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Alles außer Fußball : Vorsprung durch Twitter

Twitter-Zentrale in San Francisco Bild: dpa

Man kann nur hoffen, dass Elon Musk das Netzwerk Twitter nicht ruiniert. Es ist der beste Nachrichtenkanal.

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          Twitter ist wie fernsehen, nur besser. Twitter nährt sich vom Fernsehen, nur dass der Rohstoff hier nicht bloß die braven deutschen Programme sind. Twitter kann man einschalten, so wie man früher das Fernsehen eingeschaltet hat, in den Momenten, da man zu unkonzentriert zum Lesen ist und keine Lust hat, Musik zu hören. Nur dass man bei Twitter mehr über die Welt und die Menschen lernt – wenn man nur will.

          Es ist falsch, verabscheuungswürdig und dumm, was Elon Musk, der neue Besitzer, in diesen Tagen bei Twitter tut – und womöglich wird die Plattform ja demnächst untergehen. Es hat nur im Moment noch wenig Einfluss auf das, was man als normaler Nutzer dort erleben und erfahren kann – und es mehren sich die Anzeichen dafür, dass so mancher, der seinen Abschied von Twitter und seinen Umzug zur Plattform Mastodon laut verkündet hat, weshalb man ihm oder ihr nachrief, wie schade, es war doch so interessant, nicht einer Meinung mit Ihnen zu sein – dass so mancher sich dann doch zum Bleiben entschlossen hat: schon weil die Menge der Nutzer und die Internationalität etwas sind, das man nicht missen möchte.

          Man muss den Pöblern und Trollen ja nicht folgen; man sollte aber offen genug sein, mindestens tausend Accounts in seine Timeline hereinzulassen – und dann passiert es eben, zum Beispiel, dass man die ersten Videos von rebellierenden Chinesen sieht, zwei Tage bevor das auch die Fernsehnachrichten melden. Natürlich ist die Echtheit nie verbürgt, das ist sie aber auch dann nicht, wenn die „Tagesschau“ die Videos zeigt; nur dass sich bei Twitter fast immer jemand findet, der die Botschaft solcher Clips in den Kommentaren auch einordnen, ergänzen, gegebenenfalls dementieren kann. Ohne Twitter hätte man von der amerikanischen Journalistin Julia Davis vielleicht nur aus der Ferne gehört. Jetzt postet sie regelmäßig ihren „Russian Media Monitor“, wo sie Ausschnitte aus russischen Talkshows zeigt und untertitelt: Das ist oft bizarr, manchmal furchterregend und von zynischer Grausamkeit, was so mancher Teilnehmer der Ukraine wünscht oder antun will.

          Es sind Beiträge, für deren Bewertung dem Nichtexperten meistens die Kriterien fehlen. Aber dafür gibt es ja die Kommentare. Und letztlich ist es immer noch besser, davon zu wissen, als davon nichts zu wissen. Ach, man kann nur hoffen, dass Musk bald das Interesse an diesem Spielzeug verliert und es wieder sich selbst, den Profis und seriösen Werbekunden überlässt. Es ist in diesen Zeiten der beste und schnellste Nachrichtenkanal. Weshalb man dort von allen interessanten WM-Toren natürlich sofort erfährt.

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

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