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Umbau bei der WAZ : Gewerkschaftsboss wird Chefredakteur

Bewegung bei der WAZ Bild: ddp

In der WAZ-Gruppe wird ein Gewerkschaftsboss Chefredakteur: Malte Hinz von der Deutschen Journalisten-Union übernimmt die „Westfälische Rundschau“. Die bisherige Chefredakteurin Kathrin Lenzer hat gekündigt.

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          Es passiert nicht alle Tage, dass ein Gewerkschaftsboss Chefredakteur wird. In der WAZ-Gruppe vollzieht sich aber genau das: Malte Hinz, Vorsitzender der Deutschen Journalistenunion (dju), wird mit sofortiger Wirkung Chefredakteur der „Westfälischen Rundschau“. Die Gesellschafter, darunter die SPD-Medienholding DDVG, haben seiner Berufung zugestimmt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die bisherige Chefredakteurin Kathrin Lenzer hat gekündigt und ist umgehend beurlaubt worden. Der WAZ-Geschäftsführer Bodo Hombach soll sich intern über Lenzers Demission sehr enttäuscht gezeigt haben. Sie war jedoch in der Redaktion ihres Blattes und von außen in der letzten Zeit heftig angefeindet worden. Über die „Indiskretionen“ aus seinem Haus in den letzten Tagen ist der Geschäftsführer Hombach dem Vernehmen nach alles andere als amüsiert – weil sie den Zeitungen schadeten.

          262 Stellen werden gestrichen

          Der Abgang der Chefredakteurin Kathrin Lenzer nun kam fünf vor zwölf: Am Freitag wird die WAZ-Führung den Betriebsräten ihre mit den Gesellschaftern abgestimmte „Agenda“ vorstellen. Und diese „Agenda“ verheißt den nach Ansicht der Geschäftsführung einzigen Weg, alle vier Zeitungstitel der Gruppe in Nordrhein-Westfalen fortzuführen, indem man für drei der Blätter eine gemeinsame Mantelredaktion bildet. Das aber bedeutet für die Mitarbeiter: 262 von knapp neunhundert Stellen – gerechnet über alle Redaktionen – fallen weg.

          21 Millionen Euro gespart

          In der neuen Mantelredaktion, dem sogenannten „Content Desk“, das die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, die „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ und die „Westfälische Rundschau“ beliefert, sollen den Plänen des von der WAZ-Gruppe beauftragten Beratungsunternehmens Schickler zufolge 85 Redakteure sitzen, hinzu kommen jeweils zwölf Redakteure in den sogenannten „Titelredaktionen“. So will die Gruppe 21 Millionen Euro an Personalkosten einsparen und verhindern, dass ihre NRW-Blätter im kommenden Jahr dreißig Millionen Euro Verlust einfahren. Die Kosten insgesamt sollen um dreißig Prozent reduziert werden, zwei Millionen Euro jährlich will man durch den Verzicht auf die Dienste der Deutschen Presse-Agentur einsparen.

          Die Alternative wäre wohl gewesen, ein Blatt vom Markt zu nehmen. Gerade die „Westfälische Rundschau“ stand auf der Kippe, nicht im Defizit liegt allein die „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“. Den Gewerkschafter Hinz nun zum Chefredakteur der „Rundschau“ zu machen ist ein geschickter Schachzug der Geschäftsführung. Er ist seit mehr als dreißig Jahren bei der Zeitung, langjähriger Betriebsrat und hat als solcher den Umbau der Gruppe begleitet. Mit ihm als Chefredakteur dürfte es leichter fallen, die „Agenda“ gegen Kritiker zu verteidigen.

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