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Umgangsformen im Netz : Wer Hass sät

Das Journalistenbüro „Correctiv“ ist bei seinen Recherchen über eine AfD-Politikerin über das Ziel hinausgeschossen. Bild: dpa

Keine Einbahnstraße: Wer zivile Umgangsformen im Internet fordert, muss sie auch selbst vorleben. Sonst ist es mit dem Engagement gegen „Hate Speech“ und „Fake News“ nicht weit her.

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          Gegen den „Hass“ im Netz und gegen „Fake News“ anzutreten ist der Slogan der Stunde. Auf den können sich scheinbar alle einigen, die sogenannte Netz-Gemeinde und die Politik hinterdrein. Selbsternannte „Fake News“-Entlarver schießen aus dem Boden, der Bundesjustizminister hat gar ein eigenes Gesetz aufgelegt, um in den sozialen Netzwerken für Ordnung zu sorgen. Zivilcourage sei angezeigt, sagte der Mitbegründer der Konferenz Republica, Markus Beckedahl, in dieser Woche im Interview mit dem Deutschlandfunk. Diese unter Beweis zu stellen, hätten „wir“ online noch nicht gelernt.

          Das Erstaunliche an dieser angeblich noch nicht gelernten Lektion ist, dass sie offenbar mit dem Kampf gegen Rechtsextremismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit in eins geht und – sich darin erschöpft. Dabei wird, wer sich ein wenig umschaut, Aversion, Intoleranz, gar Hass, auch an anderen Stellen finden, gerne auch bei jenen, die sich für Hass-Bekämpfer erster Ordnung halten, in Wahrheit aber andere Meinungen nicht ertragen. Die Umgangsformen des sogenannten Netz-Feminismus zum Beispiel lassen, um es vorsichtig zu sagen, doch häufig zu wünschen übrig. Einige prominente Politiker der Grünen sind nicht zimperlich, wenn sie sich bei Twitter äußern.

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          Das von Facebook als Anti-Fake-News-Brigade angeheuerte Journalistenbüro „Correctiv“ befand es kürzlich für nötig, eine AfD-Politikerin bloßzustellen, weil sie als „Nebenerwerbsprostituierte“ einmal sexuelle Dienstleistungen anbot. Die Begründung dieses vermeintlichen Scoops, der nichts als Denunziation war, fiel „Correctiv“ ziemlich schwer. Dabei wäre es ganz einfach: Wer gegen „Hass“ und „Fake News“ anzutreten meint, sollte die Maßstäbe, die er an andere anlegt, auch gegen sich selbst und jedermann gelten lassen, auf keinem Auge blind sein und nicht nur in eine Richtung „recherchieren“. Sonst fällt es denjenigen, die das Internet verpesten, sehr leicht, die vermeintlichen Moralwächter links liegenzulassen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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