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Meteorologie und Medien : Manche Wetter-App läuft im Sommer heiß

  • -Aktualisiert am

Bei der Hitze hört der Durst nie auf. Bild: dpa

Der Sommer ist gewaltig. Er ist heiß. Es ist viel zu trocken. Erscheint uns das nur so, oder ist es ungewöhnlich? Warum stimmt die Wettervorhersage nicht? Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst gibt Auskunft.

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          Wir haben seit Wochen hohe Temperaturen. Ist der heiße Sommer ungewöhnlich?

          Das kann man sicherlich sagen, denn derart hohe Temperaturen und anhaltende Trockenheit haben wir in Deutschland nicht jedes Jahr. Eigentlich ging das schon im April und Mai mit Rekordtemperaturen los, und der Sommer ist ja noch lange nicht zu Ende. Gerade haben übrigens die „Hundstage“ begonnen, zu denen oft die heißesten Tage des Jahres auftreten. Der Name hat natürlich nichts mit Hunden zu tun, sondern mit dem jetzt zwischen 23. Juli und 23. August sichtbaren Sternbild „Großer Hund“ beziehungsweise Canis Major.

          Die Wetterlage ändert sich aber auch ganz plötzlich, etwa wenn kurze, heftige Schauer oder Gewitter einsetzen.

          Wetter ist generell sehr abwechslungsreich. Es ist, physikalisch gesehen, ein chaotisches System. Das macht ja auch die Wettervorhersage so schwierig. Es gibt Witterungsabschnitte, die relativ gleichförmig verlaufen, beispielsweise der sogenannte Altweibersommer im September. Ganz anders das eher abwechslungsreiche Aprilwetter. Tatsächlich beobachten aber auch wir, dass gerade im Sommer zunehmend gewittrige Wetterlagen sich mit trockenen, heißen Perioden abwechseln. Ursache sind offenbar Änderungen in der Häufigkeit der Großwetterlagen, das heißt der Orientierung der Hoch- und Tiefdruckgebiete in unserem Raum. Diese Änderungen hängen letztlich mit den Änderungen unseres Klimas zusammen, insbesondere mit der zunehmenden Erwärmung der Atmosphäre.

          Heiß, heißer, am heißesten: Die vorinstallierten Apps sind mit Vorsicht zu genießen.

          Wenn Gewitterwarnungen ausgesprochen werden, dann meist für größere Gebiete. Wenn man an den Badesee oder ins Schwimmbad möchte, wäre es gut, zu wissen, ob es genau da regnet. Wieso kann man Gebiete nicht stärker eingrenzen?

          Auch hier gibt es physikalische Grenzen der Vorhersagbarkeit. Heutzutage kann man mit großer Wahrscheinlichkeit aufkommende Gewitter vorhersagen. Gewitterzellen sind jedoch recht klein, oft mit einem Durchmesser von nur knapp zwei Kilometern, und dazwischen herrscht möglicherweise bestes Wetter. Auf Satellitenbildern sieht man das manchmal sehr schön von oben. Da wachsen innerhalb kürzester Zeit, manchmal innerhalb einer halben Stunde, Gewitterzellen wie kleine, weiße Champignons aus der Landschaft heraus. Punktgenaue Vorhersagen sind bei kleinräumigen Ereignissen extrem schwierig, manchmal auch unmöglich: Ich vergleiche das gerne mit einem Topf mit heißem Wasser auf der Herdplatte, bei dem man sich fragt, an welcher Stelle wohl die erste Blase aufsteigt. Deswegen beginnen wir zunächst mit Vorabinformationen. Darin wird die Warnlage angesprochen und welche Gefahren in welchen Gebieten drohen. Die Wetter- oder Unwetterwarnungen kommen dann später und räumlich präziser, zuletzt bis auf Landkreisebene oder sogar noch darunter. Es würde für die verschiedenen Einrichtungen des Katastrophenschutzes ja keinen Sinn ergeben, wenn wir pauschal für ganz Südhessen warnen.

          Gerhard Lux, Sprecher beim Deutschen Wetterdienst.

          Ist die Wettervorhersage – insbesondere im Sommer – schwieriger geworden?

          Generell sind Wettervorhersagen bei gleichförmiger, stabiler Wetterlage etwas einfacher als bei Wetter mit hoher Labilität, wie wir es manchmal im Hochsommer haben. Der Klimawandel bewirkt aber, dass die Häufigkeit extremer Wettersituationen bei uns zunimmt. Das macht es für uns tatsächlich schwieriger, allerdings konnte durch Fortschritte in der Meteorologie und speziell in der Wettervorhersage die Qualität unserer Vorhersagen in den letzten Jahrzehnten trotzdem kontinuierlich verbessert werden.

          Warum sind Wetter-Apps auf dem Handy oft so ungenau?

          Es gibt sehr viele solcher Apps von sehr vielen Privatfirmen. Ich verstehe auch nicht, warum die Ergebnisse oft so ungenau sind. Die Anbieter der vorinstallierten Wetter-Apps auf iOS- und Android-Geräten haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten. Ich könnte mir vorstellen, dass die Daten für Europa da nicht ganz so detailliert nutzbar sind. Was die Apps von Privatfirmen angeht: Fast alle verwenden Daten des Deutschen Wetterdienstes oder einen Mix aus allen möglichen Daten, die frei verfügbar sind. Die Daten und Vorhersagen des DWD sind öffentlich zugänglich und frei nutzbar. Die Umsetzung in den diversen Apps ist jedoch Sache dieser privaten Firmen. Der Deutsche Wetterdienst bietet inzwischen eine eigene Warn-Wetter-App mit den Daten und Informationen direkt aus unserem Rechenzentrum an. Sie warnt und macht das aktuelle Wettergeschehen verständlich. Damit kann ich planen.

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