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Twitter : Gemeinsam gegen Trolle

Manchmal ist es alles andere als harmlos, was im Zeichen des Vögelchens veröffentlicht wird. Bild: dpa

Twitter will seine Nutzer besser schützen und ihnen im Kampf gegen Trollattacken beistehen. Deshalb kann man Blocklisten künftig teilen – was bringt das?

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          Dass sich auf Twitter immer wieder Wellen des Hasses ergießen, wird wohl nie ganz zu verhindern sein. In den vergangenen Jahren unternahm der Kurznachrichtendienst aber viel zu wenig gegen Trollattacken. Schließlich sah das sogar der Geschäftsführer Dick Costolo ein und rief im Februar in einem internen Memo mit ziemlich klaren Worten dazu auf, mehr dafür zu tun, dass die Nutzer sich auf der Plattform wohlfühlen können. „Wir haben im Umgang mit Beschimpfungen und Trollen versagt, und wir tun das schon seit Jahren“, schrieb er. Zuvor hatte es einige prominente Abwanderer gegeben, die Schauspielerin und Autorin Lena Dunham etwa oder Zelda Williams, Tochter des Schauspielers Robin Williams, die nach dem Tod ihres Vaters massiven Angriffen ausgesetzt war.

          Twitter hatte damals noch keine konkreten Schritte angekündigt. Am Mittwoch wurde nun die erste Maßnahme vorgestellt: Bald können Twitter-Nutzer ihre Blocklisten untereinander austauschen. Das klingt erst einmal unspektakulär, und einzelnen Betroffenen hilft es kaum. Wenn jedoch konzertiert gegen Gruppen gepöbelt wird, kann das hilfreich sein.

          Warten auf weitere Maßnahmen

          Zum Beispiel in Fällen wie dem sogenannten „Gamergate“, dem bisher größten Sturm im Netz, der sich gegen weibliche Mitglieder und Kritikerinnen der Computerspieleindustrie richtete. Diese sahen sich täglich mit Frauenfeindlichkeit und Vergewaltigungsdrohungen konfrontiert, man machte ihre Adressen und Telefonnummern öffentlich. Die konzertierte Aktion erstreckte sich über mehrere Foren, vor allem Reddit. Aber gerade auf Twitter kann man solchen Anfeindungen nur schwer entgehen, wenn der eigene Benutzername erwähnt wird, und sie verbreiten sich rasend schnell durch Retweets. Das Blockieren einzelner wird dann zum mühsamen Geschäft.

          Durch den Austausch der Blockliste, die dafür mit einer Import- und Exportfunktion versehen wird, muss nun nicht mehr jeder Nutzer jeden Troll einzeln blockieren, sondern kann ganze Gruppen ausschließen. Diese Funktion verhindert, dass der Troll – oder auch nur die notorische Nervensäge – das Profil anschauen oder interagieren kann. Treibjagden wie Gamergate werden dadurch nicht verhindert, nur ein wenig erschwert. Die Funktion soll in den nächsten Wochen allen Nutzern zur Verfügung gestellt werden. Dort wird man sie dann unter Einstellungen / Blockierte Accounts / Erweiterte Optionen finden.

          Man neigt nun dazu, angesichts der bisherigen Tatenlosigkeit Twitters bezüglich des Troll-Problems bereits jeden kleinen Schritt zu honorieren, der die guten Absichten des Unternehmens bezeugt. Von den „more sophisticated tools“, den ausgereifteren Werkzeugen, von denen Twitter in einem Blogbeitrag spricht, ist die teilbare Blockliste aber noch ziemlich weit entfernt. Schön, dass das Problem erkannt wurde – die Gefahr ist aber längst nicht gebannt. „Wir arbeiten an weiteren Kontrollmöglichkeiten für die Nutzer“, heißt es weiter auf dem Twitter-Blog, und dass man diese in der nahem Zukunft vorstellen werde.

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