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Störer im Reichstag : Journalismus ist etwas anderes

Draußen, zwischen dem Brandenburger Tor und dem Reichstag, kam es bei der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung zu Ausschreitungen. Im Parlament wurden Abgeordnete bedrängt. Bild: EPA

Die AfD hat Störer in den Reichstag gelotst, die Abgeordnete bedrängt haben. Die Aktionen wurden von den Eingeschleusten noch verfilmt. Wie soll man sie nennen?

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          Was haben Journalisten, Akupunkteure und Yoga-Lehrer gemeinsam? Sie üben einen Beruf aus, dessen Bezeichnung rechtlich nicht geschützt ist. Journalist darf sich jeder nennen. Ob man sie oder ihn für einen hält, hängt vor allem von der Arbeitsprobe ab. An einen Presseausweis kommt man auch relativ leicht. Und schreiben, filmen, senden, podcasten, posten, das kann jeder.

          Doch sei für den Journalismus, meint zumindest der Deutsche Journalisten-Verband (DJV), die Sinnhaftigkeit des Ganzen entscheidend: Journalisten hätten „die Aufgabe, Sachverhalte oder Vorgänge öffentlich zu machen, deren Kenntnis für die Gesellschaft von allgemeiner, politischer, wirtschaftlicher und kultureller Bedeutung ist“. Sie schafften „die Grundlage dafür, dass jede Bürgerin und jeder Bürger die in der Gesellschaft wirkenden Kräfte erkennen und am Prozess der politischen Meinungs- und Willensbildung teilnehmen kann“.

          Wobei es ganz entscheidend darauf ankommt, ob man diese Meinungsbildung für insgesamt gelungen hält oder nicht. Nach Ansicht der AfD und ihrer Anhänger und der kruden Anti-Corona-Maßnahmen-Bewegung, die sich seit einiger Zeit formiert, ist das wohl nicht so. Zum Grundton gehört dort die Hetze gegen die angeblich politisch ferngesteuerten „Mainstream-Medien“, auf Corona-Demonstrationen werden Journalisten angegriffen, wie wir es sonst von rechten oder linken Aufmärschen kennen.

          Doch gibt es auch andere „Journalisten“, etwa solche, wie sie mit Hilfe der AfD in den Bundestag eingedrungen sind und Abgeordnete bedrängt haben. Das Video, auf dem zu sehen ist, wie eine ehemalige Flüchtlingshelferin namens Rebecca Sommer Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier beschimpft, aufgenommen von einem Herrn Thorsten Schulte, zeigt, was Journalismus gerade nicht ist: seine eigene Propaganda verbreiten, und sei es, indem man jemanden einfach grob beleidigt.

          Als „rechte Medienaktivisten“ oder Youtuber werden die Störer in Berichten bezeichnet, was wir ganz passend finden, weil sich als „Aktivist“ nun wirklich jeder ausgeben kann, dafür muss man nicht einmal schreiben können. Und für diese Art von Youtuber braucht es nur ein Video, das kriegt auch jeder hin. Journalismus ist hingegen etwas anderes; etwas, das die AfD, welche die parlamentarische Demokratie mit inzwischen fast allen Mitteln angreift, fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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