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Entertainerin Sarah Cooper : Wie man Trump wird

Sarah Cooper Bild: SarahCpr.com

Sarah Cooper imitiert Donald Trump – indem sie zu dessen Statements die Lippen bewegt. Die Clips haben sie zum Star gemacht. Und sie bringen etwas über Trump zum Vorschein, das man so noch nicht erkannt hatte.

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          Die Comedy-Künstlerin Sarah Cooper hat seit der Corona-Pandemie riesigen Erfolg mit Videoclips, in denen sie zur Stimme des amerikanischen Präsidenten die Lippen bewegt. Diese Clips zählen zum Lustigsten, was derzeit im Internet zu finden ist: Sie sind aufklärerisch und albern zugleich. Coopers Stil hat der Hollywood-Star Ben Stiller vor kurzem „understated perfection“ genannt, und das trifft es genau. Denn die 43-jährige New Yorkerin (geboren ist sie auf Jamaika) produziert ihre Clips mit einfachen Mitteln von zu Hause. Der Trick ist, zum richtigen Ausschnitt das Richtige zu tun, und nicht mehr.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und das heißt, zu den Worten Trumps aus dem Off: Dastehen. Die Augen weiten, verengen. Die Hände ans Gesicht legen, Kopf und Oberkörper wiegen. Und dabei simultan die Lippen bewegen. Zum Vorschein kommen die Gesten eines Chefs, der seinen Worten durch Posen Macht verleiht, und dadurch auch sich selbst. Cooper wiederum reißt diese Posen an sich und macht so Trumps Präpotenz sichtbar. Dabei dachte man eigentlich, man hätte ihn längst durchschaut.

          „Ich bin total anders als er“, hat Cooper kürzlich Ellen deGeneres erzählt, die sie begeistert in ihre Talkshow eingeladen hatte, „ich bin eine schwarze Frau, eine Einwanderin – mir würde man nie das Zeug durchgehen lassen, mit dem er davonkommt.“ Also fängt Cooper ihn ein, mit dem uralten Mittel der Imitation, aber auf den neuesten Stand digitaler Humortechnik gebracht.

          Im vergangenen Jahr hatte Cooper sich von ihren Neffen zeigen lassen, wie Tiktok funktioniert. Jetzt benutzt Cooper die Synchronisationsfunktion jener App, die sonst vor allem von Kids aus aller Welt für Tanzvideos genutzt wird, um den Statements des Präsidenten ihr Gesicht zu geben: Trump, der sich windet, seine liebste Bibelstelle zu nennen. Trump, der erklärt, dass Amerika so viele Corona-Fälle verzeichnet, weil hier eben so viel getestet wird, weniger Tests würden also weniger Fälle bedeuten. Trump, der prahlt, er sei heute Morgen positiv getestet worden, also negativ, also positiv im Sinne von negativ.

          Und Trump – der Clip brachte im April den Durchbruch für Sarah Cooper –, wie er darüber fabuliert, dass man den Einsatz von Desinfektionsmittel und Licht gegen Covid-19 prüfen könnte, zum Entsetzen von Deborah Birx, die im Weißen Haus den Kampf gegen das Virus koordiniert.

          Trumps Auftritte sind um die Welt gegangen. Dank Sarah Cooper aber erkennt man doch noch etwas Neues an den Machttechniken des Präsidenten: Letztlich sind es nicht mehr als Manierismen, die auch in kleinsten Büros funktionieren. Bevor sie ins Entertainment wechselte, hatte Cooper für Google gearbeitet.

          Ihr erstes Buch präsentierte 2016: „100 Tricks to Appear Smart in Meetings“. Auf Youtube finden sich frühe Clips, in denen sie die Kunst des Nickens in Konferenzen lehrt – die instruktive Form imitierte wiederum die Form, die sie ironisierte.

          Eine Humortechnik, die verwandt ist mit jenem „Powerpoint-Karaoke“ der Berliner Zentralen Intelligenz Agentur, bei der kryptische Folien aus Unternehmensvorträgen hochtrabend neu interpretiert wurden. Das war komisch, zeigte aber auch, genau wie Coopers Clips, die Allgegenwart ökonomischer Protzerprosa und deren Durchschlagskraft.

          „Er hat es geschafft, allein durch Posen der mächtigste Mann der Welt zu werden“, hat Sarah Cooper jetzt über Donald Trump gesagt. Der Präsident blockiert sie inzwischen auf Twitter.

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