektiven in der Zeitung geben werde.

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