https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/twitter-sperrt-titanic-magazin-wegen-storch-satire-15371919.html

Twitter sperrt „Titanic“ : Storch-Satire ist nicht regelkonform

Ist da, wo Storch dransteht, auch immer Storch drin? Bild: Reuters

Wer AfD-Politikerinnen seinen Twitter-Account überlässt, muss mit Sperrung rechnen – auch dann, wenn es sich um eine deutlich gekennzeichnete Parodie handelt.

          1 Min.

          Nicht nur AfD-Politiker haben Ärger mit Twitter, auch Satire-Accounts müssen sich mit den nicht immer durchsichtigen Richtlinien des Kurznachrichtendienstes herumschlagen. Das Magazin „Titanic“ lud sich eine fiktive Beatrix von Storch als Gast-Twitterin ein. „Wir wollten einer verfolgten Kämpferin für Menschenunrechte Asyl bieten. Denn wenn wir Twitter richtig verstehen, ist es ein Forum für die Schwächsten unserer Gesellschaft: mehrfach herausgeforderte Politiker mit speziellen Ansichten, ganz besondere Menschen also“, ließ Chefredakteur Tim Wolff in einer Pressemitteilung verlauten.

          Andrea Diener
          Korrespondentin im Main-Taunus-Kreis

          Die echte Beatrix von Storch hatte kurz nach Silvester den offiziellen Account der Kölner Polizei angegriffen, der Neujahrswünsche in mehreren Sprachen gepostet hat. „Was zur Hölle ist in diesem Land los? Wieso twittert eine offizielle Polizeiseite aus NRW auf arabisch? Meinen Sie, die barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden so zu besänftigen?“, so der Originaltweet, gegen den bereits Hunderte Anzeigen wegen Volksverhetzung vorliegen.

          Der inkriminierte Storch-Gasttweet.
          Der inkriminierte Storch-Gasttweet. : Bild: Titanic

          Daraufhin „übernahm“ von Storch den offiziellen Titanic-Account, der sich mit einem von-Storch-Bild und dem Titanic-Logo eigentlich ziemlich unverkennbar als Parodie ausweist. „Wisst Ihr, was Twitter auf Arabisch heisst, liebe @polizei_nrw_k? Ja? Pfui! Ich weiß es nicht – denn das letzte, was ich haben will, sind besänftigte barbarische, muslimische, gruppenvergewaltigende Männerhorden! (bvs)", so Titanic in schönstem Storch-Duktus.

          Nichts geht mehr: Der gesperrte Account.
          Nichts geht mehr: Der gesperrte Account. : Bild: Titanic

          Doch Twitter erkennt anscheinend den Unterschied zwischen ernstgemeinten und parodierten Barbarenhorden nicht, oder will sich schlicht nicht darum kümmern. Die Account-Inhaber bei der Titanic können derzeit nicht auf ihren Account zugreifen, auch wenn alle bisherigen Tweets von außen sichtbar sind. „Wir haben festgestellt, dass dieser Account gegen die Twitter Regeln verstößt“, so die lapidare Mitteilung. Um die Sperre aufzuheben, sollen die Satiriker den inkriminierten Tweet löschen. Doch die denken gar nicht daran: „TITANIC wird den inkriminierten Tweet nicht löschen und wartet auf eine Reaktion des Twitter-Support-Teams und aus dem – "noch!" (Wolff) – befreundeten Justizministerium“, so der Chefredakteur.

          Die Satireunfähigkeit sozialer Netze schlägt bei „Titanic“ nicht zum ersten Mal zu. Tim Wolff wurde bereits einmal mit seinem persönlichen Account bei Facebook gesperrt, weil er eine Titelseite der „Bild“-Zeitung abfotografiert hatte.

          Weitere Themen

          Was würde Han Solo sagen?

          Die Folgen unserer Lebensweise : Was würde Han Solo sagen?

          Nachhaltigkeit hat ein ernsthaftes PR-Problem: Jakob Thomä rechnet vor, wie viele Menschen durch den Klimawandel, unseren Abfall, unsoziale Arbeitsbedingungen und anonymen Onlinekonsum ums Leben kommen.

          Lametta in Kreuzberg

          Erster PEN-Kongress in Berlin : Lametta in Kreuzberg

          Weiblich, migrantisch, jung: Der neue PEN Berlin lädt zur Diskussion und erklärt die Meinungsfreiheit zur Hauptdarstellerin dieser ersten öffentlichen Werkstatt.

          Topmeldungen

          Neuankömmlinge aus Syrien 2016

          Einwanderungspolitik : Wie viel Neuanfang steckt in der Ampel?

          Zwar verspricht der Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP einen „Neuanfang“. Aber die Einwanderungspolitik der Ampel führt in vielerlei Hinsicht nur das fort, was frühere Regierungen begannen.
          Die Hauseigentümerquote in Großbritannien ist hoch, Millionen Haushalte müssen Hypothekenkredite zurückzahlen.

          Immobilienmarkt : In Großbritannien fallen die Hauspreise

          Um 8 bis 12 Prozent könnten die Häuserpreise sinken, nachdem sie zuvor auf Rekordhöhen gestiegen waren. Banken bereiten sich auf mehr faule Kredite und Ausfälle vor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.