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Umfragen im Wahlkampf : Immer der gleiche Zirkus?

Die Kandidaten bei der Fernsehdiskussion Ende August Bild: dpa

Mit schöner Regelmäßigkeit fühlen die Demoskopen den Wählern auf den Zahn. Die Frage bleibt: Wie viel Biss haben ihre Ergebnisse?

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          Vier, drei, zwei, eins, null: Dem ersten Teilnehmer der Umfrage des Instituts Forsa nach dem Triell bei RTL, der zwar zur Schlussabstimmung angemeldet war, sich aber nicht an ihr beteiligen konnte, nachdem er in der Zwischenrunde zur Halbzeit der RTL-Sendung mitgeteilt hatte, ihm gefalle von den drei Kandidaten Armin Laschet am besten, haben sich weitere hinzugesellt. Ihnen erging es, wie sie uns schildern, ebenso: Bei der Zwischenrunde war ihre Meinung noch gefragt, am Ende nicht mehr.

          Am Ende, wir erinnern uns, hieß es, Olaf Scholz habe das Triell „gewonnen“, Annalena Baerbock landete auf dem zweiten, Armin Laschet auf dem dritten Platz. Weniger als einem Prozent der Umfrageteilnehmer sei es so ergangen, teilte Forsa auf Anfrage mit, an der Repräsentativität der Blitzumfrage ändere dies nichts. Ein „Einfluss auf die Ergebnisse der Befragung“ sei „ausgeschlossen“. Auf die Selbstauskunft muss man sich dann wohl verlassen, wiewohl es generell erstaunt, dass das Vertrauen in die Aussagekraft von Umfragen nach wie vor hoch ist und die heiße Phase dieses Bundestagswahlkampfs bestimmt.

          Es geht vor allem oder fast nur noch um die Popularität der Spitzenkandidaten, die Trielle und viele andere Fernsehformate vermitteln den Eindruck, Baerbock, Laschet und Scholz stünden zur Wahl und sonst gar nichts. Und wenn dann noch eine Umfrage auf der anderen aufbaut, läuft die Stimmungsmechanik wie geschmiert.

          Bei Forsa, das seine Umfragen stets in deutlicher Sprache vorstellt, heißt es dann zum Beispiel: „Die von der CDU nach dem ersten Triell erhoffte Trendumkehr der politischen Stimmung ist – wie Sie der beigefügten Pressemeldung von RTL entnehmen können – nicht eingetreten. Im Gegenteil: Die Union sackt wohl zum ersten Mal in der Wahlgeschichte der Republik unter die 20-Prozent-Marke.“ Bei Forsa liegen CDU und CSU bei 19 und rangiert die SPD bei 25 Prozent, Allensbach sieht die Union immerhin noch bei 25 und die SPD bei 27 Prozent. Der Genosse Trend ist unverkennbar, dass die Union mit Laschets Nominierung auf den Selbstzerstörungsknopf gedrückt haben könnte, ebenso, aber der Hang, die Umfrageergebnisse von heute für das Wahlergebnis von morgen zu halten, verblüfft. Die Kluft, die sich zwischen Umfragen und Wahlergebnis bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt auftat, scheint vergessen. Am 12. September werden wir bei ARD und ZDF denselben Zirkus erleben wie beim RTL-Triell, Blitzumfrage inklusive. Wie es aussieht, verzichten die Sender wenigstens darauf, die Befragung danach bei Anne Will zur Comedy zu machen, wie es der Kölner Privatsender mit seiner Plauderrunde tat.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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